01-07-2008 Beijing Rundschau
Stadt statt Stahl: Shougang verabschiedet sich von Beijing
von Zeng Wenhui

Die Shougang Group - ein großes Stahlunternehmen - zieht von Beijing auf eine Insel um! Die Verlegung dient nicht nur der Austragung der Olympischen Spiele, sondern hilft der langfristigen Entwicklung des Konzerns.

Yao Chunlai, ein Heizarbeiter, hat 33 Jahre für die Shougang Group gearbeitet. Der Einundfünfzigjährige hat einen Sohn und eine Tochter. Sein Sohn ist 18 Jahre alt und studiert an einer Fachhochschule. Seine Tochter ist eine Studentin im Alter von 20 Jahren. Yaos Frau ist eine Hausfrau ohne Einkommen. Monatlich verdient Yao etwas mehr als 3 000 Yuan, dies ist die einzige Geldquelle für seinen Haushalt. Zu seinen Plänen nach dem Umzugs der Shougang Group von Beijing in die benachbarte Provinz Hebei, sagt Yao, „Ich will auch in der neuen Fabrik arbeiten. Ich bin körperlich ganz gesund und kann noch arbeiten. Zuhause habe ich nichts zu tun. Wenn ich ein Jahr länger arbeitsfähig bin, dann arbeite ich noch ein Jahr. Meine Familie hat auch nichts dagegen". Yaos Arbeitsplatz liegt im Hochtemperaturbereich des Werks, gemäß den staatlichen Bestimmungen kann Yao schon im Alter von 55 Jahren in Rente gehen.

Im Jahr 2007 gab es in Beijing 246 Tage mit akzeptabler Luftqualität, vor zehn Jahren waren es nur 100 gewesen. Die Verbesserung der Stadtluft steht in direktem Zusammenhang mit dem Auszug des großen Stahlunternehmens.

Die Fabrikanlagen der Shougang Group liegen in westlicher Richtung nur etwa 25 Kilometer vom Tiananmen-Platz entfernt, dem Stadtzentrum Beijings. Nachdem sich Beijing im Juni 2001 erfolgreich um die Austragung der Olympischen Spiele beworben hatte, löste das Thema „Stadt oder Stahl?" erregte Debatten aus. Im Februar 2005 hat die Staatliche Kommission für Reform und Öffnung endlich beschlossen, dass die Shougang Group schrittweise die Stahlproduktion in Beijing reduziert, bis Ende 2010 das Stahlwarmwalzen und die Verhüttung völlig einstellt, und in Caofeidian, einer vor der Stadt Tangshan gelegenen Insel, ein vollkommen neues „Shougang" errichtet. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen. Wie steht es heute um den Stahlkonzern?

Ursachen des Umzugs

Shougang wurde im Jahr 1919 gegründet. Nach der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik im Jahr 1978 wurde Shougang, einem staatseigenen Unternehmen, größere Spielräume bei der Selbstverwaltung eingeräumt. So trat Shougang in eine neue Entwicklungsphase. Die Produktion von Shougang war schnell von 1,89 Millionen Tonnen Stahl 1979 auf 8,24 Millionen Tonnen im Jahr 1994 gestiegen. 2007 lag die Produktion von Shougang bei 15,4 Millionen Tonnen.

Mit der steigenden Produktion wurde die von Shougang verursachte Luftverschmutzung immer schlimmer. Anfang der 90er Jahren konnte man sehen, wie die Einwohner in der Gegend dicke Plastikfolien an die Fenster ihrer Häuser klebten, um den Staub draußen zu halten. Selbst bei höchsten Temperaturen im Sommer wollten die Leute die Fenster nicht öffnen. Laut Statistiken betrug während der gravierendsten Verschmutzungsphase die Staubemission von Shougang im Jahresschnitt 34 Tonnen pro Quadratkilometer innerhalb des 86 Quadratkilometer großen Shijingshan-Distrikts, dem Shougang angehört.

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