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17-01-2008 Beijing Rundschau
Öffentlicher Raum in China - Ein Projekt angehender Architekten
Von Matthias Mersch
Eine Sprache, die allerdings mit verschiedenen Akzenten gesprochen wird. Meyer-Miethke neigt denn auch eher süddeutscher Leichtigkeit zu - wie sie etwa Günter Behnisch in seinen Arbeiten pflegt - als dem repräsentativen Stil, mit dem sich Berlin in den letzten Jahren zur Hauptstadt umgebaut hat. In China ist erst in jüngster Zeit ein gewisses Interesse an Architektur im nicht-monumentalen Maßstab zu verzeichnen. Bewahrung und Rekonstruktion Beijinger Altstadtviertel mit ihren Hofhäusern sind eine Reaktion auf die Ausschließlichkeit, mit der sich in den letzten Jahren in chinesischen Städten Hochhaussiedlung an Hochhaussiedlung gereiht hat. Der Lebensstil der Städter hat sich dadurch stark verändert und nicht wenige Bürger fühlen sich in der Modernität ihres neuen Alltags verloren. Ein Entwurf der Studenten fasst den Platz als eine Reihe von 20 x 20 Meter großen Gärten auf. In jedem dieser Gärten herrscht ein Element vor: Wasser, Bambus, Stein etc. Alle Gärten des Entwurfs sind umfriedet, wie es chinesischer Tradition entspricht, denn erst durch Umfriedung definiert sich ein Garten gegenüber seiner Umgebung. Zugleich spiegelt sich in der Klarheit des Quadrats europäischer Minimalismus. Innerhalb der Mauern dominieren dann die weicheren Linien der chinesischen Ästhetik. Sie gehen allerdings über den Grundgedanken chinesischer Gartenbautechnik hinaus, den Lothar Ledderose, der bekannte Historiker chinesischer Kunst, so beschrieben hat: ein Loch ausgraben, dieses mit Wasser füllen und die aus dem Loch gewonnene Erde zu einem Berg aufschütten. Ein anderer Entwurf verwandelt den Platz in eine sehr städtische Landschaft: Vertiefungen und Erhebungen, eine bewegte Parklandschaft aus Asphalt, der wie weichgekocht wirkt. Ein weiterer Entwurf lässt einen riesigen Wassertropfen auf den Platz fallen und macht die konzentrischen Ringen, die er hinterlässt, zum Muster seiner Gestaltung. Eine vollkommen andere Lösung bietet ein Entwurf, der die Zentralität des Platzes betont durch Setzen eines riesigen Felsblocks. „Wir bauen den Entwurf, aber nicht in Stein, sondern in Bambus. Acht Meter hoch, zwanzig Meter lang. Wir nennen das ´Promenade durch den Bambuswald´. Endpunkt ist also ein Modell im Maßstab 1:1. Ich finde es wichtig für Studenten, dass sie die Konsequenzen ihrer Arbeit 1:1 sehen und sie nicht immer nur als Papierprodukt wahrnehmen." Für Erstsemester aus Nanjing gab es dazu noch eine kleine Zusatzaufgabe: sie mussten eine Flugmaschine basteln, mit deren Hilfe ein Ei sicher die Wegstrecke zwischen der Spitze des Bambusmonuments und dem Boden des Platzes zurücklegen kann. Zwar sollte es schon ein funktionsgerechtes Flugzeug sein, aber der Professor gibt zu, dass die Eier, die dabei kaputtgegangen sind, vielleicht sogar in den phantasievolleren Flugmaschinen platzgenommen hatten. Ein Bruchpilot wurde also nicht unbedingt mit einer schlechteren Note bestraft. Durch den Flug soll die Höhe erlebbar werden. Acht Meter sind nicht einfach nur eine Zahl, die sich leicht auf einen Bauplan schreiben lässt, sondern eine beträchtliche Erhebung über das Niveau des Platzes. Das Denken in Alternativen zählt also nicht nur beim Bau von Flugapparaten, sondern vor allem auch beim Entwerfen. Im Grunde setzte man sich damit über die Vorgabe hinweg, einen einzigen Entwurf zur Platzgestaltung zu schaffen: „Wir wollen eher die Vielfalt der Prozesse darstellen, die wir miteinander gegangen sind. Das fördern wir überall in der Architekturlehre: dass man bei architektonischen Lösungen in Alternativen denken muss. Teamarbeit und Alternativen sind das Wesentliche. Es gibt nicht nur die eine Lösung." Am Anfang des Workshops wollten die Studenten immer wissen, wie sie es machen sollten. Sie lebten in der Erwartung, belehrt zu werden und das Erlernte zu reproduzieren. „Ich habe ihnen aber erklärt, ich verstehe mich eher als Hebamme für die Ideen der Studenten. Was in dem Studenten drin ist, will ich herausholen. Bei solchen Entwurfsarbeiten vermeide ich es, darüber nachzudenken, wie ich es machen würde, das ist mir nicht wichtig. Ich möchte weiterentwickeln, was die Studenten auf den Tisch legen. Das ist im Architekturstudium in China vielleicht noch nicht überall so üblich. Den Studenten aber macht es sehr viel Spaß. Nur anfangs waren sie ein bisschen schockiert, dass sie selbst sagen müssen, welche Richtung ihr Projekt einschlagen soll." Stefan Meyer-Miethke kann sich gut vorstellen, im Sommer wieder nach Nanjing zu kommen. Seine chinesischen Kollegen seien sehr nett und er fühle sich gut in den Lehrbetrieb integriert. „Die Studenten lernen viel und ich lerne viel von ihnen. Das ist eine prima Erfahrung hier!"
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