09-10-2007 Quelle: Verlag für Fremdsprachige Literature
Feste in Tibet
Ein 65 Jahre alter tibetischer Künstler im Kreis Rinbung, Tibet, führt ein Tibet-Operstück auf, um das Neujahr zu feiern.
Frühmorgens stehen die Menschen auf und kleiden sich in neue Gewänder. Zuerst trägt man einen Getreidebehälter und Qingke-Gerstenwein mit beiden Händen, um sich gegenseitig zum Neujahr zu gratulieren. Dann trinkt man Gerstenwein und isst Haferbrei und in der Butter gebratene Kuchen. Am nächsten Tag besuchen sich Verwandte und Freunde. Seit dem 4. Tag des 1. Monats findet in Lhasa das Große Gebetsfest statt. Zongkapa, Begründer der Gelug-Sekte des tibetischen Buddhismus, veranstaltete dieses Fest 1409 zum ersten Mal in Lhasa, um Sakyamunis Erleuchtung und seinen Eintritt ins Nirwana sowie seinen Sieg über Gespenster und Teufel zu feiern. Zuerst rezitieren, lesen und debattieren die Mönche der drei großen Tempel in Lhasa vor der Sakyamuni-Statue im Jokhang-Tempel Sutras und beten - Dies ist eine Vorbereitung für die Zulassungsprüfung für den Lharamba-Gexi-Titel (Doktor des Buddhismus). Während des Großen Gebetsfestes spendet die Regierung den Mönchen Almosen. Gläubige gießen Butter in die Butterlampen und geben Almosen. Das Fest geht am 25. des 2. Monats zu Ende, nachdem man Buddha Maitreya begrüßt hat. Im 1. Monat gibt es noch ein bedeutendes Fest - das Butterlampen-Fest, das am 15. Tag gefeiert wird. Am Tage pilgern die Gläubigen. Am Abend baut man Regale in unterschiedlichen Formen und in unterschiedlicher Höhe auf, auf denen verschiedene bunte Figuren aus Butter wie Unsterblich-, Menschen-, Vogel-, Tier-, Blumen- und Baumfiguren stehen. Im Licht von hundert Lampen scheinen sie prächtig und glänzend. Die hohen Lamas und hohen Beamten bewunderten früher diese Lampen; Mönche und Gläubige feiern das Fest gemeinsam. Vom 24. bis zum 26. Tag des 1. Monats finden Bogenschießwettkämpfe und die Zeremonie des Geisterverjagen von Hexenmeistern, die sich in Trance befinden, statt. Während dieser Zeit wimmelt es in Lhasa von Menschen.
Vom 2. bis zum 12. Monat werden zahlreiche Feste gefeiert. Nachfolgend stellen wir einige repräsentative Feste vor:
Am 15. Tag des 5. Monats nach dem tibetischen Kalender feiert man das Linka (Wald)-Fest. An diesem Tag werden Weihrauchstäbchen verbrannt. Das Fest ist zum Gedenken an den indischen Mönch Padmasambhava, der im Mai des Affenjahres in Tibet alle Dämonen und Monstren bezwungen hatte. Die Tibeter, die die Natur lieben und gut im Singen und Tanzen sind, kleiden sich festlich und gehen mit Gerstenwein und Buttertee sowie vielen Leckerbissen in den Wald. Sie schlagen dort ihre Zelte auf und amüsieren sich darin. Es gibt ein großes Gelage: Essen, Trinken, Singen und Tanzen. Sie genießen die Natur. Die Gläubigen laden sich gegenseitig in ihre Zelte ein. Die Volkskünstler geben ihre Darbietungen. Dieses Fest dauert ein Monat.