05-05-2008 Beijing Rundschau
„Grüne Kredite" sind nicht allen grün
von Lan Xinzhen

Für Umweltschutzamt und Bankenaufsicht stellt sich die schwierige Frage, wie sich die Ausgabe „grüner Kredite" vernünftig gestalten lässt.

Als Vorsitzender des Verwaltungsrats hätte Guan Guohua nie gedacht, dass seine Firma Shanxi Jinyun Iron & Steel Co. Ltd. bei der Vergabe von Krediten auf die schwarze Liste geraten könnte. Der Grund, warum die Banken seinen Kreditantrag ablehnten, brachte ihn erst recht auf die Palme: Es fehlte der Firma nicht an Kreditwürdigkeit aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie in einem Wirtschaftszweig tätig ist, der als notorischer Umweltverschmutzer in Verruf geraten ist.

Am 30. Juli 2007 hat das Amt für Umweltschutz die Politik „grüner Kredite" bekannt gegeben. Hauptsächlich geht es dabei um eine Zusammenarbeit zwischen Umweltschutzbehörden und Finanzbehörden. Unternehmen, die Umweltschutzstandards nicht erfüllen, wird der Zugang zu Kreditgewährung begrenzt, oder ihren Krediten zur Strafe ein höherer Zinssatz auferlegt. Das Amt für Umweltschutz hat eine Liste veröffentlicht, auf der insgesamt 30 Unternehmen aufgeführt sind, für die von nun an eine Begrenzung der Kreditgewährung gelten soll. Shanxi Jinyun Iron&Steel Co., Ltd. steht auf dieser Liste. In einigen Fällen werden gar keine Kredite mehr gewährt. Banken, die weiterhin Kredite an umweltschädigende Unternehmen vergeben haben, sind von der Finanzaufsicht streng bestraft worden.

Das Amt für Umweltschutz hat der Zentralbank umfangreiche Datensätze über Umweltsünden der Unternehmen geliefert, damit die Geschäftsbanken aufgrund solcher Informationen die Ausgabe von Krediten begrenzen oder ganz einstellen.

Noch härter als den Stahlproduzenten hat es Tong Ling Tong Guan Mountain Chemicals Co. Ltd. getroffen, die ebenfalls auf der schwarzen List erscheint. Dieser Firma hat die Bank nicht nur weitere Kredite gestrichen, sondern von ihr sogar eine Darlehenssumme von fünf Millionen Yuan zurückgefordert.

Pan Yue, der stellvertretende Direktor des Amtes für Umweltschutz und Hauptinitiator der Idee „grüner Kredite", erklärte am 13. Februar, dass ein halbes Jahr nach Einführung der neuen Darlehensform zwölf erwiesenermaßen umweltschädigende Unternehmen nur noch eingeschränkt Kredite von lokalen Geschäftsbanken erhielten.

„In der Praxis hat sich erwiesen, dass ´grüne Kredite´ eine bedeutende Rolle spielen für die Erhöhung der Effizienz von Umweltschutzkontrollen, bei der Reduzierung finanzieller Aufwendungen für Umweltschutz und für die Vorbeugung von Finanzkrisen. Sie dienen ferner der Förderung des Strukturwandels und verstärken die Fähigkeit der Regierung zur Makrosteuerung der Wirtschaftsentwicklung."

„Grüne Kredite" liegen im Trend

Die Einführung der „grünen Kredite" wird als ein Lösungsansatz für die sich verschlimmernde Umweltsituation angesehen. Strengere Umweltkontrollen und Restriktionen bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen und Bauprojekte sei eine dringende Aufgabe der Regierung geworden, so Pan Yue weiter.

Diese neue Praxis der Kreditvergabe findet die volle Unterstützung der Zentralbank und der Bankenaufsicht.

Bislang sind auf diesem Geschäftsfeld drei Banken tätig: die China Development Bank, die Export-Import Bank of China und die Agricultural Development Bank of China. Die China Development Bank hat im Jahr 2007 spezielle Kreditmittel für Energiespar- und Emissionsreduzierungsprogramme bereitgestellt. Im Jahr 2008 werden weitere Kredite für Unternehmen zugänglich gemacht, mit deren Hilfe umweltfreundliche Anlagen und Produktionsverfahren eingeführt werden sollen. Bezüglich der Kreditgewährung hat die Export-Import Bank of China einen Kriterienkatalog aufgestellt. Eine Reihe Dokumente sind den unteren Ebenen zur Verwaltung „grüner Kredite" zugestellt worden. Zheng Hui, der Direktor der Agricultural Development Bank of China erklärt, dass seine Bank in diesem Jahr bevorzugt industrialisierten Agrarunternehmen Kredite aushändigen will, vor allem aus den Bereichen der Verarbeitung von Schweinefleisch, Öl und Milch. Diese Industriezweige werden der „grünen Industrie" zugezählt.

Unter dem Eindruck der drei bereits in diesem Dienstleistungsbereich aktiven Banken ist nun auch die Industrial and Commercial Bank of China entschlossen, in Sachen „grüner Kredite" in den Ring zu treten. Zunächst aber gelte es, eine Datenbank mit Umweltinformationen über Unternehmen anzulegen und sich über die Kriterien zu einigen, nach denen ein Veto gegen umweltgefährdende Projekte eingelegt werden kann.

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