11-10-2007 Beijing Rundschau
Ein denkwürdiges Jahrzehnt
Ding Zhitao

Blickpunkt Hong Kong: was ist seit der Rückkehr der Stadt zu China anders geworden, was ist unverändert geblieben?

Der beeindruckendste Blick auf die Stadt erinnert noch immer an das britische Empire, wenigstens dem Namen nach: vom Aussichtspunkt Victoria Peak schaut man hinunter auf die Victoria Bay. Egal, ob im Tageslicht oder unterm Nachthimmel, dem Auge ist immer etwas geboten. In der Ex-Kolonie, deren Markenzeichen Geschwindigkeit und Vitalität sind, werden britische Gouverneure, Monarchen und Kriegsopfer noch immer auf Münzen und als Namensgeber für Straßen und öffentliche Grünanlagen gewürdigt.

 

HISTORISCHER AUGENBLICK: Die Rote Fünf-Sterne-Fahne wird am 1. Juli 1997 gehisst und der Union Jack wird eingeholt.

Oberflächlich betrachtet, scheint sich nicht viel in der Stadt verändert zu haben. Wie Deng Xiaoping versprochen hat, sind „Pferderennen und Tanzvergnügungen noch immer herausragende Ereignisse in Hong Kong.“ Aber alles fließt. Das heutige Hong Kong kann gar nicht das gleiche Hong Kong wie das vor zehn Jahren sein. Am 1. Juli 1997 verwandelte es sich über Nacht von einer britischen Kronkolonie in eine chinesische Sonderverwaltungszone (Hong Kong Special Administrative Region, kurz: HKSAR). Nachdem dieser historische Schritt vollzogen war, gab es in den letzten zehn Jahren deutliche Veränderungen, die weit hinausgingen über den Wechsel vom Union Jack zur Roten Fünf-Sterne-Fahne, der Nationalflagge der VR China, und der Bauhinia-Blüte auf rotem Grund, der Flagge der Sonderverwaltungszone Hong Kong.

 

Aber das Wesen der Stadt ist nahezu unverändert geblieben. Es sind diese unversehrt bewahrten Dinge, welche die Freunde von Wong Yim Fat, dazu veranlasst haben, nach Hong Kong zurückzukehren. Als sie 1997 an Bord kanadischer oder australischer Flugzeuge gingen, waren sie durch Medienvorhersagen davon überzeugt, dass die Stadt, der sie für immer den Rücken kehren wollten, dem Untergang geweiht sei.

 

Wong (52), ein Geschäftsmann aus dem Fischereiwesen, kann sich noch gut an den historischen Augenblick und an die Zeit davor und danach erinnern: „Manche meiner Freunde hatten so sehr Angst, dass sie flohen. Nun sind einige von Ihnen zurückgekommen und sagen, dass sie niemals mehr die Stadt verlassen würden.“ Er sagt das mit einigem Stolz in der Stimme, denn er ist froh darum, gar nicht erst fortgegangen zu sein.

 

Seit dem Tag, da China seine Souveränität über Hong Kong wiedererlangte, hat die Welt die Nachrichten aus der Stadt aufmerksam verfolgt. Würde Hong Kong seine Rolle als Freihafen bewahren können? Was würde der Grundsatz „Ein Land, zwei Systeme“ in der Praxis wirklich bedeuten? Diejenigen, die voraussagten, dass sich die Dinge zum Schlechten wenden würden, konnten sich damals Gehör verschaffen. Einige Hong Konger machten sich schon ernstlich Gedanken darüber, welche Bücher sie sich für einen unvermeidlichen Gefängnisaufenthalt bereitlegen sollten.

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