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06-11-2007 Beijing Rundschau
Die neuen Leiden des Mittelstands in China
von Xu Bei
Der Aufstieg des Mittelstands seit den achtziger Jahren ist eine Folge der Marktwirtschaft. Alle Mittelständler haben von der Reform- und Öffnungspolitik enorm profitiert. Aber vor dem Hindergrund der gesellschaftlichen Veränderungen steht der Mittelstand in China auch unter großem Druck.
Anfang der achtziger Jahre studierte Zhou Xiaohong an der Nankai-Universität in Tianjin. Eines Tages gewann eine Lehrerin ihrer Fakultät beim Lotto 10 000 Yuan. „Die Lehrerin war so aufgeregt, dass ihr schwindlig wurde und sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Alle anderen Professoren und Lehrer meinten, dass sie nun nicht mehr zu arbeiten bräuchte. "Damals lag das Gehalt eines Professors allenfalls bei 100 Yuan im Monat*“, sagt Zhou. Jetzt, 30 Jahre später, ist Zhou Xiaohong Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Nanjing-Universität. Sie sagt, dass sie ihre Arbeit selbst dann nicht aufgeben würde, wenn sie eine Million Yuan zur Verfügung hätte. „Derzeit kosten Wohnungen in Nanjing mehr als 10 000 Yuan pro Quadratmeter. Der Wohlstand, in dem der neue Mittelstand Chinas lebt, kann ihm kein Gefühl von Sicherheit geben“, so Zhou Xiaohong.
Zhang Wanli, Professorin an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, meint, die Sorge um den sozialen Status sei das größte Problem des Mittelstands. Es gibt dafür drei Ursachen: zum einen aus Arbeitsmarktdruck. Der gesell-schaftliche Wandel hat zu einer veränderten Berufsstruktur geführt. Berufe für den Mittelstand sind nun Mangelware. Zweitens sind die neuen Mittelständler überzeugt von ihrer hohen Qualifikation und hegen entsprechende Ansprüche bei ihrer Berufswahl. Man hofft, in höhere Gesellschaftskreise aufsteigen zu können, doch einerseits ist der Arbeitsdruck meistens sehr stark und andererseits die Arbeitsplätze sind auch relativ unsicher, weil, drittens, sich die chinesische Gesellschaft immer noch in einer Phase des Übergangs befindet, wo sich die Marktbedingungen noch nicht so kompetent und zuverläßig entwickelt haben. Auch das Gesellschaftssystem Chinas unterscheidet sich erheblich von dem des Westens, so Zhang Wanli weiter. In westlichen Ländern haben Mittelständler eine Reihe von sozialen Absicherungen, wie beispielsweise Krankenversicherung, Renten- und Pensionsansprüche sowie gesetzliche Eigentumsgarantien. Das ist in China moment noch nicht so. Vorbildlich sei das Sozialversicherungssystem in den USA, sagt Zhang. Wegen der allgemeinen Mobilmachung während des 2. Weltkriegs musste die amerikanische Regierung den Bürgern eine tragfähige soziale Absicherung garantieren. Unter diesen Voraussetzungen wurde das Sozialversicherungssystem in den USA errichtet. In China dagegen gibt es Marktwirtschaft erst seit Anfang der achtziger Jahre. Der Aufbau eines Rechts- und Sozialversicherungssystems bleibe noch immer hinter der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Dies trage erheblich zu den Problemen des Mittelstandes bei. |
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