13-09-2008 Beijing Rundschau
Huiyuan Group: Neues Familienmitglied bei Coca Cola ?
von Zeng Wenhui

 Zhu Xinli, der Chef von Huiyuan Juice

Von Liu Yulan, der Generalsekretärin des Verbandes der Shanghaier Getränkeindustrie ist hingegen zu erfahren, dass sich Huiyuan - anders als Robust - nach der Übernahme nicht vom Markt zurückziehen werde, „denn Huiyuan hat in China eine größere Bedeutung als Robust".

So erklärt in einem Interview Mei Xinyu, stellvertretender Direktor der Akademie für Internationalen Handel und Wirtschaftliche Zusammenarbeit beim Handelsministeriums, dass ein multinationales Unternehmen beim Eintritt in einen ausländischen Markt durch Übernahme des lokalen Betriebes einerseits sofort Zugriff auf die vorhanden Produktionskapazitäten und die Verkaufskanäle bekommt, anderseits könnte es durch diesen Schritt auch einen Konkurrenten beseitigen. Dabei spielt es keine Rolle, was der internationale Konzern zuvor versprochen hat: eine Einstellung des Betriebs ist immer drin. Denn nach dem Gesetz ist der Konzern nicht dazu verpflichtet, die Marke zu erhalten.

Der Wissenschaftler Li Su, ein bekannter Verwaltungsexperte und Gastdozent beim Forschungszentrum für soziale Entwicklung bei der Akademie für Sozialwissenschaften, macht deutlich, dass die Übernahme die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt habe und die wirtschaftliche Sicherheit des Staates bedrohe. „Als die Amerikaner die französischen Unternehmen Carrefour und Danone zu übernehmen planten, sind alle Franzosen, von normalem Bürger bis zum Präsidenten empört gewesen. So scheiterten die Übernahmen letztlich. Denn nationale Marken sind ein Bestandteil der Ressourcen eines Landes", sagt Li Su. Deshalb sei die Übernahme einer traditionellen bzw. einer sehr berühmten Marke eines Landes eine Frage der wirtschaftlichen Sicherheit des Staates. Deshalb wird der Verkauf von Huiyuan von der Mehrheit der Chinesen nicht akzeptiert. Wenn ein ausländisches Unternehmen einen Industriezweig eines Landes völlig unter seine Kontrolle gebracht habe, hätten Land und Volk hinsichtlich Preis und Qualität keinerlei Mitspracherecht mehr.

Allerdings ist Wang Zhile, Direktor des Forschungszentrums für Multinationale Unternehmen beim Handelsministeriums, der Auffassung, dass diese Übernahme nur ein Unternehmen, nicht aber die Nation betrifft. Huiyuan sei im Ausland registriert und in Hongkong an der Börse notiert. Zwar sei Huiyuan in China groß geworden, aber schon sehr früh von ausländischen Investoren kontrolliert gewesen. Jetzt habe lediglich ein anderes ausländisches Unternehmen Huiyuan in der Hand, so Wang Zhi Le weiter.

Wang fügt hinzu, dass Saft nur einer unter einer ganzen Reihe von Zutaten für ein Getränk sei, und obendrein relativ leicht zu ersetzen. Das Anti-Monopol-Gesetz reguliere ausschließlich die Einhaltung der Marktordnung und habe nichts mit der Wirtschaftsicherheit eines Staates zu tun.

Mei Xinyu hat eine ähnliche Meinung wie Wang Zhile. Die Regierung verfüge nur über begrenzte Einflussmöglichkeiten. Die Getränkeindustrie gelte nicht unbedingt als strategisch wichtig. Der Staat soll seine begrenzte Kraft nicht in unwichtigen Bereichen einsetzen. „Wird der Verkauf von 'zwei Flaschen' mehr oder weniger wirklich die wirtschaftliche Sicherheit von China, einem so großen Land mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden, bedrohen können?", fragt Mei.

Auch Zhu Xinli selbst ist mit dem Vorwurf der Kritiker nicht einverstanden: „Man soll die Übernahme nur als eine Geschäftsentscheidung sehen und nicht gleich den Untergang der Nation beschwören."

Nach Angaben von Yao Shenhong, Sprecher des Handelsministerium, wird jetzt geprüft, ob mit der Übernahme nicht ein Verstoß gegen das erst seit 1. August geltende Anti-Monopol-Gesetz vorliegt. Yao hob hervor, dass gegen eine normale Übernahme nichts einzuwenden sei, diese sei Teil einer funktionierenden Marktwirtschaft.

Das Gesetz sieht vor, dass die Übernahme schon im Vorfeld der Anti-Monopol-Kommission des Handelsministeriums angekündigt werden muss, wenn der Übernahmekandidat global einen Jahresumsatz von 9 Mrd. Yuan und einen Inlandsumsatz von 1,7 Mrd. Yuan erwirtschaftet. Ebenfalls gemeldet werden muss eine Übernahme, wenn das jeweilige Unternehmen in China in seiner Branche einen Marktanteil von 25 Prozent oder mehr hält.

Nach Li Su verfügt Huiyuan über einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent bei naturreinen Säfte, nach der Übernahme beträgt der Marktanteil von Huiyuan und Coca Cola zusammen mindestens 50 Prozent. „In dieser Übernahme sehe ich eindeutig die Bildung eines Monopols", so Li Su weiter.

In den nächsten Tagen wird entschieden, ob Coca Cola die Übernahme bestätigt bekommt.

 

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