14-11-2007 Beijing Rundschau
Bewahrung einer Tradition
Von Jing Xiaolei

Meisterin des Scherenschnitts

 In ihrem Dorf wird Gao als Meisterin des Scherenschnitts gefeiert. Sie wird zu lokalen Festivitäten eingeladen, um Proben ihres Könnens zu geben. Die Werke, die unter ihrer Schere entstehen, sind voller Vitalität. Gao achtet die Tradition, lehnt es aber ab, sich durch Stereotypen einschränken zu lassen. Ihre Entwürfe lehnen sich an alte Vorbilder an, zeigen aber zugleich zeitgenössische Individualität.

Gao ist in den Augen vieler Leute die geborene Künstlerin. Sie ist nie zur Schule gegangen. Sie ist eine typische Frau vom Lande, die jeden Tag häusliche Arbeiten verrichtet. Scherenschnitte zu machen ist für sie eine kleine Erholung vom Alltagstrott.

 In der Öffentlichkeit erschienen Gaos Werke zum ersten Mal Mitte der 80er Jahren auf einer Scherenschnittaustellung. Aber erst seit kurzem ist sie landesweit bekannt. Im Jahr 1995 hat Gao mit über 80 Scherenschnittkünstlern an einem lokalen Wettbewerb teilgenommen. Sie hat den 1. Preis für ihren Beitrag „The Fairy Lady" gewonnen. Im Februar wurde sie mit einem Sonderpreis auf einem Wettbewerb in der ostchine-sischen Provinz Zhejiang ausgezeichnet. Zwei Monate später wurde Gao eine weitere Würde verliehen, die ihr internationale Beachtung eingetragen hat. Die UNESCO verlieh ihr die Auszeichnung „Meister des Kunsthandwerks und der Volkskunst".

  

Vom Künstler zum Bewahrer

 Was noch ungewöhnlicher ist: diese Volkskünstlerin investierte im Jahr 2005 aus eigener Tasche 300 000 Yuan, um unter ihrem Namen die erste private Kunstgalerie in ihrem Heimatdorf einzurichten. „Ich mache Scherenschnitte und stelle Arbeiter an, um Scherenschnitte in die Wände zu gravieren. Das erfordert viel Zeit. Ich werde meine Schere erst niederlegen, wenn ich zu schwach dazu bin, sie noch länger in Händen zu halten."

Um ihre Begabung weiterzugeben, hat Gao ihre Tochter Liu und zwei Enkeltöchter dazu angehalten, dieses volkstümliche Kunsthandwerk zu erlernen. Liu hat sich mit ihren Arbeiten schon einen Namen gemacht. Sie werden bereits von vielen Museen und Kunstgalerien gesammelt.

„Lius Werke sind ein bisschen anders als die ihrer Mutter, denn Liu hat mehrere moderne Lebenselemente in ihre Werken eingebaut," sagt Feng Shanyun, ein für kulturelle Belange zuständiger Kader im Yanchuan Landkreis.

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