12-11-2007 Beijing Rundschau
Chinesischer Filmherbst 2006
von Isabella Wolte

War das ein Kino-Herbst in China! Drei Riesenproduktionen mit Riesenbudgets, mit viel Spekulationen, Spannung und auch Argwohn erwartet, kamen ins Kino.

Gong Li (in der Mitte), die Hauptdarstellerin des Films "Curse of the Golden Flower"

Eingeleitet wurde die Folge großer Filme mit Feng Xiaogangs “The Banquet” «», ein farbprächtiges Werk, Shakespeares “Hamlet” nachempfunden. Feng Xiaogang ist mit seinen Komödien wie “Big Shot’s Funeral”«»,”Cell Phone”«»,”A World Without Thieves” «»zu dem in den chinesischen Kinos beliebtesten Regisseur geworden, in seinem Werk stellt “The Banquet” eine Wandlung dar. Denn diesmal wagt auch er sich an filmisch meisterhafte Kampfszenen, die - nach Ang Lees großem Erfolg “Crouching Tiger, Hidden Dragon” - von Zhang Yimou zu einer Art Weltmarke hochstilisiert wurden. Und siehe da, auch Feng gelingt es, mit Unterstützung des hervorragenden Kameramanns Zhang Li, in “The Banquet” mit einem gezielten Pfeilschuss einen Bambus in der Mitte aufzuspalten (eine der berühmtesten Szenen in Zhang Yimous “Hero” «»). Auch er kann die Farben der Gewänder aufeinander abstimmen, um das Auge zu verwöhnen, auch er lässt die von Zhang Yimou entdeckte, mittlerweile zu den international bekanntesten chinesischen Schauspielerinnen zählende Zhang Ziyi halb-kämpfen, halb-tanzen. Und auch Feng bedient sich der Musik Tan Duns (Komponist für “Crouching Tiger, Hidden Dragon” und “Hero”), diesmal ergänzt mit Langlangs Klavierspiel.

Ja, Feng Xiaogang kann auch die anerkannten Meister zu neuen Hochleistungen führen, da besteht kein Zweifel. Und er hat einen großen Vorteil: da er auch die Geschichte kopiert hat - eines der größten Dramen aller Zeiten! - gibt es in seinem Film, im Gegensatz zu Zhang Yimous, noch immer einen gewissen Inhalt, eine Spannung, die aus der Entwicklung der Figuren kommt (und nicht aus der Wahl der nächsten Farbe). Durch den Einsatz von Masken und verlangsamten Bildern erhält die Gesamtgestaltung eine poetische Kraft, etwas Fabelhaftes und Unwirkliches. Leider aber wird so ein Werk kaum an jenes des Meisters Shakespeare herankommen - darf man wahrscheinlich auch nicht erwarten -, denn es fehlt der Ausdruck in der Sprache. Wo Shakespeare nicht enden könnend übersprudelt an Geist, Witz, Tiefe und Weisheit, da bleiben die chinesischen Filme knapp und leer.

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