14-11-2007 Beijing Rundschau
Bewahrung einer Tradition
Von Jing Xiaolei

 

Traditionspflege

Im Yanchuan Landkreis mit einer Bevölkerung von unter 200 000 Menschen gibt es mehr als 10 000 Leute, die Scherenschnitte machen können. Das ist eine überraschende Zahl, aber Fachleute lassen sich dadurch nicht verblüffen.

 „Scherenschnitt als Volkskunst ist eng mit der Lebensweise der Bauern verbunden. Diese Kunst ist zerbrechlicher als andere Kunstformen, die weniger abhängig von ihrem gesellschaftlichen Nährboden sind. Volkskunst ist zwar populär, neigt aber dazu, in Vergessenheit zu geraten.", sagt Jin Zhilin. „Noch schwerer als das materielle Kulturerbe ist das immaterielle Kulturerbe zu retten.", fügt er hinzu.

„Die immaterielle Kultur liegt uns im Blute. Vor allem durch sie unterscheiden wir uns von anderen Völkern. Wir dürfen diesen Schatz trotz des Aufbaus einer modernen Gesellschaft nicht zerstören.", sagt Tian Qing, Direktor des Forschungs- zentrum für immaterielles Kulturerbe mit Sitz in Beijing.

Aber es stimmt optimistisch, dass sich nicht nur die Künstler selbst, sondern viele Experten, Kulturbeamte und sogar ein immer größeres Publikum für Volkskunst interessieren und sich darum bemühen, diesen Reichtum an Traditionen zu bewahren.

Gleichzeitig schenkt der Staat sterbenden Traditionen mehr Aufmerksamkeit: im Jahr 2006 hat die Regierung eine Liste von 518 Einträgen des immateriellen Kulturerbes und 1080 neu benannte wichtige kulturelle Relikte unter staatlichen Schutz gestellt.

„Die Zahl der neu benannten Relikte entspricht der Gesamtzahl aller seit 1961 benannten Kulturgüter", sagt Shan Jixiang, Leiter des Staatlichen Büros für Denkmalschutz.

Verschiedene Maßnahmen sollen ergriffen werden, um das immaterielle Erbe dauerhaft zu bewahren. Etliche Forscher auf dem Gebiet des Kulturerbes haben vorgeschlagen, die Lebensfähigkeit einer Tradition dadurch zu erhalten, dass günstige Bedingungen für die Überlieferung der Volkskunst von Generation zu Generation geschaffen werden.

China hat über 30 Bestimmungen aufgrund des Gesetzes zum Schutz kultureller Relikte erlassen. Ein Gesetzentwurf zum Schutz immateriellen Kulturgutes wird auch auf die Tagesordnung des Volkskongresses gesetzt werden.

„China ist an vier internationalen Konventionen zum Schutz des Kulturerbes beteiligt. Investitionen in diesem Bereich sind merklich angestiegen", sagt Sun Jiazheng, Chinas Kulturminister.

Nach Feng sind Fördermittel und politische Rahmenbedingungen für das Überleben der Volkskunst und die Einbeziehung der Jugend dringend erforderlich. Um Jugendliche für die Volkskunst zu begeistern, soll die Regierung Volkskünstler anstellen, die Unterricht erteilen. Die Volkskünste sollten in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden. „Am wichtigsten aber ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, die ein dauerhaftes Überleben der Volkskunst garantiert", fügt er hinzu.

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