02-11-2007 Beijing Rundschau
Ein besseres Leben für die Senioren
Von Du Peng
In den letzten Jahren hat die Zahl der Senioren in China kontinuierlich zugenommen, und auch die Überalterung der Bevölkerung hat sich beschleunigt. Ende 2006 belief sich die Zahl der Menschen im Alter über 60 Jahren in China auf 149 Millionen, was 11,3% der Gesamtbevölkerung ausmachte. Nach internationalen Standards ist China damit hinsichtlich seiner Bevölkerungsstruktur in die Überalterungsphase eingetreten. Die chinesischen Senioren sind meist finanziell von der Unterstützung ihrer Kinder oder ihrer Verwandten abhängig. Dazu kommen aber die staatlichen Renten, von denen die Senioren leben können. Allerdings existieren zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Stadt und Land nach wie vor Unterschiede, die sich im Lebensunterhalt der alten Menschen offenbaren. Etwa 60% der chinesischen Senioren leben auf dem Land, die meisten davon müssen bis ins hohe Alter arbeiten. Und wenn sie über 70 Jahre alt sind, werden sie von ihren Kindern ernährt. Deshalb soll die Regierung das System der Sozialwohlfahrt und das System von Sozialdiensten auf dem Land weiter ausbauen und die wirtschaftliche Selbständigkeit der Senioren in den ländlichen Gebieten verstärken, um die traditionelle Altersversorgung - die Abhängigkeit alter Menschen von ihren Kindern - so schnell wie möglich zu verändern, und um zu vermeiden, dass die Senioren durch teure ärztliche Behandlungen in Armut geraten. Außerdem beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der chinesischen Bevölkerung schon über 72 Jahre. Als Folge sticht das Problem der Selbstversorgung und der langfristigen Betreuung der alten Menschen immer mehr hervor. Die Senioren, die allein nur schwer für sich selbst sorgen können, müssen normalerweise mit ihren Kindern zusammen leben und von ihren Ehepartnern oder ihren Kindern betreut werden. 2004 hat die Zahl der hochbetagten bzw. der behinderten alten Menschen schon 12 Millionen betragen, was 8,9% der Gesamtzahl der Senioren in China ausgemacht hat. China ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land, sondern auch das Land, in dem sich die Überalterung der Bevölkerung schnell entwickelt. Man soll zwar energisch mit der Herausforderung der Überalterung der Bevölkerung umgehen, aber man braucht nicht mehr zu viele Sorgen zu haben. Manche halten eine große Anzahl alter Menschen für eine riesige Belastung der Gesellschaft und der Familien. Tatsächlich können jedoch über 90% der Senioren selbst für sich sorgen, und brauchen keine langwierige Pflege durch Andere. Die alten Menschen unter 70 Jahren machen mehr als die Hälfte der Gesamtzahl der Senioren aus, und davon sind die meisten gesund. Wenn es das System erlaubt, können sie sich der Arbeit, die sie leicht verrichten können, und freiwilligen Dienstleistungen widmen und eine aktive Rolle in den Wohnvierteln und Familien spielen. Ein besseres Leben für Senioren In China wird traditionell die Altersversorgung von der Familie übernommen, aber es können dadurch auch viele gesellschaftliche Probleme entstehen, wenn das System der Sozialabsicherung nicht vervollständigt und langfristige Betreuungsdienste nicht entwickelt werden. Hierfür sollen praktische und wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um das Leben der Senioren zu verbessern. Alte Menschen beim Körpertraining im Fitnesszentrum des Altersheims in der Gemeinde Liuhe, Provinz Shandong Erstens sollen das System der Sozialabsicherung, das Krankenversicherungssystem, das System der Sozialwohlfahrt und das Betreuungssystem in den Wohnvierteln tatkräftig ausgebaut werden. Das System der Sozialabsicherung und das Krankenversicherungssystem bieten den Senioren eine grundsätzliche Altersvorsorge. Das Betreuungssystem in den Wohnvierteln ermöglicht den alten Menschen, anstatt in Altersheimen, möglichst lange in den eigenen Wohnungen zu bleiben, damit ihre Lebensqualität verbessert werden kann. Von 2001 bis 2004 führte die chinesische Regierung einen Plan für den Aufbau von Wohlfahrtseinrichtungen für alte Menschen in den Wohnvierteln durch. Mit einer Gesamtinvestition von 13,4 Milliarden Yuan wurden 32 000 „Seniorenzentren“ aufgebaut, die über 30 Millionen älteren Menschen Hausbesuche, Notfallhilfe, tägliche Betreuung, Gesundheitspflege und Rehabilitation sowie kulturelle und sportliche Unterhaltung angeboten haben. Ende 2005 gab es in den Wohnvierteln aller chinesischen Städte insgesamt 195 000 Dienstleistungseinrichtungen, darunter 8500 universelle Dienstleistungszentren. Zweitens soll man verschiedene Mechanismen zum Schutz der alten Menschen vervollständigen, um schrittweise die Diskriminierung, Misshandlung und Gewalt gegenüber den Senioren zu beseitigten. Besonders sollen diesbezügliche Gesetze erlassen werden, um die Rechte und Interessen der alten Menschen in den Bereichen Beschäftigung, medizinische Betreuung, Dienstleistungen und Bildung zu schützen. Seit der Gründung der Volksrepublik ist eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen in den Bereichen Sozialabsicherung, Wohlfahrt und Dienste, Gesundheitspflege, Kultur, Bildung und Sport, Schutz von Rechten und Interessen der alten Menschen sowie altenorientierte Wirtschaftssektoren ausgearbeitet worden. Insbesondere in den letzten 20 Jahren haben der Nationale Volkskongress und dessen Ständiger Ausschuss, der Staatsrat sowie zuständige Abteilungen insgesamt 200 entsprechende Gesetze, Verordnungen und Vorschriften sowie politische Maßnahmen erlassen. Drittens sollen die Senioren ermutigt werden, aktiver am gesellschaftlichen Leben mitzuwirken, damit sie sowohl physisch als auch psychisch gesund bleiben. Durch eine lebenslange Bildung können die alten Menschen ihr Leben bereichern, und durch die Beteiligung an freiwilligen Aktivitäten und Gruppenarbeit können sie fortsetzend eine wichtige Rolle in gesellschaftlichen Angelegenheiten spielen. Das Projekt „Mit Liebe Aufwachsen“, das auf freiwilliger Mitarbeit beruht, wird landesweit durchgeführt. Dabei sind alte Menschen, die gesund und noch nicht hochbetagt sind, die Hauptakteure unter den Freiwilligen. Sie führen großangelegte Aktionen zu moralischer Erziehung, Erziehung im Geist der revolutionären Tradition, Kontrolle über Vergnügungsstätten, Jugendschutz und -fürsorge durch, um Kindern und Jugendlichen zu helfen, Probleme beim Lernen und im Alltag sowie bei der Erhaltung der psychischen Gesundheit zu lösen. Zurzeit wird das Projekt in über 100 chinesischen Städten praktiziert. Dank der Anleitung und Unterstützung durch die Regierung hat sich die Zahl der landesweiten gesellschaftlichen Organisationen für alte Menschen, darunter u. a. der Chinesische Verein Alter Professoren, der Verein Alter Wissenschaftler und Techniker und der Verein Alter Juristen, auf 13 erhöht, und sie haben ihre Niederlassungen im ganzen Land. Der Chinesische Verein Alter Professoren und der Verein Alter Wissenschaftler und Techniker haben jeweils über 650 000 Mitglieder. Frau Luo Huoxiu (102) macht einen Spaziergang, in Begleitung einer Mitarbeiterin (l.) des Altersheims in der Gemeinde Shangzhuang, Provinz Jiangxi. Außerdem soll man dem Aufbau einer harmonischeren Beziehung zwischen verschiedenen Generationen große Aufmerksamkeit schenken, um die Solidarität der Generationen zu verstärken. Es gilt, ein positives und bedeutendes Bild über die alten Menschen zu erschaffen, die überlebte Vorstellung, dass die Senioren eine Last für die Gesellschaft seien, abzuschaffen, und die Beziehung gegenseitiger Hilfe zwischen Eltern und Kindern zu betonen. Die Regierungen verschiedener Ebenen in China verbreiten tatkräftig in unterschiedlicher Weise die gute Tradition der chinesischen Nation, alten Menschen Respekt zu erweisen, sie zu erhalten und zu unterstützen. Regional wurden auch Feste für die alten Menschen oder auch nur einzelne Tage zu ihrer Ehrung festgelegt. Jedes Jahr zum traditionellen chinesischen „Chongyang“-Fest (9. September nach dem chinesischen Mondkalender) oder zum örtlichen Fest zur Ehrung der alten Menschen finden großangelegte Schulungs- bzw. Erziehungsaktionen sowie diesbezügliche Veranstaltungen in den verschiedenen Gebieten statt. Den Senioren Respekt zu zollen ist als wichtiger Inhalt in die Lehrpläne der Grund- und Mittelschulen aufgenommen worden. Es gibt kein Land, wo die Seniorenangelegenheiten nur durch die Regierung gefördert worden sind. Daher muss die Regierung mit Privatinstitutionen und nichtstaatlichen Organisationen enger zusammenarbeiten und die Kraft der ganzen Gesellschaft voll zur Geltung bringen, um die Seniorenangelegenheiten gemeinsam zu entwickeln. Einerseits können kommerzielle Dienstleistungen durch Vermittlungsinstitutionen den Senioren zur Verfügung gestellt werden. Andererseits werden private Organisationen und gemeinnützige Organisationen angespornt, Alterseinrichtungen, die die verschiedenen Bedürfnissen der Senioren befriedigen können, aufzubauen und den alten Menschen Dienstleistungen in den Wohnvierteln wie Hausbesuche anzubieten. Ende 2005 gab es im ganzen Land 39 546 Alterseinrichtungen mit 1,5 Millionen Betten, darunter 29 681 Altersheime mit 895 000 Betten auf dem Land. Durch gute Vorbereitungen kann China auf jeden Fall die Prüfung der Überalterung der Bevölkerung bestehen und das Ziel verwirklichen, dass sich die chinesischen Senioren im Wesentlichen von der Bedrohung der Armut befreien und weiter ein abgesichertes und würdiges Leben führen können. (Du Peng, Professor des Forschungszentrums für Bevölkerung und Entwicklung der Chinesischen Volksuniversität ) |
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