09-10-2007 Religion und Leben der Mönche in Tibet
Religion und Leben der Mönche in Tibet
  

In Tibet sind die meisten Menschen Anhänger des tibetischen Buddhismus. Der Buddhismus wurde im 7. Jahrhundert in Tubo eingeführt und entwickelte sich in den vergangenen 1350 Jahren in komplizierter und wechselvoller Weise zum tibetischen Buddhismus. So entstanden religiöse Feste und Rituale sowie Sitten und Gebräuche, die das Leben der Mönche prägten. Ihr Leben unterschied sich beträchtlich vom Leben der Mönche anderer Religionen.

Mönche im Sera-Tempel bei einer Debatte über die buddhistischen Schriften

Die wichtigen religiösen Rituale und Feste in den Klöstern des tibetischen Buddhismus sind im großen und ganzen gleich. Aufgrund der verschiedenen Sekten und der unterschiedlichen Größe der Klöster gibt es jedoch einige kleine Unterschiede. Einige Klöster haben ihre Eigenheiten beim Vorlesen der Sutras und bei den Opferreichungen. Seit Gründung des ersten buddhistischen Klosters - des Samye-Klosters - im Jahre 775 in Tibet, sind die Klöster die wichtigsten Stätten für religiöse Aktivitäten. In allen großen und kleinen Klöstern werden täglich bestimmte Rituale durchgeführt - in unterschiedlichem Umfang. Neben den Versammlungen zum Morgengebet und zum Lesen von Sutras gibt es noch verschiedene Gebetsversammlungen. Anlässlich des Festes für den Medizinbuddha, für Kondorma (eine der wichtigsten tantristischen Gottheit), für Sakyamuni (der Begründer des Buddhismus) und für Amitayus am 8., 10., 15., 25. bzw. 30. Tag jeden Monat nach dem tibetischen Kalender müssen entsprechende Gebetsversammlungen veranstaltet werden. Nach dem tibetischen Kalender werden zum Gottes-Fest am 15. Tag des 1. Monats, zum „Sagya Dawa“-Fest im 4. Monat, zum „Zhubacepur“-Fest am 4. Tag des 6. Monats, zum „Lhapo Duiqen“-Fest am 22. des 9. Monats, zum „Gardain Ngaqu“-Fest am 25. des 10. Monats und zur „Zeremonie zum Vertreiben von Gespenstern“ am 29. Tag des 12. Monats hohe religiöse Rituale abgehalten, an denen besonders viele Mönche und Gläubige teilnehmen. Das Große Gebetsfest vom 3. bis 25. des 1. Monats nach dem tibetischen Kalender ist eins der wichtigsten buddhistischen Feste, besonders im tibetischen Buddhismus. Außerdem feiert jedes Kloster je nach historischem Hindergrund und Klosterheiligen seine besonderen Feste.

Die religiösen Aktivitäten in den Laien-Familien des tibetischen Buddhismus sind zwar erheblich weniger Intensiv als in den Klöstern, allerdings prägen sie den gesamten Alltag der meisten Laien.

In jedem Laien-Haushalt steht ein Altar mit Opfergaben, manche Familien verfügen auch über einen Haustempel, in dem Buddha-Statuen aus Gold, Silber, Bronze oder Buddha aus Duftende, Tangka- oder Papierbuddhabildnisse verehrt werden. Andere Familien haben Nischen mit Buddhastatuen sowie Opferlampen und -schalen. Jeden Morgen muss das heilige Wasser in den Opferschalen ausgewechselt werden. In manchen Familien werden jeden Tag Weihrauchstäbchen abgebrannt und Butterlampen angezündet, in anderen Familien werden nur am glücklichen Tag nach dem tibetischen Kalender Lampen angezündet. Bei Hochzeits- und Trauerfeiern oder bei der Behandlung von Krankheiten müssen Mönche oder Zaubermeister Sutras rezitieren und buddhistische Rituale durchführen. Bei großen Veranstaltungen dieser Art soll man im Allgemeinen vier Mönche einladen und eine Gebetsversammlung veranstalten, wobei viel „Co“ (eine Speise aus Qingke-Gerstenmehl, Joghurt und braunem Zucker) als Opfergabe bereitet wird. Verwandte und Freunde kommen mit Hadas, Butter, Ziegeltee, Hammelfleisch und Geld. Der Gastgeber verteilt „Co“ an alle Nachbarn.

Eine Szene des Großen Gebetsfestes im Jokhang-Tempel in Lhasa

Das Leben der Mönche des tibetischen Buddhismus ist besonders von der Religion geprägt. Nach der Tradition des tibetischen Buddhismus darf ein Knabe im Alter von 7 bis 8 Jahren ins Kloster gehen. Bevor ein Kind ins Kloster geht, muss es sich den Kopf kahl scheren lassen, eine Haarsträhne auf dem Scheitel wird vom buddhistischen Abbot (Kampa - Rektor der buddhistischen Schule eines Klosters) tonsuriert. Danach ist das Kind Mönch.

Ein Junge wird in der Zeit zwischen seiner Tonsurscherung und dem 20. Lebensjahr erstmalig als Mönch den Initiationsriten für Sramanera (Novize) unterzogen. Die Initiationsriten umfassen 36 Gebote wie „nicht stehlen und nicht töten“. Bei den Weihen ist die Zahl von Acaryas (Meister) von Ort zu Ort verschieden, aber es müssen mindestens fünf Acaryas dabei zugegen sein. Bei den Initiationsriten für einen buddhistischen Bhiksu (Bettelmönch) handelt es sich um eine der größten Zeremonien des Buddhismus. Es gibt 253 Gebote für Bhiksu. Wer das 20. Lebensjahr vollendet hat, darf an diesen Initiationsriten teilnehmen. Bei Weihen müssen ebenfalls mindestens fünf Acaryas anwesend sein.

Tee ist ein unentbehrliches Getränk der Tibeter, das gilt auch für die Klöster. Jeden Morgen nehmen alle Mönche an einer Morgengebetszeremonie teil. Unter Leitung der Gebetslehrer lesen sie zusammen Gebete, bevor sie Buttertee und Zanba (Speise aus Qingke-Gerstenmehl) genießen.

Mittags versammeln sich die Mönche in der Gebetshalle der dem Kloster unterstehenden buddhistischen Schule, trinken Tee und rezitieren buddhistische Schriften, was den Morgengebeten entspricht, nur nicht so lange dauert.

Am Abend treffen sich die Mönche in den nach Ortschaften untergliederten kleineren Organisationen „Khang-tshan“, wo sie Tee trinken und Gebete lesen.

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