27-03-2008 Beijing Rundschau und China Daily
Wut und Trauer über die Gewalttaten in Lhasa
 

Während der Gewalttaten in Tibet standen zahlreiche Tibeter und Han-Chinesen Schulter an Schulter, hielten zusammen. Der tibetische Arzt Losang Cering erlitt während der gewalttätigen Übergriffe einen Kieferbruch und eine Gehirnerschütterung, musste mit sieben Stichen im Gesicht genäht werden. Vom Krankenbett aus sagt er: „Ich bereue nicht, den Han-Leuten geholfen zu haben.

Losang Cering ging letzten Freitag mit einer Krankenschwester auf die Straße, half den Verwundeten. Dort sah er einen völlig aufgelösten Vater, Wu Guanglin, der seinen Sohn in einem Hauseingang weinend und flehend in den Armen hielt. Randalierer hatten den Jungen überrannt.

Sanitäter ließen den Sechsjährigen auf der Stelle künstlich beatmen, fuhren ihn und seinen Vater ins Krankenhaus. Doch nach nur zehn Metern brachten Randalierer den Wagen zum Stehen, fuchtelten mit Messern, warfen in Rage mit Ziegelsteinen und Scherben. Losang Cering drückte den Jungen an seine Brust und gab Vater Wu seinen Schutzhelm. „Ich bin Arzt, mir werden sie nichts tun", dachte er sich. Als die Gewalttäter ihn und die Krankenschwester dennoch attackierten, war er doch erleichtert, dass sie den Jungen verschonten. „Das war meine Pflicht", sagt Losang Cering mit fester Stimme. „Wenn ich jemals in einer solchen Lage wäre, glaube ich, die Han-Leute würden dasselbe für mich tun."

Und auch Feng Bixia muss wohl bis zum Ende ihres Lebens mit einer langen Narbe auf dem linken Ohr leben, und dennoch ist sie froh, dass die zwei tibetischen Kinder, denen sie geholfen hat, nun zu Hause und in Sicherheit sind. Letzten Freitag als Feng gerade ihren Laden abschließen wollte, erblickte sie einen Jungen und ein Mädchen, die wimmernd vor ihre Tür kauerten. Um sie zu trösten, brachte Feng die beiden in ihr Geschäft. Nach zwanzig Minuten sagte das Mädchen, dass sie nun nach Hause wolle, und so entschloss sich Feng, die beiden zu begleiten. Als sie das Gebäude verließ, fielen Randalierer sie an, versetzten ihr Hiebe vor die Brust und schnitten ihr mit einem Messer ins Ohr.

„Jeder mit gesundem Menschenverstand hätte dasselbe wie ich getan", sagt die Verkäuferin nachdrücklich.

Der Sabotageakt in Lhasa kostete 18 Menschen das Leben. Mehr als 300 wurden verletzt. Die Gewalttaten werden sowohl von Tibetern, als auch von Han-Chinesen scharf verurteilt.

 

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