08-10-2007 Beijing Rundschau
Aufruhr im Spielzeugland
Von Lan Xinzhen

Chinas Spielzeugindustrie ist unter Druck geraten. In letzter Zeit häufen sich Beschwerden über die Qualität ihrer Waren. Der Ausweg: Entwicklung eigener Produkte, die höheren Qualitätsansprüchen gerecht werden.

 

Durchhalten oder Aufgeben? Viele chinesische Spielzeughersteller werden nun vor die Existenzfrage gestellt. Nach der Verschärfung der Qualitätsstandards auf dem amerikanischen und europäischen Markt sind zahlreiche Unternehmen der Branche bereits in die Verlustzone geraten.

 In der ersten Jahreshälfte 2007 haben die USA und die EU neue Richtlinien sowie zwingend vorgeschriebene Zertifizierungen für in China hergestellte Spielwaren eingeführt. Ab dem 1. Juli 2007 erhalten nur noch die mit CCC gekennzeichneten Produkte Zugang zu den betreffenden Märkten. Diese neue Regel hat die Produktionskosten der chinesischen Hersteller allerdings um 8 Prozent erhöht, während die durchschnittliche Gewinnspanne der Branche lediglich bei 2-3 Prozent liegt. Etwa 80 Prozent der in China produzierten Spielzeuge sind für den Export nach Europa und in die USA bestimmt. Eine beträchtliche Zahl der Spielzeughersteller werden vermutlich in die Verlustzone geraten, nicht zuletzt deshalb, weil Spielzeugartikel immer häufiger vom Markt zurückgerufen werden müssen, da sie nicht den Qualitätsstandards entsprechen. Viele der in der Branche Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen.
 


Spielzeugindustrie in der Zwickmühle

 

Heute sind chinesische Produkte überall auf der Welt zu haben, und dies gilt insbesondere für Spielwaren, denn China ist der Welt größter Spielzeugproduzent und -exporteur. Von vier Spielzeugartikeln tragen drei das Label „Made in China“. Trotzdem müssen viele Spielzeughersteller wegen zu niedrigen Gewinns um ihre Existenz kämpfen. Zhan Wanlin, stellvertretender Geschäftsführer der Anhui Daily-Play Toys Group sagt: „Der Löwenanteil am Gewinn fließt in die Tasche der ausländischen Groß- und Einzelhändler.“ Seit mehr als 20 Jahren ist die Daily-Play Toys Group auf die Herstellung von Spielzeug im Auftrag ausländischer Kunden spezialisiert. Die Auftraggeber geben das Design, die Rohmaterialien und den Preis vor, zu dem Zhans Firma zu produzieren hat.

Als eine äußerst arbeitsintensive Branche leidet die chinesische Spielzeugindustrie an einem Mangel an Innovationsfähigkeit, zumal es kaum eigene Entwicklungen gibt. Nur sehr wenige chinesische Unternehmen können sich unter eigenem Namen auf dem internationalen Markt behaupten.

Shi Xiaoguang, Vorsitzender des Chinesischen Spielzeugherstellerverbandes, sagt, trotz des riesigen Exportvolumens gebe es nur eine sehr geringe Anzahl großer Unternehmen. Außerdem seien qualifizierte Designer immer noch Mangelware in China. Dies habe zur Folge, dass kein chinesisches Spielzeugunternehmen finanziell stark genug sei, um sich mit eigenen Marken auf dem Weltmarkt zu behaupten. Die Spielzeugindustrie stehe nach wie vor am gewinnarmen Ende der Wertschöpfungskette.

 

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