08-07-2008 Beijing Rundschau
Leben nach der Sportkarriere
 
Der mehrfache Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinner von Los Angeles 1984 im Bodenturnen, am Pferd und an den Ringen: Li Ning


Nach einem harten Trainingstag liegen die Sportler längst in tiefem Schlaf. Sie leben im Wohnheim und trainieren für Olympia. Aber in einem Zimmer im Kellergeschoss brennt noch Licht: dort pauken einige Sportler unverdrossen Englischvokabeln. Ein Amerikaner chinesischer Abstammung erteilt ihnen Sprachunterricht.

Zhou Rui, die 1997 bei den Weltmeisterschaften im Turnen eine Silbermedaille gewonnen hat, macht mit in diesem kleinen Studienkreis. Sie ist davon überzeugt, dass ihr das Lernen dabei helfen wird, nach Ende ihrer Sportlerlaufbahn neue Wege einzuschlagen. Wenn sie nicht mehr für die Nationalmannschaft antritt, könnte sie für einen Sportartikelvertrieb oder bei ausländischen Sponsoren arbeiten, um Fuß zu fassen im Leben „danach".

Alle Sportler der Welt stehen am Ende ihrer Profikarriere vor einer neuen großen Herausforderung: wohin wird die Reise gehen? Bei einem Beruf, der oft schon im jugendlichen Alter von 30 an den Nagel gehängt wird, muss man diese Frage ernst nehmen. Mit der Vergabe der Olympischen Spiele nach Beijing wird dieses Problem nun auch verstärkt in der chinesischen Öffentlichkeit diskutiert. In China gibt es ein Heer von Sportprofis. Aber es ist nicht mehr so leicht wie früher unter der Planwirtschaft, die Sportler nach ihrer aktiven Zeit unterzubringen und ihnen etwa eine Stelle als Nachwuchstrainer anzubieten.

In China werden Sportler mit großem Potenzial bereits im Alter von sechs Jahren in ein Trainingszentrum gesteckt, wo der gesunde Körper weitgehend den gesunden Geist ersetzt. „Wird man für die Nationalmannschaft ausgesucht, ist der Zug in Richtung Allgemeinbildung für einen im Grunde schon abgefahren", sagt Ge Fan, ein Funktionär der Staatlichen Hauptverwaltung für Sport. „ Selbst wenn es allgemeinbildenden Unterricht gibt, so doch nicht mehr als zehn Stunden in der Woche. Und die Sportler verschwenden darauf in der Regel keinerlei Aufmerksamkeit."

Ein Mann, der eine Lösung für dieses Problem finden will, ist der mehrfache Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinner von Los Angeles 1984 im Bodenturnen, am Pferd und an den Ringen: Li Ning. Heute ist er Chinas führender Sportartikelhersteller. Sein Name ist zum Markennamen geworden: Li Ning.

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