24-04-2008 Beijing Rundschau
Vegetarismus in China
von Tang Yuankai

 

Bei Teilen der jungen städtischen Bevölkerung Chinas ist Vegetarismus mittlerweile zum Zeichen eines neuen Lebensstils geworden. Angesagt sind Bewusstseinswandel und eine veränderte Einstellung zur Umwelt.

Vegetarismus in China

 

Früher wurde Vegetarismus als Lebenshaltung buddhistischer Mönche und Nonne gesehen. Heute liegt er jedoch auch außerhalb der Klöster im Trend. In China sind in den letzten Jahren immer mehr vegetarische Restaurants eröffnet worden.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts AC Nielsen zufolge kommen die Vegetarier in China heute nicht mehr in erster Linie aus den Reihen der Senioren, die fest an Buddha glauben. Unter den heutigen Vegetariern mangelt es nicht an Jugendlichen. In der jungen Generation wird man nicht zum Vegetarier, um sich von anderen abzuheben, sondern aus innerer Überzeugung und als Ausdruck eines neuen Lebensstils. Es gibt viele Gründe, ein Vegetarier zu werden. Man möchte gesund leben, das Leben respektieren und die Natur achten. Natürlich spielen dabei religiöse Überzeugungen auch weiterhin eine wichtige Rolle. Mit einem Wort: Vegetarismus betrifft nicht nur Speis und Trank, sondern auch die Einstellung zu sich selbst, den Mitmenschen, der Kreatur und dem gesamten Ökosystem.

„Erst nachdem ich Vegetarierin geworden war, lernte ich Gu Yue kennen, meinen jetzigen Ehemann. Damals fand ich immer, dass ich mich in einen Mörder verliebt hätte“, sagt Ning Er lachend, Angestellte einer ausländischen Firma. Gu Yue stammt aus der Provinz Guangdong. Die Einheimischen sind berüchtigt dafür, dass sie bedenkenlos alle möglichen Fleischsorten ausprobieren. Man sagt den Kantonesen nach, dass sie außer Flugzeugen alles essen, was fliegen kann, und alles, was sich über Land bewegt, wenn es sich dabei nicht gerade um einen Hochgeschwindigkeitszug handelt. Dieser Unterschied in den Eßgewohnheiten stellte ihre Liebe auf eine harte Probe. „Ich fand schon, dass er ein guter Kerl ist. Aber beim Gedanken, in Zukunft bei jeder Mahlzeit mit einem gefühllosen Burschen zanken zu müssen, kamen mir erhebliche Bedenken. Ich wollte ihn eigentlich verlassen.“, sagt Ning Er.

Gu Yue fand heraus, dass Ning Er in alten Tagen eigentlich sehr gerne Hammelfleisch Feuertopf gegessen hatte. „Wenn eine Person eine so große Willensstärke zeigt, dass es ihr gelingt, ihre Eßgewohnheiten zu ändern, dann ist dies schon ein Zeichen für eine ernsthafte Lebenseinstellung“, meint Gu. Um die Liebe von Ning Er zu erringen, hat er nach und nach seinen Fleischkonsum eingeschränkt! Endgültig abgewöhnt hat er sich den Verzehr von Fleisch allerdings erst dank eines vegetarischen Restaurants namens „Zao Zi Shu (Jujubebaum)“.

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