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21-07-2008 Quelle: China Daily
Ein Babylonier in Beijing
Falls Sie jemals einen Beijinger Polizisten nach dem Weg fragen müssen, beten Sie, dass Sie Liu Wenli begegnen. Liu gilt laut chinesischen Medien seit 2000 als erster "zweisprachiger Polizist" Beijings und spricht mittlerweile 13 Sprachen, drei davon fließend, und wurde bereits von CNN und der BBC interviewt. Als Autodidakt kann er Englisch, Französisch und Deutsch fließend sprechen, dazu verfügt er über Kenntnisse des Japanischen, Italienischen, Spanischen, Finnischen, Niederländischen, Schwedischen, Portugiesischen, Dänischen, Russischen und Polnischen. Um dies zu erreichen, benötigte er 12 Jahre und zahlreiche schlaflose Nächte. "Einige Jahre lang schlief ich nur 3 Stunden pro Nacht", sagt er. Nach seiner Pensionierung will der gebürtige Beijinger eine Sprachschule eröffnen und Lehrbücher schreiben. Zunächst stehen aber die Olympischen Spiele in Beijing auf dem Programm. "Während der Spiele möchte ich Touristen mit meinen Sprachkenntnissen helfen", sagt er. "Wenn das mehr Beijinger tun würden, könnten sich die Besucher ihre 30 Dollar teuren Reiseführer sparen." Sein Sprachtalent hat ihm Bekanntheit und olympische Ehren eingebracht, so lief er einen Teil des olympischen Fackellaufs in Beijing. Aber er will mehr. "Ich brauche Ruhm, um für die Leute am unteren Ende der Gesellschaft sprechen zu können. Ich will zeigen, dass Bildung den sozialen Aufstieg ermöglicht", sagt Liu dessen Vorname (Wen) "Wissen" bedeutet. Obwohl er aufgrund eines fehlenden akademischen Titels nicht als Übersetzer arbeiten darf, hofft er, dass ihm seine Fähigkeit einen Platz im Rahmen der olympischen Eröffnungszeremonie sichern wird. Sein Interesse an Fremdsprachen entzündete sich im Jahr 2001, als er bei einem Fremdsprachentest des Beijinger Büros für Öffentliche Sicherheit den ersten Platz für gesprochenes Englisch belegte. Er wurde auf Streife in den Jingshan-Park, eine beliebte Touristenattraktion nördlich des Kaiserpalasts, versetzt, um dort mehr Gelegenheit zum Kontakt mit Touristen zu haben. In seiner Freizeit besuchte er diverse "English Corner" an Universitäten, um seine Kenntnisse zu verbessern. "Ich freundete mich mit vielen Touristen an. Sie ließen sich mit mir fotografieren und boten mir kostenlosen Unterricht an. Einmal summte ich vor einem Franzosen die Marseillaise, was diesen so rührte, dass er mir 50 Sätze Französisch beibrachte", erzählt Liu. Inzwischen hat Liu die Schlagzeilen von lokalen und nationalen Zeitungen geschmückt und ist 13-mal zu Talkshows von CCTV eingeladen worden, einmal pro Fremdsprache. In den vergangenen Monaten trat er aber weniger in Erscheinung. Jetzt möchte er etwas von seinem Ruhm an die Ärmeren abgeben. "Wenn es möglich ist, unterrichte ich Leute auf der Straße", sagte Liu, der sich dabei vor allem an Arbeitslose und Wanderarbeiter wendet. Liu, der als Polizist etwa 3200 Yuan (320 EUR) pro Monat verdient, hat kräftig in seine Bildung investiert. Er besitzt rund 500 ausländische Filme, vier elektronische Wörterbücher, 3 Radios und zwei digitale Videokameras. "Ich war unter den ersten Käufer von elektronischer Aussattung in Beijing", sagt er.
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