12-10-2007 Beijing Rundschau
Zufriedenstellende Wirtschaftsbeziehungen
Von Ding Wenlei

 

Mit welchen Problemen sind deutsche Unternehmen konfrontiert, wenn sie in China zu arbeiten beginnen?

Zunächst einmal brauchen sie sehr viel Informationen. Was sind die Hürden? Wo gibt es Chancen und Möglichkeiten? Das sind die wichtigsten Hausaufgaben, die sie lösen müssen, bevor sie in den Markt eintreten. Zweitens müssen sie sich über die Gesetze und Verordnungen in China informieren. Das ist absolut notwendig. Dann natürlich sollten sie ihre Nische finden, wo sie ihre spezielles Wissen anwenden können. Das ist aber nicht so schwierig für deutsche Unternehmen, denn die Deutschen sind Meister im Welthandel. Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen, die nach China kommen, sind in einer Position, dass sie auf diesem Markt wettbewerbsfähig sein können.

Aber der Markt hat noch seine Schwächen. Das unterentwickelte Finanzsystem und der schwache Schutz geistigen Eigentums sind ganz vorne auf der Liste der Klagen. Deutsche Unternehmen haben den Eindruck, dass es nicht ausreichend qualifizierte Facharbeitskräfte, insbesondere entsprechende Arbeiter im Bau oder im Fabrikbereich, gibt. Ein umfassendes Bildungssystem ist von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung, nicht nur was die höheren Angestellten angeht, sondern auch die Fabrikarbeiter. Eine große Sorge der meisten deutschen Unternehmen bezieht sich auf den Schutz ihres Know-hows. Was den Schutz geistigen Eigentums anbelangt, sollte China größere Anstrengungen unternehmen, um alle WTO-Auflagen zu erfüllen.

 

Und das Investitionsklima in China? Welche Bereiche müssen verbessert werden?

Seit China Mitglied der WTO ist, hat sich das Investitionsklima dramatisch verbessert. Deutsche Unternehmen kamen nach China, weil sie wussten, dass hier ein wichtiger Markt in der Zukunft entstehen wird. Zuerst einmal müssen die Verpflichtungen und Bestimmungen der WTO erfüllt werden. Wir brauchen ein transparentes und offenes Land. Transparenz ist die wichtigste Forderung, wie wir immer wieder der chinesischen Regierung gegenüber betonen. Ausländische Unternehmen, insbesondere deutsche Unternehmen, haben zur Schaffung von vielen Arbeitsplätzen in China beigetragen. Es wäre sehr hilfreich, wenn die chinesische Regierung ausländische Unternehmen genauso wie chinesische Unternehmen behandeln würde, denn tatsächlich sind 95 Prozent der Beschäftigten in diesen Unternehmen Chinesen. Transparenz und Haltung gegenüber Unternehmen mit Auslandskapital sollten verbessert werden.

Das ist das eine. Des weiteren brauchen wir auch eine Verbesserung im Finanzwesen, beim Schutz geistigen Eigentums und im Bildungssystem, damit wir bessere Arbeiter und Angestellte bekommen. Die Ausbildung der Arbeiter muss verbessert werden.

Deutschland hat ein Dualsystem, das bedeutet, dass Arbeiter sowohl im Unternehmen wie auch in der Schule ausgebildet werden. Dieses System hat sich in Deutschland sehr bewährt. Es gibt bereits sehr viel Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China. Das könnte eine gute Basis sein, die Qualität der Arbeitskräfte in China zu fördern.

 

Werden deutsche Investitionen sich weiterhin hauptsächlich auf die chinesische Herstellungsindustrie konzentrieren? Sehen Sie auch andere vielversprechende Industrien für deutsche Investoren?

Die Herstellungsindustrie wird auch in Zukunft für deutsche Investoren von Bedeutung sein. Die Baubranche floriert, mit einer Wachstumsrate des Produktionswerts von 24 Prozent im vorigen Jahr, und die Immobilienpreise stiegen um 5,2 Prozent. Ca. 15 Prozent aller Bauprojekte in China werden in Zusammenarbeit mit ausländischen Architekten durchgeführt, und deutsche Unternehmen befinden sich in einer guten Position. Andere vielversprechende Industrien sind das Finanzwesen und der Umweltschutz. Der chinesische Finanzmarkt ist seit Dezember 2006 für ausländische Investoren völlig geöffnet und birgt großes Potential.

 

Es gibt zunehmend Klagen über Verletzungen geistigen Eigentums in China. Hat dies die enge Technologiekooperation zwischen unseren beiden Ländern beeinträchtigt?

Die Chinesen sind sich bewusst, dass sie den Schutz geistigen Eigentums innerhalb von China verbessern müssen, auch um ihre eigenen Erfindungen zu schützen. Unsere Unternehmen klagen ebenso wie amerikanische und italienische Unternehmen.

Deutsche Investitionen konzentrieren sich vorwiegend auf die Herstellungsindustrie, während andere Länder eher in den Dienstleistungsbereich investieren. Dementsprechend haben deutsche Unternehmen mehr Technologien nach China gebracht als alle anderen Länder. Im Allgemeinen sind deutsche Unternehmen sehr vorsichtig, wenn es um den Schutz ihres geistigen Eigentums geht. Wenn möglich, transferieren sie bereits überholte Technologien, nicht die neuesten. Trotzdem haben Urheberrechtsfragen nur einen geringen Einfluss auf die hohe Nachfrage nach Geschäftsaktivitäten hier in China.

 

Was haben Sie getan, um deutsche Unternehmen in dieser Hinsicht zu schützen?

Die Rechtsabteilung der Kammer konzentriert sich auf die Information und Beratung über die chinesische Rechtslage in Urheberrechtsfragen für unsere Mitglieder bzw. für Unternehmen, die in den chinesischen Markt eintreten wollen. Das beinhaltet allgemeine Beratung, wie und wo man in China geistiges Eigentum anmeldet, Information und Beratung für Unternehmen, die über keine Markenrechte verfügen, ebenso wie Information und Beratung für den Fall, dass Urheberrechte verletzt werden.

 

Was können deutsche Unternehmen tun, um Piraterie zu verhindern?

Um sich vollkommen zu schützen, sollten deutsche Unternehmen ihr geistiges Eigentum nicht nur in Deutschland anmelden, sondern auch in fremden Ländern wie China. Die Unternehmen sollten alle Dokumente katalogisieren, um Urheberrechtsverletzungen beweisen zu können, und auch ständig den Markt beobachten, um potentielle Plagiate zu entdecken.

 

Haben Sie einen Rat für die chinesische Regierung, wie man den Schutz geistigen Eigentums intensivieren könnte?

Die chinesische Regierung ist sich bewusst, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, an der Durchsetzung des Urheberrechtsschutzes zu arbeiten, um wettbewerbsfähig zu sein, nicht nur in China, sondern auch auf dem Weltmarkt. Die Marktbeobachtung muss vorausschauend sein, um ausländische Investoren zu schützen. Ebenso sollten die Menschen ein generelles Verständnis für die Notwendigkeit des Urheberrechtsschutzes entwickeln.

(Datenquelle: Deutsche Handelskammer in China)

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