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09-04-2008 50 Jahre Beijing Rundschau
Thomas Heberer: Die Beijing Rundschau und ich
von Xu Bei
Am 31. März 2008 empfing die Redaktion der Beijing Rundschau einen besonderen Gast aus Deutschland: Thomas Heberer. Er ist heute Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Ostasien an der Gerhard Mercator Universität Duisburg-Essen. Vor dreißig Jahren aber war er Mitarbeiter der Beijing Rundschau. Zwei Generationen von Journalisten der Beijing Rundschau im Gespräch über die Zeitschrift und die chinesische Geschichte der letzten dreißig Jahre.
Meine Zeit bei der Beijing Rundschau
Beijing Rundschau: Von wann bis wann arbeiteten Sie bei der Beijing Rundschau? Thomas Heberer: Ich bin eingereist am 1. Juli 1977. Am 1. August 1981 habe ich Beijing wieder verlassen. Den Job bei der Beijing Rundschau kann man als meine erste Arbeitsstelle überhaupt bezeichnen. Nach meiner Promotion bin ich direkt nach China gegangen.
Was war der Inhalt Ihrer Arbeit für die Beijing Rundschau? Überwiegend Korrektur von deutschsprachigen Texten, die von chinesischen Kollegen übersetzt worden waren, teilweise habe ich aber auch selbst aus dem Chinesischen oder Englischen übersetzt, und in Einzelfällen habe ich auch eigene Artikel geschrieben und zur Veröffentlichung vorgeschlagen.
Warum haben Sie sich in den 70er Jahren entschlossen, nach China zu kommen? Ich habe Völkerkunde studiert. Und man musste sich irgendwann auf eine Region festlegen. Ich bin Anfang der 70er Jahre in Indien gewesen. Im Jahr 1975 kam ich zum ersten Mal nach China. Zuvor hatte ich mich schon entschieden, Chinesisch zu lernen. Ich habe mir gesagt, wenn ich das Land wirklich verstehen will, muss ich hierher und hier leben und arbeiten. Deshalb bin ich 1975 zur chinesischen Botschaft nach Bonn gefahren. Ich habe gesagt, dass ich nach Abschluss meiner Promotion in China arbeiten möchte. Im Jahr 1977 musste ich dann noch eine Sprachprüfung machen. Danach hat man gesagt, dass ich einreisen kann. Die Mitarbeiter der Botschaft meinten: „Es gibt kein Nachtleben. Das müssen Sie wissen. Sie dürfen keines erwarten." Ich habe noch gefragt, ob ich einen Anzug mitnehmen muss und eine Krawatte. Sie sagten: „Nein, das trägt man bei uns nicht. Am besten kaufen Sie sich chinesische Kleidung, damit Sie nicht besonders auffallen." Ich trug dann die gleiche Kleidung wie meine chinesischen Kollegen.
Was für eine Zeitschrift war die Beijing Rundschau damals? Im Jahr 1977 war die Beijing Rundschau eine streng kontrollierte Zeitschrift. Man konnte an den Texten, die wir bekamen, gar nichts verändern. Jeder Text musste Wort für Wort übersetzt werden. Immer wurde kontrolliert, ob jedes Wort, das im chinesischen oder englischen Text vorkam, genau so, wie es im Wörterbuch steht, auch in unserer Übersetzung auftauchte. Wir waren damals eine große Abteilung mit dreißig chinesischen Mitarbeitern und zwei Ausländern. Wir arbeiteten im Prinzip sechs Tage in der Woche, am Samstag waren wir in der Druckerei. Wir alle haben oft sehr hart gearbeitet. Vor allem wenn ein Kongress stattfand, musste fast rund um die Uhr gearbeitet werden. Die ausländischen Experten – mich eingeschlossen – waren alle aus politischen Gründen nach China gekommen. Das bedeutete, dass für uns die Arbeit entscheidend war, nicht der Lohn. Wir waren als Idealisten hergekommen und wollten etwas für China tun. Deswegen haben wir gerne viel gearbeitet. Wir haben uns damit identifiziert, wir haben auch die Sachen diskutiert. Das andere waren die Arbeitsbedingungen: das Gebäude war ziemlich heruntergekommen und schmuddelig. Die Fenster waren morsch, der Wind pfiff durch. Die Heizung wurde am 11. November angestellt und am 11. Februar abgestellt. Dann war es aber oft immer noch bitter kalt. Manchmal waren mir die Hände so klamm, dass ich nicht arbeiten konnte. Ein großer Kontrast zu heute! Wenn ich heute die Beijing Rundschau im Internet anschaue, ist sie technisch auf dem neuesten Stand. Die Sprache ist wie in einer deutschen Zeitschrift eine moderne Sprache. Der Modernisierungsprozess hat sich also auch im Internetauftritt der Beijing Rundschau niedergeschlagen. Es hat ein gewaltiger Veränderungsprozess stattgefunden. |
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