12-11-2007 Beijing Rundschau
Schönes Beijing: Feuerwerk in Frühlingsfestsferien
Von Zeng Wenhui

„Es gehört einfach dazu, dass man gemeinsam mit seinen Freunden und seiner Familie das Feuerwerk am Himmel genießen kann.“

Die deutsche Studentin Ricky von Kanne hat dieses Jahr in China das Frühlingsfest persönlich miterlebt. Das bunte Feuerwerk des Frühlingsfestes hat ihr sehr imponiert. „Es war sehr schön und beeindruckend“, sagte sie. In Deutschland werde nur am 31. Dezember das Feuerwerk gezündet, um das neue Jahr zu begrüßen. In China hingegen brenne man während der 15 Tage vom 1. bis zum 15. Januar nach dem chinesischen Mondkalender jeden Abend das Feuerwerk ab und es dauere oft mehrere Stunden. „Es ist spektakulär und sehr eindrucksvoll“, fügte sie zu.

Ein Kind brannte am Silvesterabend auf der Strasse in Beijing ein Feuerwerk ab.

Das Feuerwerk hat in China nicht nur eine lange Geschichte, sondern ist auch inhaltreich und bedeutungsvoll. Es bleibt eine unentbehrliche Sitte während des Frühlingsfestes, das Feuerwerk abzubrennen. Nach einer Sage wurden nämlich die Vorfahren der Chinesen von einer bösen Bestie bedroht. Die Bestie war Nian, die den mächtigen Kopf eines Löwen, und den starken Körper eines Rindes hatte. Die Nian störte oft das Leben der Bevölkerung, indem sie im kalten Winter aus Mangel an Beutetieren aus tiefen Gebirgen in die Dörfer eindrang und Haustiere und Menschen fraß. Alle Leute waren in Angst und Schrecken versetzt. Man bekämpfte Nian viele Jahre lang vergeblich. Allmählich fanden die Leute die Schwäche von Nian heraus, die Angst vor Feuer und lautem Knallen hatte. Deswegen veranstalteten die Leute ein großes Feuerwerk, als Nian eines nachts vom Berg ins Dorf kam. Nian floh aus Angst ins Gebirge zurück und wagte nie wieder herauszukommen. So blieb diese Sitte, am Frühlingsfest nach dem chinesischen Kalender, ein Feuerwerk zu machen, Generationen hindurch bis heute erhalten. Nun bedeutet „Nian“ auf Chinesisch das „Jahr“ und mit dem Wort „Guonian“ (Jahr zu verbringen) meint man, dass ein neues Jahr Einzug hält.

Allerdings war es in vielen Städten, einschließlich Beijings, von 1993 bis 2005 verboten worden, das Feuerwerk im Stadtgebiet zu zünden.

„Warum? Die Chinesen haben das Feuerwerk erfunden, warum wird es nun verboten?“ fragte Ricky rätselhaft.

Die Gründe können der schlimmen Situation zugeschrieben werden, die damals durch das unkontrollierte Abbrennen des Feuerwerkes verursacht wurde. Zu dieser Zeit waren viele Einwohner verletzt worden, weil sie nicht vorsichtig beim Anzünden des Feuerwerkes waren. Es gab sogar Todesfälle. Dies ergab sich einmal aus der schlechten Qualität des Feuerwerkes und zum anderen aus der zu lockeren und unwissenschaftlichen Verwaltung der Zuständigkeit bei der Produktion und Zirkulation des Feuerwerkes. Viel Feuerwerk wurde auch in der Öffentlichkeit, z. B. auf der Straße, abgebrannt, was zu schweren Verlusten des öffentlichen Reichtums und großer Gefahr für die Fußgänger führte. Und es brachen auch viele Feuerbrände aus, die durch die falsche Benutzung des Feuerwerkes ausgelöst wurden.

Nach dem erlassenen Verbot hörten die Einwohner auf, das Feuerwerk im Stadtgebiet abzubrennen. Es war in Beijing am Frühlingsfest ohne das Knallen des Feuerwerkes ganz ruhig, aber es fehlte der fröhlichen Atmosphäre bei einer Feierlichkeit. Im Jahr 2000 begannen einige Einwohner, entweder Zuhause, im geheimen oder einfach in Vororte zu fahren, um das Feuerwerk abzubrennen, denn sie alle erinnerten sich gut an die großartige Atmosphäre während des Feuerwerkes am Neujahrsfest.

Glücklicherweise hat die Regierung von Beijing vor dem Frühlingsfest 2006 das Verbot des Feuerwerkabbrennens im Stadtgebiet endlich aufgehoben. Die Einwohner können sich jetzt zu bestimmten Zeiten (vom 1. bis 15. Januar nach dem chinesischen Mondkalender) und in eingeschränkten Orten, die außerhalb der Öffentlichkeit sind, nach Herzenslust an dem Feuerwerk erfreuen. Die Aufhebung steht in Einklang mit der Idee des Aufbaus einer harmonischen Gesellschaft und ebenfalls mit dem Geist einer „kulturellen Olympiade“.

Jetzt herrscht in den Ferien des Frühlingsfestes eine aufregende Szenerie. Mit einem herzlichen Feuerwerk heißt man das Jahr des Schweins willkommen. Die Preise des Feuerwerkes sind nicht gleich, deshalb gibt jede Familie unterschiedlich viel Geld für das Feuerwerk aus. Einige Arten großen Feuerwerkes sind sehr teuer, mehrere Hundert Yuan, aber einfaches Feuerwerk ist sehr preiswert und kostet nur 5 bis 10 Yuan, und das können sich alle Einwohner leisten. Vor dem Nianyefan (Essen einer ganzen Familie am Silvesterabend), nach „Shousui“ (der letzten Nacht des Jahres durchwachen) und am Laternenfest (15. Januar nach dem chinesischen Mondkalender) wird viel Feuerwerk veranstaltet. So kann man überall eine heitere Atmosphäre spüren und dabei ist es gar nicht unbedingt notwendig, dass man selbst ein Feuerwerk abbrennt.

Jedoch lässt sich nicht abstreiten, dass mit der Aufhebung des Verbots viele Probleme auf uns zugekommen sind. Erstens brennen viele Einwohner schlagkräftiges Feuerwerk auf der Straße ab und lassen die Bestimmungen und Regelungen der Regierung einfach außer Acht. Dies bedeutet für die Passanten eine riesige Gefahr und für das öffentliche Reichtum eine erhebliche Bedrohung. Außerdem sind viele Leute mit dem Abbrennen zu unvorsichtig, so dass sie sich unter falscher Benutzung des Feuerwerkes verletzt haben. Zum Letzten kann man die Umweltprobleme auch nicht ignorieren, z. B. der Lärm, die Luftverschmutzung und der Müll, den die Reinigungskräfte dann unter großen Anstrengungen entsorgen müssen. Eine Statistik zeigt, dass während des Frühlingsfestes in Beijing mehr als 250 Feuerbrände ausgebrochen sind. Alleine 715 Menschen haben sich wegen Verletzungen behandeln lassen. Sechs Menschen wurden schwer verletzt und ein Mann ist seinen Verletzungen erlegen und gestorben.

„In Beijing ist mir aufgefallen, dass viele, besonders Jugendliche, Bodenfeuerwerk einfach auf die Straße stellen, um es dort ,hochgehen’ zu lassen, obwohl die Straße nicht gesperrt worden ist und viele Autos unterwegs sind. Auch gibt es viele, die ihre Böller einfach auf den Fußgang schmeißen, ungeachtet der Tatsache, dass viele Passanten unterwegs sind. Ich denke, dass das ein Punkt ist, über den sich die Verantwortlichen Gedanken machen müssen“, so Ricky.

Sollen wir im Hinblick auf der Gefahr das Feuerwerk wieder verbieten?

„Das Feuerwerk am Neujahrsabend bzw. dem westlichen Silvester ist eine sehr schöne Tradition, mit der jeder diese Feste verbindet. Es gehört einfach dazu, dass man gemeinsam mit seinen Freunden und seiner Familie das Feuerwerk am Himmel genießen kann“, sagte Ricky.

„Es ist das spannendste und wichtigste, was alle am Frühlingsfest gern machen. Was soll man sonst tun, außer das Feuerwerk abzubrennen?“ sagte ein Beijinger. „Übrigens tut man Dinge lieber, wenn sie verboten sind.“

Daraus kann man schließen, dass es der Wille des Volkes ist, die Volksbräuche zu respektieren bzw. das Abbrennen des Feuerwerkes zu erlauben. Viele andere Städte haben danach auch das Verbot aufgehoben, was bei den Einwohnern großen Anklang gefunden hat. Um die Sicherheit zu garantieren und Verluste zu verringern, legt die Regierung viel Wert auf eine strenge Überwachung. Einerseits wird die Produktion und der Verkauf des Feuerwerkes unter strikte Kontrolle gebracht. Das Material und die Technik, die der Umwelt und Gesundheit der Menschen nicht schaden, werden in der Produktion bevorzugt. Gegen illegale Verkaufstätten des Feuerwerkes wird entschlossen vorgegangen. Andererseits schenkt die Regierung große Aufmerksamkeit auf die Propaganda bei den Einwohnern. Die zuständige Abteilung gibt Warnungen im Fernsehen und sendet den Einwohnern SMS, wodurch die Bevölkerung erinnert werden soll, vorsichtig mit dem Abbrennen zu sein, und die Bestimmungen und Regelungen der Regierung zu befolgen.

„Es hat etwas romantisches und ist ein schöner Brauch, um das neue Jahr einzuleiten. Feuerwerkskörper zu verbieten ist in meinen Augen nicht notwendig, aber es sollten verstärkt Kontrollen durchgeführt werden, damit solch gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen können“, sagte Ricky.

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