09-04-2008 50 Jahre Beijing Rundschau
Thomas Heberer: Die Beijing Rundschau und ich
von Xu Bei

 

Thomas Heberer: Politikwissenschaftler, der sich vor allem mit China befasst.

 

Können Sie uns als alter Mitarbeiter der Beijing Rundschau Vorschläge machen, wie wir unsere Homepage verbessern können?

Als ich 1986 Hu Yaobang interviewte, habe ich einen Vorschlag gemacht, ob der noch sinnvoll ist, weiß ich nicht. Ich habe damals gesagt, man soll eine Zeitschrift machen, nicht drei oder vier, sondern eine und zwar mit Informationen, die überwiegend von Ausländern geschrieben sind. Ich denke, Ausländer können einfach besser für Ausländer schreiben, als Chinesen dies könnten. Genauso wie Deutsche schwer für Chinesen schreiben können. Man muss den kulturellen Code, den Geschmack kennen. Es gehört eine bestimmte Symbolik dazu, um einen Artikel für die Leser verständlich und auch akzeptabel zu machen. Sich im Internet zu behaupten, halte ich für ausgesprochen schwierig, denn die Menschen surfen mal dahin und mal dorthin. Eine gedruckte Ausgabe ist meines Erachtens auf Dauer unumgänglich. Man hat ja lange gedacht, dass Bücher und Zeitschriften durch elektronische Medien ersetzt werden. Mittlerweile hat man erkannt, dass dies zumindest mittelfristig nicht der Fall ist. Gegenwärtig ist es noch wichtig, eine Zeitschrift, etwas Gedrucktes in Händen zu halten, nicht nur eine Internetpräsentation vor Augen zu haben.

 

Wie können wir – die jüngere Generation - die Beijing Rundschau verbessern, damit sie eine Rolle spielen kann in der Vermittlung zwischen China und Deutschland?

 

Man publiziert die Darstellung, die die Regierung vertritt. Das finde ich auch wichtig. Ich fand es immer sehr gut, dass wir die Beijing Rundschau in der Bibliothek hatten, weil man auf die ganzen Dokumente zurückgreifen konnte. Durch das Internet ist das jetzt nicht mehr der Fall. Eine andere Möglichkeit wäre, dass man sagt, man macht regierungsunabhängige Informationsgestaltung, dann wäre es wichtig, eher in eine soziologische, wissenschaftliche Richtung zu gehen. Dass man Phänomene erklärt, zum Beispiel Chinas Mittelklasse, wie entwickelt sich das Unternehmertum.

 

Biographische Notiz:

Thomas Heberer (geboren 1947 in Offenbach am Main) ist Politikwissenschaftler, der sich vor allem mit China befasst. Er studierte in Frankfurt, Göttingen und Heidelberg Ethnologie, Sinologie und Politologie und promovierte 1977 an der Universität Bremen. Von 1977 bis 1981 arbeitete er in der Redaktion der Beijing Rundschau in China. Seit 1983 lehrte er an den Universitäten Bremen, Duisburg und Trier und ist seit April 1998 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ostasien an der Universität Duisburg-Essen.

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