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11-10-2007
Beijing Rundschau Was zählt, ist die Realität
Von Zan Jifang
Die Geschichte einer starken chinesischen Frau rührt die Herzen bei der Berlinale 2007
Gerade recht zum Chinesischen Frühlingsfest kam die Erfolgsnachricht aus Deutschland. Der chinesische Beitrag „Tuyas Ehe", von Regisseur Wang Quan’an, wurde bei den 57. Internationalen Filmfestspielen Berlin mit den Goldenen Bären, dem höchsten Preis des Festivals, ausgezeichnet. Die Preisvergabe fand am 17. Februar statt, den Neujahrsabend des chinesischen Mondjahres. Als Wang die goldene Bären-Statue, die von Jury Präsidenten Paul Schrader überreicht wurde, bekam, war er sichtlich gerührt. Er sagte, er könne sich kein schöneres Neujahrsgeschenk wünschen. „Als ich begann, Filme zu machen, erklärte mir mein Lehrer, dass Filme die Träume der Menschen ausdrücken sollen. Und nun verdanke ich diesem Film, dass mein Traum in Erfüllung geht." Seit dem Film Die Frauen vom See der duftenden Seelen von Regisseur Xie Fei 1993 ist dies der erste chinesische Film, der diese Auszeichnung erhält. Es ist zudem auch der zweite Preis innerhalb von sechs Monaten, den ein chinesischer Film bei einem der renommiertesten europäischen Filmfestivals gewonnen hat, nachdem Jia Zhangkes Still Life im vergangenen September in Venedig den Goldenen Löwen erhielt. Tuyas Ehe erzählt von dem Schicksal der mongolischen Viehhirtin Tuya, deren Mann nach einem Unfall behindert wird. Gemeinsam entscheiden die Eheleute, dass Tuya einen neuen Gatten suchen soll, der ihr bei der schweren Arbeit zur Seite steht. Bedingung für die Ehe ist allerdings, dass der Gatte bereit ist, sich nicht nur um ihre zwei Kinder, sondern auch um Batar, Tuyas mittlerweile geschiedenem Mann, zu kümmern. Dies ist der vierte Film von Regisseur Wang Quan’an. Abgesehen von der Hauptdarstellerin Yu Nan sind alle Mitwirkenden Laiendarsteller. Und auch Deutschland hat einen Beitrag zu Tuyas Ehe geleistet: Kameramann ist der Berliner Lutz Reitemeier, der, gemeinsam mit seinem deutschen Oberbeleuchter, schon zum zweiten Mal mit Wang zusammengearbeitet hat. Die Geschichte beschreibt das Leben der Hirten in der Inneren Mongolei Nordchinas und große Einflüsse der rapiden wirtschaftlichen Entwicklung auf die Lebensumstände der lokalen Bevölkerung. Bei der Pressekonferenz nach der Preisverleihung bekräftigte Wang, wie wichtig es ist, sich bewusst zu sein, was im Zuge der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung an Kultur und Gewohnheiten verloren geht. „Und wenn es erst einmal verloren ist, so ist es unwiederbringlich", so Wang. Die Geschichte ist zwar in der Inneren Mongolei angesiedelt, aber laut Regisseur Wang macht ganz China ähnliche Entwicklungen durch. „Vielleicht ist das der letzte flüchtige Blick auf die Hirten der Inneren Mongolei", meint er. „Letzten Endes werden alle in die Städte abwandern.”
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