|
12-10-2007 Beijing Rundschau
Die Geburt einer regierungsunmittelbaren Stadt
Tan Wei
Freie Fahrt Vor 1997 war die Chongqinger Stadtautobahn nur 114 Kilometer lang. Anders als heute gab es damals keine modernen Verkehrswege. Enge Straßen stellten die Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und den Vororten her. Sich auf diesen Straßen fortzubewegen, ist alles andere als einfach gewesen. Die Einheimischen gingen in den Vororten lieber zu Fuß als dass sie den Bus genommen hätten, vom Fahren mit einem eigenen Auto ganz zu schweigen.
Moderne Metropole: Junge Leute erholen sich am Flussufer, im Hintergrund erheben sich die Wolkenkratzer des Hauptgeschäftszentrums der Stadt. Chongqing hat ein schnelles Wirtschaftswachstum erlebt, seit sie vor zehn Jahren die jüngste regierungsunmittelbare Stadt des Landes geworden ist. Eine Anekdote erhellt sehr gut die damalige Verkehrslage. Als Guo Daorong, der amtierende Direktor des Amtes für Rundfunk, Film und Fernsehen der Stadt Chongqing, im Jahr 1998 vom Stadtzentrum in den Vorort Qianjiang gelangen wollte, der in einem bergigen Minderheitengebiet im südöstlichen Teil der Stadt liegt, dauerte die Fahrt dorthin geschlagene 26 Stunden! Die Verkehrprobleme haben den Stadtvätern die größten Kopfschmerzen bereitet. Um der Entwicklung der Stadt den Weg zu ebnen, hat man innerhalb nur eines Jahrzehnts ein leistungsfähiges Verkehrsnetz aufgebaut. Die Stadtautobahn ist momentan insgesamt 778 Kilometer lang, 664 Kilometer länger als vor 10 Jahren. Hinzu kommt, dass die Stadt 5683 Kilometer Straßen erster und zweiter Ordnung gebaut, beziehungsweise ausgebessert hat, um das Problem des Straßenverkehrs in den Griff zu bekommen. Zusätzlich zu den acht bereits vorhandenen Brücken über Jangtse und Jialing wurden 28 neue Brücken gebaut, die den Verkehr von einer Flussseite zur anderen erleichtern. Die Baumaßnahmen haben sich ausgezahlt: nun braucht man vom Stadtzentrum in die Vororte nur noch acht Stunden, statt mehr als einen ganzen Tag. Zwischen den Innenstadtbezirken kann man sich jetzt in weniger als einer halben Stunde bewegen. „Jetzt brauche ich nur fünf Stunden, um nach Qianjiang zu fahren“, sagt Guo, „Das ist für mich die erstaunlichste Veränderung der letzten zehn Jahre.“
Anreiz für Investoren Bevor Chongqing regierungsunmittelbar wurde, gab es nur wenige ausländische Banken in der Stadt. Aber jetzt herrscht rege Betriebsamkeit in der vormals ruhigen Stadt und ausländische Investoren geben sich die Klinke in die Hand. 4179 ausländische Unternehmen haben sich in Verträgen zur Investition von 8,76 Milliarden US-Dollar verpflichtet, eine Summe, die um 139,4 Prozent höher liegt als vor zehn Jahren. Die bislang realisierten Investitionen umfassen 4,8 Milliarden US-Dollar, 76,4 Prozent mehr als 1997. Alte Zeiten: Vor zehn Jahren hing Nebel in Chongqing. Ohne ein leistungsfähiges Verkehrsnetz brauchte man mindestens einen Tag, um von der Innenstadt in die Vororte zu gelangen. Die Stadtregierung glaubt, dass der enorme Anstieg ausländischer Investitionen auf ein verbessertes Investitionsumfeld zurückzuführen sei. Die Stadt hat mehr als 50 Milliarden Yuan in Naturschutz- und Renaturierungsprojekte investiert. Die Umweltbedingungen seien durch eine Reihe von Programmen erheblich verbessert worden, sagt Huang Qifan, der stellvertretende Bürgermeister von Chongqing. Die Wetterlage der Stadt hat ebenfalls von den Umweltschutzmaßnahmen profitiert. In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl von Tagen mit Nebel im Jahresschnitt von 110 auf 51 verringert. Statistiken belegen, dass rund 90 Prozent der etwa 900 Auslandsinvestoren mit dem Investitionsklima in Chongqing zufrieden sind, und ungefähr 70 Prozent von ihnen die Zukunft der Stadt optimistisch beurteilen. Vor zehn Jahren hielten die meisten ausländischen Unternehmen die Stadt nicht für ein investitionsfreundliches Gebiet. Das mangelhafte Straßennetz und das nur wenig einladende Stadtbild Chongqings lieferten die Hauptgründe für diese Einschätzung, so Huang. „Aber in den letzten Jahren ist die Stadt sehr interessant für Investoren geworden“, sagt Huang. „Viele internationale Unternehmen und Organisationen haben Zweigniederlassungen in der Stadt eröffnet.“ Die kanadische Scotiabank Group und die philippinische Allied Commercial Bank waren unter den ersten ausländischen Geldinstituten, die Repräsentanzen in der Stadt gründeten. Die Scotiabank kam 1998 in die Stadt, ein Jahr, nachdem die Stadt den Status einer regierungsunmittelbaren Stadt erlangt hatte. Allied Commercial Bank eröffnete im Jahr 2003 ihre Niederlassung in der Stadt. Zur Zeit sind bereits 69 der in der Liste der TOP 500 geführten Unternehmen der Welt in Chongqing vertreten. Viele ausländische Investoren glauben, dass die regierungsunmittelbare Stadt ein riesiges Marktpotenzial aufweist, weil ihr beim Urbanisierungsprozess der westlichen Landesteile eine Schlüsselrolle zukommt.
Eine hoffnungsvolle Metropole Durch ihren Status als regierungsunmittelbare Stadt hat Chongqing heute die Chance, Sonderwirtschaftszonen einzurichten, die dem Vorbild der Pudong-Zone, einem entwickelten Wirtschafts- und Finanzzentrum in Shanghai, und der Neuen Küstenzone Binhai, einem boomenden Wirtschaftsgebiet in Tianjin, nacheifern können. Die Zentralregierung hat dem neuen Entwicklungsplan Anfang Juni zugestimmt. Eine vom Chongqing Evening Standard durchgeführte Befragung hat ergeben, dass 98,6 Prozent der 402 Interviewten optimistisch in die Zukunft der Stadt blicken, und 60 Prozent davon ausgehen, dass sich ihre Lebensbedingungen noch erheblich verbessern werden. „Ich glaube, Chongqing wird in den kommenden zehn Jahren noch schöner und besser werden“, sagt Li Yuanyuan. |
| Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24, 100037 Beijing, Volksrepublik China |