12-11-2007 Beijing Rundschau
Chinesischer Filmherbst 2006
von Isabella Wolte

Das Bühnenphoto des Films "A World Without Thieves"

 

Noch deutlicher wird das in der mit einer Großoffensive angekündigten Neuproduktion Zhang Yimous “Curse of the Golden Flower” «». Im bekannten Stil umwerfende Farben, diesmal allerdings grell, an der Grenze des Erträglichen. Vielleicht wird der Jugend die an Plastikgefäße erinnernde Gestaltung der Palastgänge gefallen, oder die vielen Szenen unzähliger Krieger, die den Platz vor dem Kaiserpalast bis zur letzten Ecke füllen. Am auffallendsten sind die Kampfszenen der schwarzen Schergen des Kaisers, die Haken auf langen Seilen werfen, um sich abzuseilen, die Gegner einzufangen und aufzustechen, sich selbst in großen Bögen zu schützen. Die Kampfszenen haben dadurch einen neuen Schwung erhalten.

Getragen wird der Film von der schauspielerischen Leistung Gong Lis. Sonst leidet Zhang Yimous neuestes Werk darunter, dass die großen Stars seiner vergangenen Filme bereits an Feng Xiaogang vergeben waren, und dass, abgesehen von der ungeheuren Anzahl der Komparsen, vieles schon mal da war. Vor allem die Musik wirkt sakral-unpassend. Dafür hat dieser Film, im Gegensatz zu den letzten Kampffilmen Zhang Yimous, wenigstens einen Inhalt, die Geschichte ist an das berühmte chinesische Theaterstück “Thunderstorm” von Cao Yu angelehnt und dementsprechend nicht vollkommen leer. Allerdings kann - hier sind wir wieder bei Drehbuch und Dialog - das allzu glänzende Augenfest nicht über die Schwäche und Oberflächlichkeit der inhaltlichen Entwicklung hinwegtäuschen.

Es gab noch einen großen Film im Dezember, der beachtet werden sollte, eine patriotische Liebesgeschichte, die eine Neugestaltung der staatlichen Propagandafilme kennzeichnet: auch diese Art von Filmen sollen und können berührend sein und dem Volk gefallen.

Regisseur Yin Li erhielt für seinen letzten Film “Zhang Si De” «» beim 100 Blumen Festival 2006 die Preise für besten Film, beste Regie und besten männlichen Hauptdarsteller.In dem neuen Werk “ The Knot” «» versucht er zunächst mit vor allem bei jungen Zusehern beliebten Schauspielern die Leute ins Kino zu locken.

Ausgangspunkt zu dem Star-besetzen Film sind die Schicksale jener, die nach dem “Zwischenfall von 28. Februar” im Jahr 1947 von Taiwan auf das Festland China geflüchtet waren und danach nie mehr mit ihren Familien und Lieben vereint sein konnten. Vor diesem politischen Hintergrund entfaltet sich die Liebesgeschichte zweier Menschen, die ein Leben lang dem Traum ihrer Liebe nachhängen - und sich dem Schicksal ergeben müssen.

Hauptdarsteller Chen Kun ist im Westen vor allem durch seine Rolle in “Balzac und die Kleine Schneiderin” (2002) bekannt geworden. In China ist er nicht nur in Filmen wie “Baober in Love” (2004) und “The Music Box” (2006) zu sehen, sondern auch ein beliebter Popsänger.

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