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Beijing Rundschau
Immer mehr Chinesen besitzen ein Auto. Das bringt viel Spass, schafft aber auch Gesundheits- und Umweltprobleme.
Unten ist der Zweite Ring (Erhuanlu), eine der verkehrsreichsten Straßen Beijings. Zhang Wuchang, 68, sitzt jeden Tag auf seinem Balkon, hört Radio und sieht die Autos vorüberfahren. Sein Bein macht ihm Schwierigkeiten, es fällt ihm nicht leicht, sich zu bewegen, und so führt er das Leben eines Verkehrsbeobachters. „Das geht jetzt schon zehn Jahre so, aber mir gefällt es hier zu sitzen, denn ich kann sehen, wie mein Sohn zur Arbeit fährt und wieder nach Hause kommt", sagt er.
Der schönste Augenblick des Tages ist für Zhang, wenn sein Sohn den Enkel morgens zur Schule bringt. Denn der winkt immer zu ihm herauf, wenn das Auto am Gebäude vorbeifährt.
Zhang hat seinen Sohn früher auch von der Schule abgeholt, allerdings noch mit dem Fahrrad. „Damals gab es mehr Fahrräder in Beijing als Autos", sagt Zhang. „Heute ist es genau umgekehrt: die Fahrräder sind in der Minderzahl."
Vierzigmal mehr Autos innerhalb von 17 Jahren
Zhang Yu, der Sohn von Zhang Wuchang, fährt einen Honda, den er sich vor drei Jahren gekauft hat. Es ist schon sein zweites Auto. Der erste Wagen war ein VW Santana, den er im Jahr 1993 gekauft hatte. Santana war eine der ersten Automarken, die im Rahmen eines Joint Ventures von Volkswagen in Shanghai gebaut wurden. Noch immer hält Santana einen recht hohen Marktanteil in China.
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Zhang Yu war früher am Beijinger Umweltschutzamt angestellt. Im Alter von 26 Jahren machte er sich mit einer Werbefirma selbständig. Seinerzeit, kurz nach Beginn der Reform- und Öffnungspolitik, war die Konkurrenz in der Werbebranche noch nicht allzu groß. Schon zwei Jahre nach der Firmengründung konnte er sich den Wagen leisten.
„Damals erregte der Kauf eines Autos noch großes Aufsehen. Die ganze Verwandtschaft kam vorbei, um sich den Wagen anzuschauen", erinnert sich Zhang Yu. „Ich fühlte mich wie ein König. Aber heutzutage sind Autos so verbreitet, dass niemand mehr etwas Besonderes daran findet, wenn einer ein Auto hat."
Seit 2001 erlebt China einen raschen Anstieg der Zahl von Privatfahrzeugen. Nach dem Beitritt Chinas zur WTO hat sich der Markt für Kraftfahrzeuge weiter geöffnet und dadurch zu einer raschen Entwicklung der heimischen Automobilindustrie beigetragen. Mit der wachsenden Zahl verfügbarer Modelle sind auch die Preise gesunken. Nicht zuletzt dank einer Reihe von Maßnahmen der Regierung, durch die Familien dazu angeregt werden sollen, sich ein Auto anzuschaffen, haben Privatautos inzwischen Dienstfahrzeugen den Rang abgelaufen und stellen heute den Löwenanteil des Kraftfahrzeugbestandes.
Nach Angaben des Staatlichen Statistikamts gab es 1990 nur 5,54 Millionen Autos in China. Davon befanden sich lediglich 820 000, oder 14,8 Prozent, in Privatbesitz. Von diesen waren 580 000 Lastkraftwagen und lediglich 240 000 Personenkraftwagen, unter denen es zudem viele Kleinbusse gab. Der Anteil privater Automobile war tatsächlich sehr gering.
Im Juni 2007 liegt die Zahl zugelassener Privatfahrzeuge bereits bei 32 393 961, was nahezu vierzigmal so viel ist wie 1990. Private Automobile machen nun etwa 60,48 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands des Landes aus. Unter den Fahrzeugen in Privatbesitz gibt es 13 345 652 Personenkraftwagen, dies entspricht 76,14 Prozent aller Personenkraftwagen. Gegenwärtig besitzen mehr als 100 Millionen Chinesen einen Führerschein.
Vor zwei Jahrzehnten galten Automobile noch als Anlagegüter und niemand konnte sich damals vorstellen, dass sie eines Tages zu Konsumgütern werden würden. Heutzutage verfügen hingegen bereits zehn Millionen Haushalte über ein eigenes Auto.
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