07-01-2009 Beijing Rundschau Ein neuer Anfang für die chinesische Milchindustrie
Im Jahr 2008 geriet die gesamte Milchindustrie Chinas wegen des Melaminskandals in eine schwere Krise. Mit der verstärkten staatlichen Überwachung der Milchproduktion und aufgrund eigener Bemühungen der Milchunternehmen hat sich die Lage allerdings etwas beruhigt. Nach dem Skandal suchten manche Unternehmen einen Neuanfang, manch andere sind ganz von der Bildfläche verschwunden. Die alte Strategie der Milchwirtschaft scheint hinfällig zu sein, mittlerweile zeichnet sich deutlich die Struktur ab, die an ihre Stelle treten wird.
![]() Zur allgemeinen Tendenz der Makrowirtschaft sagt der stellvertretende Direktor des Instituts für betriebswirtschaftliche Forschung im Forschungszentrum für Entwicklung des Staatsrats, Zhang Wenkui, dass ein direkter Einfluss der Finanzkrise auf den Lebensmitteleinzelhandel noch nicht offensichtlich sei, nach jüngsten Statistiken aber das Einzelhandelsvolumen bei Gütern des täglichen Bedarfs zurückginge. Die Hersteller von Lebensmitteln einschließlich Milchprodukten sollten diese Tendenz keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Konkurrenz um Rohmilch In einem Interview macht Zhang Jianqiu, Generaldirektor der Yili-Gruppe deutlich, dass sein Unternehmen derzeit größten Wert auf die Sicherung der Rohmilchquelle legt. Auf dem Markt für Milchprodukte lässt sich feststellen, dass nicht nur Yili, sondern auch andere wichtige Produzenten wie Bright und Mengniu in ihrer Werbung vor allem ihren Zugriff auf „Rohmilch höchster Qualität“ hervorkehren. Qualität und Sicherheit des Ausgangsproduktes zu garantieren, wird heute von den Unternehmen allgemein als vorrangig anerkannt. Nach Darstellung der Medien wurde der Melaminskandal durch kontaminierte Rohmilch verursacht. Die Unternehmen haben die Quellen ihres Rohstoffes nicht vollkommen unter Kontrolle, auch wird der Weg der Milch vom Erzeuger zum Verarbeiter nicht lückenlos kontrolliert und überwacht. Dies hat zur Folge, dass die Qualität der Milch nicht sichergestellt ist und die Unternehmen der Milchindustrie keine soliden Kooperationsvereinbarungen mit den Milchbauern und Molkereien eingehen. Qualität und Quantität der Milchlieferungen können dadurch sehr leicht manipuliert werden. „Wir haben mehrere Jahre umfangreiche Investitionen getätigt, um Standorte für Milchsammelstellen zu errichten. Aber die Konkurrenz hat in unmittelbarer Nachbarschaft eigene Ankaufstellen eingerichtet und den Bauern für ihre Milch einen besseren Ankaufspreis geboten“, sagt Zhang Jianqiu. In den vergangenen Jahren war diese Praxis allgemein üblichen. Durch das aggressive Geschäftsgebaren wurden Quantität und Qualität der verfügbaren Milch stark beeinträchtigt. Aufgrund der großen Nachfrage nach Rohmilch verfielen skrupellose Geschäftemacher auf die Idee, minderwertiger, mit Wasser gestreckter Milch Melamin beizufügen. Hohem Konkurrenzdruck ausgesetzt, hat Sanlu die Qualität der angelieferten Milch nicht streng genug kontrolliert. Weiter erklärt Zhang Wenkui, dass die Milchindustrie zwar viel produziere, aber am Ende der Wertschöpfungskette liege. Da die Unternehmen ihre Produkte zu immer niedrigeren Preisen an den Verbraucher bringen wollten, übten sie schließlich einen erheblichen Preisdruck auf die Milchproduzenten aus. Das führte zur Verschlechterung der Milchqualität. In diesem Umfeld kam es zum Melaminskandal. Es sei mehr als kurzsichtig, die Kontrolle der Rohmilchqualität leicht zu nehmen. „Das kann nun die ganze Branche zerstören“, sagt Zhang Wenkui. Viel stärker als zuvor wird derzeit Wert auf eine sichere Herkunftsquelle der Milch gelegt. Eine ganze Reihe alternativer Modelle beim Aufbau eines Zulieferersystems wird derzeit erprobt: darunter auch die Bewirtschaftung von eigenen Viehweiden oder Maßnahmen der Kooperation in der Viehwirtschaft. Kernpunkt aller Bemühungen um Verbesserungen ist eine lückenlose Qualitätskontrolle des Produkts von der Weide bis zum Verbraucher. „Wenn eine Firma ihre Produktionskapazitäten erweitert, muss sie auch in den Ausbau ihres Zuliefersystems investieren“, so Zhang Jianqiu weiter.
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