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27-12-2007 Beijing Rundschau
Freeter: Free Arbeiter
von Zeng Wenhui
![]() Im Jahr 2002 kommt der Begriff „Freeter" auf: er setzt sich zusammen aus dem englischen Wort „Free" und dem deutschen Wort „Arbeiter". Der „Freeter" steht für einen neuen Trend in Leben und Beruf. „Freeter" sind vor allem Jugendliche, die nach ihrem Studienabschluss keine feste Anstellung finden, sondern für einige Monate jobben und danach eine Ruhepause einlegen. Erst wenn ihre Ersparnisse aufgezehrt sind, suchen sie nach einer neuen Arbeit. „Freeter" lehnen eine langfristige Bindung an ihre Arbeitgeber ab und streben nach Selbstverwirklichung anstatt nach Alltagsroutine. In einigen Fällen sind sie wirtschaftlich noch von ihrer Familie abhängig. Sie haben einen ausgeprägt eigenen Charakter und die Sehnsucht nach einem freien Leben. Ein Student namens Xie Zhenglong an der Hochschule für internationale Beziehungen meint: „Im Westen gibt es seit langem Freeter. Wie viel sie verdienen, ist ihnen nicht so wichtig. Sie wechseln die Städte und die Arbeitsplätze häufig, weil sie neue Erfahrungen sammeln möchten. Für Chinesen ist so etwas zunächst einmal sehr ungewohnt, denn wir leben unter dem ständigen Druck erfolgreich sein zu müssen, in die Oberschicht aufzusteigen und ein Vermögen anzuhäufen. Zugleich aber herrscht bei vielen Zukunftsangst und die Sorge, den erreichten Lebensstandard halten zu können. Deshalb sparen die meisten Leute an allen Ecken und Ende, damit sie morgen nicht mittellos dastehen." Liu Jianhong ist in Nanjing bei einer ausländischen Firma angestellt. Auch er versteht sich als „Freeter", glaubt aber an eine Entwicklung: wechselt man dauernd die Arbeitsstelle müsse man immer wieder von neuem anfangen. Es sei auf Dauer sehr frustrierend, wenn man immer untergeordnete Arbeiten ausführen müsse. Deshalb sei es sehr vernünftig, jeweils nur kurzzeitig als „Freeter" zu arbeiten und die Zeit zwischen verschiedenen Arbeitsverhältnissen zur beruflichen Fortbildung zu nutzen. Sich also zum Beispiel auf einen englischen Sprachtest vorzubereiten, oder sich im Rechnungswesen zu qualifizieren und ein Zertifikat als CPA (Certified Public Accountant) zu erwerben. So lasse sich später eine bessere Arbeitsstelle finden. Wahrscheinlich ist für viele junge Leute ihr Status als Freeter nur der Beginn einer Karriere, eine Durchgangsphase, in der sich alternative Lebensmodelle erproben lassen, für die die chinesische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit noch nicht reif ist. Die langfristige Lebensplanung der Eltern, ihre Investition in Wohneigentum und in die Ausbildung ihrer Kinder haben das Aufkommen der Freeter begünstigt. Die Tatsache, dass die Elterngeneration sparsam und mit Blick auf die Zukunft ihrer Kinder gelebt hat, erlaubt es heute vielen Jugendlichen als Freeter zu leben. Viele Freeter sind aber durchaus in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen. Sie arbeiten einige Monate sehr hart und gönnen sich dann eine Ruhepause. Manche finden ihr Auskommen durch innovative Ideen im E-Kommerz oder in der IT-Branche. „Man braucht viel Mut dazu, um in China als Freeter zu leben. Denn der Druck der Familie ist furchtbar. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nur etwa fünf Prozent aller Menschen in der Welt in materieller Unabhängigkeit leben. Die Mehrheit soll und muss also eine einträgliche Beschäftigung finden, eine Arbeit, die ein Gefühl der Sicherheit verleiht. Und das ist in der Regel eine Festanstellung", kommentiert ein Mann mittleren Alters die Situation. |
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