28-01-2008 Beijing Rundschau
Was ist ein Traumhotel?
von Xu Bei

Beijing Rundschau: Wie sehen Sie den neuen Trend zur Online-Buchung von Hotelzimmern?

Roland Jaffe: Wir sehen eine Wende zum online booking. Unsere Firma hat ein gut funktionierendes Online-Buchungssystem. Die WORLDHOTEL AG setzen mehr und mehr auf weltweit ausgerichtete E-Payment-Systeme, die es erlauben, verschiedene Zahlungsmethoden und Währungen unkompliziert miteinander zu verknüpfen. In China, wo immer mehr Leute über Kreditkarten verfügen, wird dieser Trend hoffentlich auch zunehmen. Die Olympischen Spiele wird die Leute dahingehend erziehen, dass man online noch Zimmer beziehen kann, wenn sich telefonische Bestellungen bereits erschöpft haben. Wir werden Zimmerreservierungen ausschließlich online anbieten, nicht über das Telefon. Das wird eine Methode sein, die Leute dazu zu erziehen online zu buchen.

 

Beijing Rundschau: Budget Hotels werden in China immer beliebter. Sehen Sie darin eine Konkurrenz für Ihre Häuser, die ja eher in einer höheren Preisklasse angesiedelt sind?

Roland Jaffe: Diese Budget Hotels sind mehr für den einheimischen Markt konzipiert. Früher ähnelten die Zwei- und Drei-Sterne Hotels den Staatsgästehäusern, tendenziell alte Hotels ohne guten Service. Viele Developer bauen jetzt sehr gute Drei-Sterne-Hotels. Einmal in Hinblick auf die Olympischen Spiele, aber auch, weil es einfach schon zu viele Fünf-Sterne Hotels in den großen Städten gibt. Eine Klientel für diese Hotels ist vorhanden, aber sie deckt sich nicht mit unserem Kundenkreis. Das wird ein sehr gutes Segment sein für den domestic market. Immer mehr chinesische Touristen reisen durch China, auf sie zielt dieses neue Angebot, nicht auf den ausländischen Touristen.

 

Beijing Rundschau: Sie sind seit zehn Jahren als Vizepräsident Asien-Pazifik der WORLD HOTELS AG tätig. Welchen Eindruck haben Sie in dieser Zeit von China gewonnen?

Roland Jegge: China ist ein hochmodernes und sehr schnell erwachsen gewordenes Land. Alles was in China gebaut wird, steht an vorderster Front der technischen Entwicklung. Das gilt für alle Bereiche. Normalerweise denken die Leute bei China an die alte Kultur, halten das Land aber für ein rückständiges Land. Aber nur die vergleichsweise wenigen Ausländer, die nach China kommen, können erleben und sehen wie rasch hier Fortschritte gemacht worden sind und wie hoch entwickelt China mittlerweile schon ist.

 

Beijing Rundschau: In Ihrer biographischen Notiz haben wir gelesen, dass Sie jedes Jahr viel unterwegs sind. Gefällt Ihnen ein solches Leben?

Roland Jegge: Ich genieße meine Tätigkeit sehr. Und das Gefühl, dass ich überall in der Welt daheim bin. Es ist sehr stimulierend, es hält mich im doppelten Sinne auf dem Laufenden. Ich bin sehr gut informiert. Ich bin vor zwei Wochen in Kalifornien gewesen. Das hat mir wieder einen sehr guten Eindruck von Amerika vermittelt. Was die Trends sind in den USA. Ich liebe es, aus erster Hand informiert zu sein, über das, was sich tut. Das kann man nur erreichen, wenn man viel reist. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich das tun kann. Im Bereich meiner Tätigkeit, meiner Berufsausübung.

 

Beijing Rundschau: Zählt zu Ihren Erfahrungen auch ein Kulturschock?

Roland Jegge: Den Kulturschock habe ich in Japan erfahren, kurz nachdem ich die Hotelfachschule in Lausanne absolviert hatte. Meine erste Arbeitsstelle nach der Ausbildung war im Hilton-Hotel in Tokyo. Und das war wahrscheinlich der größte Kulturschock meines Lebens. Normalerweise gibt es in einem Fünf-Sterne-Hotel in der Schweiz 100 oder 130 Zimmer, während es in einem Fünf-Sterne-Hotel in Japan ungefähr 800 Zimmer gibt. Und von der Hochzeit bis zur Beerdigung, Heiratsvermittlungstreffen, Firmenfeiern, alles spielt sich dort in einem Hotel ab. Das war ein sehr interessantes Jahr!

 

Beijing Rundschau: Haben Sie auch Japanisch gelernt?

Roland Jegge: Ich habe ein Japanischlehrerin gehabt. Ich habe in allen Abteilungen des Hotels gearbeitet, sogar in der japanischen Küche und im japanischen Restaurant. Im Bankett haben wir Firmenfeiern gehabt, Bestattungsmahl. Ich habe sehr tiefe Einblicke in die japanische Kultur gewonnen.

 

Beijing Rundschau: Wie sieht Ihr Traumhotel aus?

Roland Jegge: Mein Traumhotel ist sehr intim und gemütlich. Es ist ein nicht zu großes Hotel - weniger als 200 Zimmer - wo jedermann den Gast kennt. Und wo man als Gast auch die Mitarbeiter kennt, wenn man wiederkommt. Denn die Mitarbeiter wechseln nicht, sondern bleiben lange im Hause tätig. Mein Traumhotel hat eine sehr gute Lage, damit ich nicht im Stau stecke, ich muss nur kurz aus dem Hotel gehen und schon bin ich zu Fuß im Stadtzentrum. Mein Traumhotel hat auch Charakter: Wenn ich in einem chinesischen Hotel bin, dann will ich das Gefühl haben, dass ich in China bin. Dann mag ich ein historisches Hotel mit chinesischem Dekor, aber mit modernem Komfort. Also chinesisches Design mit westlichen Standard. Ich mag nicht, wenn ich in einem Hotel in Beijing bin, dass es dasselbe Dekor hat wie ein Hotel in Paris oder in San Francisco.

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