11-10-2007 Beijing Rundschau
Kampf gegen illegales Kapital auf dem chinesischen Wertpapiermarkt
Von Lan Xinzhen

Andere in den Skandal verwickelte Banken haben angegeben, dass sie umfangreiche Nachprüfungen begonnen hätten und bei der Feststellung von Unregelmäßigkeiten Kredite sofort zurückfordern würden.

Vorsicht ist geboten: Die Bank of China, die auf dem Shanghaier A-Share Market gelistet ist, ist eine der Banken, die Kredite für illegale Aktiengeschäfte zur Verfügung gestellt haben.

Wang Liangguang, ein Kleinaktionär, macht illegales Anlagekapital dafür verantwortlich, dass er in den vergangenen 10 Jahren nicht einmal bei Börsenneueinführungen mit seiner Erstzeichnung zum Zuge gekommen ist. „Die Bekämpfung des illegalen Kapitals dient dem Aufbau eines fairen Marktes, an dem auch uns Kleinaktionären gleiche Chancen eingeräumt werden sollten.“

Dr. Yin Zhongli vom Finanzforschungsinstitut der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sieht in der Bekämpfung des illegalen Kapitals auf dem Aktienmarkt eine Maßnahme zur Stabilisierung und gesunden Entwicklung des chinesischen Wertpapiergeschäfts. Er sagt, dass Kapital aus Bankkrediten das Risiko drastisch erhöht habe. Der Grund dafür sei darin zu suchen, dass Spekulanten, die mit geliehenem Geld jonglierten, psychisch mehrfach belastet seien, wenn es zu Kursschwankungen komme: zum Wertverlust der Aktie träten der Rückzahlungsdruck des Kredites und die Sorge um die Sicherheiten, die sie der Bank übertragen mussten, um den Kredit zu bekommen. Investoren dieser Art gerieten bei Kursschwankungen schnell in Panik. Yin Zhongli meint: „Der Rückzug derartiger Mittel vom Aktienmarkt wird langfristig gesehen zu einer gesünderen Marktentwicklung führen.“

Dieser Meinung ist auch Professor Guo Tianyong von der Zentralen Universität für Finanzwirtschaft. Die Bekämpfung von illegalem Kapital richtet sich nicht darauf, die Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes zu dämpfen, sondern das potenzielle Finanzrisiko abzumildern. Derartiges Anlagekapital könne Stabilität und Sicherheit des Bankwesens ernsthaft bedrohen, denn bei radikalem Kursverfall müssten schließlich die Banken das Risiko tragen, und damit der Staat, was eine ernsthafte Krise heraufbeschwören könne.

Nur die Spitze des Eisbergs

Sicher ist, dass nicht alles illegale Kapital entdeckt und aus dem Markt gezogen worden ist. Ein Mitarbeiter der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), der anonym bleiben will, weiß, dass nicht wenige seiner Kollegen Aktien auf Kredit kaufen. Um Kredite von Banken zu erhalten, haben manche Kleinaktionäre sogar ihre Wohnung und ihr Auto hypothekarisch belastet. Neben Bankkrediten sind auch Geldmittel der öffentlichen Hand aus dem Sozialversicherungsfonds und dem Fonds für Beihilfen zum Hauserwerb zur Aktienspekulation missbraucht worden. Inzwischen ist auch in großem Umfang ausländisches Kapital illegal auf den chinesischen Aktienmarkt gelangt.

Frau Zhang Yafang, Mitglied des Landeskomitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes, hat vor dem Zufluss ausländischen Kapitals auf Chinas Börsen gewarnt. Wegen der positiven Wirtschaftsperspektive Chinas und der Phantasien um eine Aufwertung des Renminbi seien große Mengen ausländischen Kapitals nach China geflossen. Es sei nicht auszuschließen, dass manche ausländische Investoren Kapital für Aktienspekulationen zweckentfremdet hätten. Was den Aktienmarkt betrifft, so Frau Zhang, müssten mindestens 300 Milliarden Yuan als „verdächtiges“ Kapital angesehen würden. Die Tendenz sei steigend.

Warnende Worte

Professor Zhao Xijun, stellvertretender Leiter des Forschungsinstituts für Finanzwesen an der Universität des Chinesischen Volkes, führt den Zufluss illegalen Kapitals auf die Unterentwicklung des chinesischen Marktes zurück. Er sieht als dringlichste Aufgabe, die Bankenaufsicht zu stärken und Kreditanträge genauer zu prüfen. Er betont, dass es nicht ausreiche, einfach nur die Täter zu bestrafen.

Der Leiter des Finanzforschungsinstituts der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, Li Yang, stellt sich die Frage, wie man die Börsenaufsicht verbessern kann. Er meint, man dürfe nicht alles über einen Kamm scheren und Bankkapital grundsätzlich vom Markt fernhalten. Es sei allgemeine Praxis, Bankgelder an der Börse zu platzieren. Dagegen sei auch nichts einzuwenden, wenn dieses Geld von Banken im Rahmen von Fondsanlagen verwaltet werde oder durch Hypotheken und Bürgschaften abgesichert sei. Es sollte jedoch gegen den Zufluss von Kapital vorgegangen werden, das auch Quellen stammt, bei denen der Verdacht auf Geldwäsche oder Zweckentfremdung bestehe, so Li.

Zhang Yafang meint, man solle die Devisenaufsicht bzw. den Kampf gegen illegale Devisengeschäfte intensivieren, um damit den chinesischen Aktienmarkt vor Kapital aus illegalen Quellen zu schützen. Nach ihrer Meinung ist Fluchtkapital überwiegend durch Tarngeschäfte im Außenhandel oder durch Fehlleistungen innerhalb von Industrieparks und Banken auf den Markt gelangt. Deswegen müssten alle zuständigen Behörden, die Verwaltungskommission für Wertpapiere, die Staatliche Devisenverwaltung, Zoll, Handel und Justiz, enger zusammenarbeiten und Informationen untereinander austauschen. Nur so könne man die Bewegungen auf dem Devisenmarkt wirksam unter Kontrolle halten.

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