11-10-2007 Beijing Rundschau
Ein denkwürdiges Jahrzehnt
Ding Zhitao

 

WELTREKORD: Die Industrial and Commercial Bank of China beim Börsen-gang in Hong Kong und Shanghai im Oktober 2006. Mit einem Börsenwert von 21,9 Mrd. US$ handelte es sich um die größte Neuemission aller Zeiten.

Umweltfragen stehen ebenfalls auf der Agenda: „Die Steigerung der Lebensqualität, insbesondere in Sachen Verbesserung der Atemluft, ist ein Thema von hoher Bedeutung.“

 

Umfragen haben ergeben, dass der Umweltschutz für zeitweilige und ständige Bewohner Hong Kongs ein wichtiges Thema ist. Dessen ist sich auch die Regierung bewusst, die Wert darauf legt, gut ausgebildete Fachleute anzuziehen, die sich langfristig in Hong Kong niederlassen sollen. Für Neuankömmlinge wurde erfolgreich ein Programm für sauberen Treibstoff aufgelegt, das gasbetriebene Fahrzeuge von der Benzinsteuer befreit.

 

Es gibt jedoch auch Stimmen, die meinen, dass Hong Kong Gefahr läuft, an den Rand gedrängt zu werden. Angesichts einer boomenden Wirtschaft auf dem chinesischen Festland bestünde die Gefahr, dass die Position Hong Kongs als internationales Finanz-, Schifffahrts- und Handelszentrum durch Städte wie Shanghai und Guangzhou gefährdet werden könnte.

 

Regierungschef Tsang weist diese Befürchtungen zurück: „Ich sehe kein Gebiet, auf dem Hong Kong in eine gefährliche Konkurrenz zu Städten des chinesischen Festlandes geraten könnte. Was wir erleben ist eine wohlwollende Kooperation“, sagt Tsang. Er hebt hervor, dass Hong Kong den Städten auf dem Festland nützliche Erfahrungen vermitteln kann, während diese sich rasch entwickelnden Metropolen ihrerseits Hong Kong Unterstützung gewähren könnten. „Die Möglichkeit, sich gegenseitig zu ergänzen, ist groß. Hong Kong hat die besten Voraussetzungen, um ein herausragendes Finanzzentrum zu werden.“

 

Henry Tang, Leiter der Finanzabteilung der Regierung der Sonderverwaltungszone, nennt zwei Wege, um diesen Befürchtungen entgegenzutreten. Hong Kong solle seine Vorzüge in den Bereichen Finanz, Dienstleistung, Schifffahrt und Tourismus ausbauen. Gleichzeitig solle die Stadt weiterhin innovativ sein.

 

Ungefähr 90 Prozent der Arbeitnehmer Hong Kongs sind im Dienstleistungsbereich tätig, dem ganzen Stolz der Stadt. Aber einige Experten sind der Meinung, dass dieser Sektor allein nicht ausreicht, um Reichtum zu schaffen. Hong Kong müsse seine Wirtschaftsstruktur verbessern und neue Wachstumsbranchen schaffen. „Hong Kong hätte mit der Optimierung seiner Industrie bereits in den 1980ern beginnen sollen. Aber es hat diese Gelegenheit verpasst. Nun muss sich Hong Kong bemühen, eine wissensbasierte Industrie zu entwickeln, und günstige Rahmenbedingungen für Naturwissenschaft und Technik zu schaffen“, sagt Professor Wong Yuk Shan, Vizepräsident der Hong Konger Universität für Naturwissenschaften und Technik (Hong Kong University of Science and Technology).

 

Wissenschaft und Technik sind jedoch kostenintensiv und bedürfen anhaltender Investitionen. Investitionen aber sind riskant. Vor 1997 hatten die Regierung, die Geschäfts- und Industriekreise kein Interesse an Investitionen im Bildungswesen. Nach 1997 habe sich die Lage verändert. Hätte es nicht die bekannte Reihe misslicher Ereignisse gegeben, wäre die Situation heute wesentlich besser.

 

Allerdings sind dank der Unterstützung durch die Kommission für Technologie und Innovation (Innovation and Technology Commission) der Sonderverwaltungszone Hong Kong einige Fortschritte zu verzeichnen. Bislang haben fünf von der Regierung finanzierte Forschungs- und Entwicklungszentren ihre Arbeit aufgenommen. Wissenschaftliche Forschung wird als entscheidend für die Verbesserung der Industriebasis Hong Kongs im Gebiet des Perlfluss-Deltas betrachtet. Hong Kong kann sich nicht weiterentwickeln, wenn es sich nicht in die Region integriert. Professor Wong: „Die Zukunftsaussichten der Hong Konger Wirtschaft hängen von der gesamten Region ab.“

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