04-08-2008 Quelle: Nanfang Weekend
Märchen vom Nussknacker
von Shu Mei

Ein Nussknacker in mehr als 30 000 Varianten, hat einer chinesischen Spielzeugfabrik nicht nur gute Umsätze beschert, sondern ihr auch die Fähigkeit verliehen, selbst unter den Bedingungen einer Rezession noch ganz gut auf dem Markt vertreten zu sein.

An einem Tag Mitte Juli hält Pan Xiaohua in seiner linken Hand den Telefonhörer und in seiner rechten Hand das Handy. Durchschnittlich musste er pro Minute einen Anruf beantworten. „In sechs Monaten ist Weihnachten. Dieses Jahr haben wir nicht nur amerikanische Kunden, sondern auch zahlreiche Order aus Europa!", sagt Pan.

Auch mitten im Sommer stellt Pans Betrieb, die „Xin Yue Fabrik für Kunstgewerbliche Artikel", Waren für das Weihnachtsgeschäft her.

Das Produkt von Pans Fabrik ist eine klassische Märchenfigur: Der Nussknacker. Für die meisten Chinesen ist der Nussknacker exotisch, während der Nussknacker für die Menschen aus dem Westen ein ziemlich übliches Geschenk ist.

Vor zwanzig Jahren war Pan noch Lehrer in einer Grundschule. Im Jahr 1991 verzichtete er auf seinen festen Arbeitsplatz und stürzte sich mit seiner Frau kopfüber in das Abenteuer Selbständigkeit. Derzeit haben wegen des Taifuns die meisten Fabriken in Taizhou (Provinz Zhejiang) den Betrieb vorübergehend eingestellt, während in seiner Fabrik auf einer Fläche von insgesamt 15 000 Quadratmetern alle Maschinen auf Hochtouren laufen.

Pan sagt: „Das Jahr 2008 ist ein unglückliches Jahr für die Spielzeugindustrie in China. Der Preis für Holz ist um 23 Prozent, und der für Lack ist um 11 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, das sich das Lohnniveau auch erhöht hat, und China die Mehrwertsteuerrückerstattung für Exportgüter aufgehoben hat. Die Abkühlung der Wirtschaft in Europa und Amerika aber ist die Hauptursache für die trüben Aussichten. Viele Bestellungen sind storniert worden." Pan lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen.

„Wir stellen nur hochwertige Nussknacker her. Deshalb ist die Konkurrenz relativ gering", erläutert Pan. Er hat Wal-Mart nicht für würdig befunden, seine Produkte zu verkaufen, sondern sich bewusst dafür entschieden, ausschließlich mit Kaufhäusern zusammenzuarbeiten, die hochwertige Waren in ihrem Sortiment führen. Bei Wal-Mart kostet ein Nussknacker normalerweise 5 bis 10 US-Dollar, die Herstellungskosten liegen zwischen 2,94 und 4,41 US-Dollar. In Warenhäusern der gehobenen Kategorie muss man hingegen mindestens 35 US-Dollar für einen Nussknacker zahlen. Der Preis ab Werk für diese hochwertigen Knacker liegt zwischen 10,44 bis 11,94 US-Dollar.

Das ist ein einfaches Prinzip. Aber wie kann er die Geschäftspartner davon überzeugen, die Produkte gerade seines Hauses zu kaufen? „Wir sind der Lieferant für Macy's, JCP und Costco", sagt Pan mit stolzem Lächeln. Aber er weiß nicht, wie man die Namen der Kaufhäuser buchstabiert. „Ich kann kein Englisch. Unser Geschäft ist durch eine Handelsagentur vermittelt worden."

Obwohl Pan nicht Englisch spricht, überrascht er die gestrengen Handelsagenten immer wieder durch Sorgfalt und Verlässlichkeit. Hinsichtlich der Verpackung, des Designs und der Qualität erreichen seine Produkte stets die Standards der Agenten. Was noch wichtiger ist: Pans Fabrik bringt jedes Jahr ungefähr zehn Nussknacker in neuer Aufmachung auf den Markt. Diese Nussknacker sind sehr begehrt. Mit solchen Produkten ist Xin Yue der angesehene Lieferant von zehn großen Kaufhäusern in den USA geworden.

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