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09-10-2007 Wohnhäuser in Tibet
Wohnhäuser in Tibet
Die traditionellen Wohnhäuser in Tibet haben, wie andere Aspekte der tibetischen Kunst und Kultur, ihre eigenen Eigenschaften. Es gibt eine Reihe verschiedener Formen tibetischer Wohnhäuser, wie z. B. Steinhäuser in südtibetischen Tälern, Zelthäuser in nordtibetischen Weidgebieten und Holzhäuser in Wäldern entlang dem Yarlung Zangbo-Fluss. In Ngari findet man sogar Wohnhöhlen.
Tibetische Wohnhäuser können auf eine lange Geschichte zurückblicken. In einer Ruine aus der Karub-Jungsteinzeit vor 4000 Jahren finden sich viele Baureste. Steinhäuser sind die typische Form der Wohnhäuser in Tibet. Die meisten von ihnen sind mit Stein und Holz gebaut und liegen am Berghang. Von außen gesehen wirkt ein solches Haus würdevoll und fest, der Baustil ist von klassischer Schlichtheit und etwas grob. Die Außenwände sind in den Grundlagen dick und verjüngen sich nach oben, wobei der innere Teil senkrecht nach oben verläuft. Im Allgemeinen besteht ein Steinhaus aus zwei Stockwerken, die Räume sind durch Säulen begrenzt. Das Erdgeschoss ist niedrig und wird als Tierstall und Lager genutzt. Man wohnt im ersten Stock. Die großen Räume dienen als Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küchen und die kleinen als Lager oder Treppenhäuser. Der zweite Stock, wenn es einen gibt, wird meistens als Gebetsraum und Trockenfläche genutzt. Die Steinhäuser sind stabil und wind- und kältebeständig. Sie können auch vor Angriffen und Diebstahl schützen.
Wie schon der Name sagt, unterschiedet sich das Zelthaus wesentlich vom Steinhaus. Es muss der Lebensweise der tibetischen Hirten, die ein Nomadenleben führen, gerecht werden und hat deshalb eine ganz andere Konstruktion als das Steinhaus. Ein normales Zelthaus ist quadratisch oder rechteckig und nicht sonderlich groß. Das Filzzelt aus schwarzer Yakswolle wird von 2 m langen Holzstangen gestützt. In seiner Mitte befindet sich eine 15 cm breite und 1,5 m lange Öffnung für Belüftung und Licht. Es wird mit Seilen aus Yakswolle im Boden befestigt und ist von einer 50 cm hohen runden Mauer aus Lehmziegeln oder Kies umgeben, auf der Hochlandgerste, Butterbehälter und getrockneter Kuhmist (als Brennstoff genutzt) gelagert sind. Das Zelthaus ist einfach ausgestattet. Ungefähr in der Mitte steht ein Kochherd, dahinter ein Altar. Der Boden ist vollständig von Schaffellen bedeckt, darauf ruht man sich aus und schläft. Das Zelthaus hat eine einfache Struktur. Das Gerüst ist leicht zu zerlegen, zusammenzusetzen und zu transportieren. Die Tibeter lieben die Schönheit und verstehen sich gut darauf, diese auszudrücken. Ihre Wohnungen sind deshalb häufig schön geschmückt. An die Zimmerwände sind oft glückverheißende Muster gemalt. An den Seitenwänden des Wohnzimmers sind blaue, grüne und rote Streifen zu sehen. Sie symbolisieren Himmel, Erde und Meer. In Xigaze malt man an die Tür des Wohnhauses Muster, die Sonne, Mond und Glückswolken darstellen, oder hängt Mani-Fähnchen heraus. In Mankang, Qamdo schmücken die Tibeter Außenmauern und Fenster mit bunten Bildern.
Der größte und auffälligste Unterschied zwischen den Wohnhäusern von Tibetern und denen anderer Nationalitäten ist die starke Religionsprägung. Inner- und außerhalb des Hauses ist deutlich, dass heilige Buddhas hier eine hohe Stellung innehaben. Sowohl in den Wohnungen der Bauern und Hirten als auch in den Residenzen der Adligen gibt es eine Opferstätte oder einen Altar, um den Buddhas Opfer darzubringen. Vorm Fenstervorsprung der Außenwände hängen rote, blaue und weiße Baumwollgardinen. Die Fensterrahmen sind schwarz. Der Unterteil des Dachaufsatzes und dessen Ecke werden mit einem Baldachin aus roten, weißen, blauen, gelben und grünen Baumwollstoffen geschmückt. Im tibetischen Buddhismus sind diese fünf Farben glückbringende Farben und symbolisieren jeweils Feuer, Wolken, Himmel, Erde und Wasser. An der Bemalung der Wände ist erkennbar, welcher Sekte diese Familie angehört. Die Wände eines Wohnhauses der Sagya-Sekte z. B. sind weiß mit zwei gleichbreiten Linien in Dunkelrot und Dunkelblau. Viele große Häuser sind in zwei Farben (dunkelrot und weiß) gestrichen (von oben bis unten). Dies bedeutet, dass die Einwohner in dieser Gegend Anhänger der Sagya-Sekte sind.
Die Wohnsiedlungen in Tibet haben zumeist eine religiöse Bedeutung. Das Barkor-Wohnviertel in Lhasa z. B. wurde in der Nähe des Jokhang-Tempels errichtet. In den Landwirtschafts- und Weidegebieten wurden die Wohnhäuser rund um die Tempel bzw. Klöster gebaut. Neben den Vorrichtungen gegen Kälte, Wind und Erdebeben gibt es in tibetischen Wohnhäusern noch Lufteinlasstüren, kleine Höfe und Dachfenster, so dass unwirtliche Einflüsse von Wetter und geographischer Lage ausgeschlossen werden können. Vor der demokratischen Reform vom Jahr 1959 wohnte der Großteil der Tibeter in niedrigen Hütten, viele waren obdachlos. Nach der Gründung des Autonomen Gebiets Tibet setzte die Regierung viel Geld in die Verbesserung der Wohnhäuser der Tibeter ein. 1994 erreichte das Pro-Kopf-Wohnfläche in den Städten 12,24 qm und in den Dörfern 20,36 qm. Da sich die Wirtschaft im alten Tibet sehr langsam entwickelte, konnten die Wohnhäuser nur mit Stein und Lehm gebaut werden. Heute werden in Tibet viele Hochhäuser mit modernen Baustoffen gebaut, so dass der tibetische Baustil noch besser zur Geltung bebracht werden kann. Im alten Tibet war die Innenausstattung der meisten tibetischen Wohnhäuser einfach. Heute sind in den tibetischen Familien Fenster, Radiorecorder und tibetische Möbel populär. Die Tibeter haben durch Reform und Öffnung nun mehr Geld in der Tasche. Sie können ihre Häuser schön gestalten. (Verlag for Fremdsprachige Literatur) |
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