27-03-2008 Beijing Rundschau und China Daily
Wut und Trauer über die Gewalttaten in Lhasa
 

Am 21. März versammelten sich zahlreiche Tibeter vor einem Textilgeschäft an der Beijingzhonglu-Straße. Sie brachten als Ausdruck ihrer Trauer weiße Lilien mit, stifteten Kerzen und verrichteten Gebete.

Der 14. März begann für Verkäuferin Drolma wie ein gewöhnlicher Tag. Ein gewöhnlicher Wochentag, an dem sie und ihre fünf Kolleginnen in der Boutique Yi Shion an der verkehrsreichen Beijing Road arbeiteten. „Doch plötzlich war alles anders", erinnert sich Drolma. „Wir hörten Lärm aus dem Nachbarladen, als Randalierer dort die Fenster einwarfen. Wir schrieen vor Entsetzen und wussten nicht, was wir tun sollten."

Es gab keinen Ort, an den sie hätten fliehen können und so blieben die sechs geschockten Frauen wie angewurzelt stehen. Die Randalierer brachen auch in ihr Geschäft ein, doch wenig später sei wieder Ruhe eingekehrt. Und so wagten Drolma und ihre Kolleginnen einen Fluchtversuch. „Doch plötzlich sah ich, dass unser Laden brannte und rief den anderen zu, sich zu beeilen."

Drolma rannte aus dem Laden hinüber zum Gelände der gegenüberliegenden Jugendherberge. Erst als sie sich umdrehte, merkte sie, dass ihre Freundinnen es nicht geschafft hatten. Das Feuer, das den Laden vollständig zerstörte, riss auch ihre fünf Kolleginnen in den Tod: Cering Drolkar, Yang Dongmei, Chen Jia, He Xinxin und Liu Yan.

Selbst nach einer Woche kann Drolma nicht begreifen, dass ihre Freundinnen tot sind. „Wir arbeiteten fröhlich zusammen und auf einen Schlag dieses schreckliche Ende! Ich kann das einfach nicht begreifen. Ich kann die Wahrheit nicht akzeptieren, dass sie mich so plötzlich verlassen haben. Ich möchte die Randalierer fragen, warum sie das getan haben. Ich kann wirklich nicht verstehen, warum sie unschuldige Zivilisten umbringen. Warum haben sie meine Schwester getötet?"

Der Vater der 18-jährigen Chen Jia, die Jüngste der fünf Opfer, sagt, er könne nicht aufhören, die letzte Handy-Nachricht seiner Tochter abzuspielen. „Papa, draußen toben Randalierer. Wir müssen im Laden bleiben. Mach dir keine Sorgen um mich und sage Mama und Schwester, sie sollen im Haus bleiben und vorsichtig sein."

„Meine Tochter war so sanftmütig. Wir haben sie alle sehr geliebt", so Chen Jias verzweifelter Vater. Der Besitzer des Ladens sagt, es habe ihm das Herz gebrochen, die Leichen seiner Angestellten auf dem Boden liegen zu sehen.

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