13-11-2007 Beijing Rundschau
China und Europa: Gehen die Flitterwochen weiter?
Von Liu Yunyun
Trotz kürzlicher Handelsreibereien geht aus dem jüngsten EU-Bericht hervor, dass China und die Europäische Union 2007 neue Möglichkeiten ausschöpfen können. Zur Zeit ist China ein zunehmend bedeutender Faktor der europäischen Handels- und Wirtschaftsentwicklung. Seit 2004 ist die Europäische Union (EU) der größte Handelspartner Chinas. Im Jahr 2006 wurde China der zweitgrößte Handelspartner der EU. China ist zu einem der wichtigsten Märkte für die EU-Mitgliedstaaten geworden, ein Markt, der nicht unterschätzt werden darf.
Obwohl der chinesische Handelsüberschuss 177,47 Mrd. US$ überschritten hat - eine Entwicklung, die in den USA eine Beunruhigung über die chinesische Währungspolitik ausgelöst hat, malt der jüngste EU-Bericht über China ein rosiges Bild, wie europäische Betriebe vom zukünftigen Handel mit China profitieren können. Im Vorwort zum Bericht „Zukünftige Möglichkeiten und Herausforderungen in den Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und China 2006-2010“, erklärte Peter Mandelson, EU-Kommissar für Handel, dass „die wirtschaftlichen Fakten aus Schlüsselsektoren der Industrie und Dienstleistungen der EU, die in dieser Studie präsentiert werden, deutlich zeigen, wie China zu einer Erfolgsgeschichte der Globalisierung für die EU geworden ist: Indem die europäischen Unternehmen gezwungen sind, sich auf ihren komparativen Vorteil zu konzentrieren, optimieren sie die Wertschöpfungskette und können somit neue, profitable Märkte erschließen.“ Mandelson fügte hinzu: „Material- und Kräfteeinsatz aus China zu wettbewerbsfähigen Preisen senken die Kosten für die europäische Verarbeitungsindustrie. Die wachsende Zahl an anspruchsvollen chinesischen Mittelklasse-Konsumenten ist ein hoffnungsvoller Markt für die Produkte, die Europa am besten erzeugt.“ In den letzten zwei Jahren hat die EU in zahlreichen Handelsstreitigkeiten versucht, auf China Druck auszuüben. Im Jahr 2005 erließ die EU Sonderschutzmaßnahmen für ihre Textilprodukte. Dann erhob die EU voriges Jahr großangelegte Anti-Dumping-Klagen gegen die chinesischen Schuh-Erzeuger. Während diese Maßnahmen die Gefühle der chinesischen Bevölkerung verletzt haben mögen, sollte diese neue Studie auf jeden Fall dazu beitragen, das Vertrauen der EU in einen Handel mit China zu stärken. „Der Handel zwischen China und der EU wird trotz einiger Probleme weiter vorangehen. Es gibt keine schwerwiegenden Konflikte zwischen den beiden Seiten“, kommentierte Mei Xinyu, Experte des chinesischen Handelsministeriums. „Im Gegensatz zu Japan und den Vereinigten Staaten, die aufgrund historischer Gegebenheiten Probleme mit China haben, konzentriert sich die EU in den Beziehungen mit China nicht auf politische Fragen, sondern auf wirtschaftliche.“
Laut dem chinesischen Hauptzollamt haben China und die EU sehr stabile Handelsbeziehungen: das bilaterale Handelsvolumen im Januar und Februar erreichte 51,08 Mrd. US$, was einen Anstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs bedeutet. An zweiter Stelle nach der EU steht die USA mit einem Handelsvolumen von 43,86 Mrd. US$, ein Anstieg von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zhou Rongyao, Forschungsrat des Instituts für Europäische Studien der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, stellte fest, dass sich die Wirtschaftsstrukturen Chinas und der EU sehr gut ergänzen. „Trotz stetiger Handelsreibereien sind die beiden Seiten dennoch jeweils gegenseitig wichtigster Handelspartner geworden“, so Zhou. „Meiner Meinung nach will die EU ungern andere Länder direkt herausfordern. Diese Einstellung ist ähnlich der chinesischen konfuzianischen Tradition, die Harmonie sucht.“ Während der EU-Bericht über die Marktzugangsbeschränkungen und nichttarifäre Handelshemmnisse in China klagt, muss sich, Mei zufolge, die EU selbst an der Nase nehmen, wenn sie weiter in den chinesischen Markt vordringen will. Mei wies darauf hin, dass es zahlreiche Hindernisse gibt, die die Handelsbeziehungen zwischen China und Europa erschweren. An erster Stelle steht der vorherrschende Protektionismus. „Es gibt zu viele Mitgliedstaaten in der EU“, sagte Mei, und meinte die Verwirrung, die dadurch in den internationalen Handelsbeziehungen entsteht. „Wenn es um den Handel mit China geht, gibt es eine allgemeine Zustimmung vonseiten der EU, aber die einzelnen Mitgliedsstaaten widersprechen dieser dann auf einzelnen Gebieten.“ Die EU hat sich von anfangs sechs Gründungsstaaten zu nunmehr 27 Mitgliedsstaaten erweitert, Bulgarien und Rumänien sind zuletzt aufgenommen worden. „Die entwickelten Ländern in Nordeuropa vertreten den freien Handel, während weniger entwickelte Mitgliedsstaaten, darunter Rumänien, Schutzmaßnahmen bevorzugen“, sagte Mei. „Wenn es zur Abstimmung kommt, erhält jedes Mitglied eine Stimme. So ist es schwierig, einen Konsens zu erreichen.“ Zhou merkte an, dass die Streitigkeiten zwischen China und der EU im Textilbereich die Probleme zwischen dem nördlichen und südlichen Europa reflektieren. „Die chinesischen Textilexporte auf den Weltmarkt sind keine überraschende Entwicklung, die internationalen Einschränkungen für den Textilhandel werden früher oder später eliminiert werden“, äußerte Zhou. „Nordeuropäische Staaten wie Schweden sind im allgemeinen gegen protektionistische Maßnahmen und finden, dass Produkte ,Made in China’ den Konsumenten zugute kommen. Südeuropäische Staaten wie Frankreich, Italien und Spanien haben ihre Wirtschaft noch nicht der Globalisierung angepasst, deswegen sind sie so gegen die chinesischen Textilexporte.“ Mei kommentierte, dass es auch Länder gibt, wie Polen, die sich in Fragen internationalen Handels mehr von Washington als von Brüssel beeinflussen lassen. „Die USA haben viele unkluge Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel China zu zwingen, seine Währung aufzuwerten, oder auch China den Status als meistbegünstigte Nation abzuerkennen“, sagte Mei. „Europa sollte nicht dem Beispiel der USA folgen, sondern eine unabhängige und faire Handelspolitik gegenüber China betreiben.“ Obwohl Europa über hochentwickelte Technologien und Dienstleistungen verfüge, seien diese neuen Technologien aber nicht so entwickelt wie jene der USA und Japans, und könnten die Nachfrage Chinas nicht befriedigen, meinte Mei. „Wir sollten technisch fortgeschrittenere Produkte importieren wie zum Beispiel in der elektromechanischen Industrie, anstatt nur italienische Makkaroni oder französische Kekse“, betonte Mei. Im Vergleich zu den USA ist die europäische Handelspolitik gegenüber China relativ offen, aber sehr konservativ, was den Technologietransfer anbelangt. „Je weiter man in Europa nach Osten geht, desto mehr treten Handelsreibereien auf,“ sagt Mei. „Aber generell läuft der Handel zwischen China und der EU recht gut.“ |
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