|
11-10-2007 Beijing Rundschau
Ein denkwürdiges Jahrzehnt
Ding Zhitao
Gesund und munter Schwierige Zeiten kamen dann tatsächlich für Hong Kong, aber anders, als man zuvor gedacht hatte. Am zweiten Tag nach Hong Kongs Rückkehr zu China erschütterte eine Finanzkrise Südostasien und die Stadt wurde zur Geldmaschine des internationalen Finanzjongleurs George Soros. Die Immobilienpreise fielen um die Hälfte und der Mittelstand sah mit Entsetzen, wie sich seine Spareinlagen in Schulden verwandelten. SARS, die tückische Infektion der Atemwege, ließ die Menschen überall Gesichtsmasken anlegen und die Vogelgrippe leerte die Gaststätten, in denen jeden Tag Hähnchen serviert worden waren. Schmerz und Leid breiteten sich aus, jegliche Zuversicht ging verloren.
„Ich hatte einen Geschäftseinbruch von 40 Prozent“, erinnert sich Wong. „Alles, was ich tun konnte, war durchzuhalten und noch härter zu arbeiten.“
Aber Hong Kong stand nicht allein. Im März 1998 versprach der damalige chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji, dass die Zentralregierung die Sonderverwaltungszone „um jeden Preis“ gegen die Finanzkrise verteidigen würde. Es heißt, George Soros hätte seine Teetasse auf den Boden geschmissen, als ihm diese Äußerung des Ministerpräsidenten zu Ohren kam. Selbst als in den Nachwehen der SARS-Epidemie Hong Kong nahezu paralysiert war, schloss die Zentralregierung mit Hong Kong ein Abkommen über die enge Wirtschaftspartnerschaft (Closer Economic Partnership Arrangement, CEPA), um die Märkte für Produkte und Dienstleistungen Hong Kongs zu erweitern. Rita Fan, Präsidentin des Hong Konger Legislativrats, brachte es auf den Punkt: „Hong Kongs Geschäftsmöglichkeiten sind begrenzt, während diejenigen des Festlandes grenzenlos sind.“ Durch das Abkommen öffnete sich ein riesiger Markt für Hong Kong.
Die Visabestimmungen wurden gelockert, um Einzelreisende aus China zu ermuntern, Hong Kong zu besuchen. Das Resultat: ein Tourismus-Boom, der mittlerweile dazu geführt hat, dass heute schon jeder zweite Besucher der Stadt vom chinesischen Festland kommt.
„Nach der SARS-Epidemie hatte niemand Lust, Geld auszugeben. Erst als die Leute vom Festland zu Besuch kamen und hier den Konsum ankurbelten, trauten sich auch die Hong Konger allmählich wieder einzukaufen und ins Restaurant zu gehen“, sagt Ian Fok Chun Wan, Vorsitzender der Gesamtchinesischen Handelskammer.
Eine engere Zusammenarbeit zwischen Hong Kong und dem chinesischen Festland auf wirtschaftlichem Gebiet half nicht nur der Hong Konger Wirtschaft auf die Beine, sondern förderte ebenso das atemberaubende Wirtschaftswachstum auf dem Festland. Beide Partner genießen die Früchte der Kooperation. Da die chinesische Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs ist und bei chinesischen Unternehmen ein wachsender Bedarf an ausländischem Kapital besteht, kann Hong Kong die Nachfrage auf bestimmten Gebieten gut bedienen. Heute hat die Stadt die Hauptrolle beim Zugang zu internationalen Finanzmärkten übernommen. Hong Kong ist die bevorzugte Anlaufstelle chinesischer Firmen auf der Suche nach ausländischem Kapital. |
| Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24, 100037 Beijing, Volksrepublik China |