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13-11-2007 Beijing Rundschau
Die bühnenreife Geschichte des Theaters
Von Tang Yuankai
Einst ein Mittel zur Gesellschaftsveränderung, dann eine verfolgte Kunstform, ist das moderne Theater Chinas heute durch die Gesetze des Marktes bedroht.
Berühmt: Das Meisterwerk von Lao She aus dem Jahr 1957. Der Dreiakter Teehaus spielt in einem typischen Beijinger Teehaus und schildert das Leben des Inhabers und seiner Gäste durch drei Phasen der modernen chinesischen Geschichte. Eine Gruppe von Studenten kommt nicht so recht voran mit der Inszenierung eines Dramas über chinesische Schauspieler vor hundert Jahren. Sie probieren nacheinander die Vorschläge von drei verschiedenen Regisseuren aus, scheitern aber letztlich an der Frage nach dem Wesen der theatralischen Kunst. Das ist der Inhalt von Xunzhao Chunliushe (Die Suche nach der Theatergruppe Frühlingsweide), einem Stück, das unlängst anlässlich des 100. Geburtstags des modernen chinesischen Theaters aufgeführt wurde. Der Theaterwissenschaftler Wang Weiguo meint: „Das moderne chinesische Theater stammt zwar aus dem Westen, hat sich aber zu einer Kunstform mit deutlich chinesischer Prägung entwickelt.“
Der Regisseur der „Suche nach der Theatergruppe Frühlingsweide“, Ren Ming, sagt: „Wir führen dieses Stück heute auf, um den Begründern des modernen chinesischen Theaters unsere Referenz zu erweisen und über die Zukunftsperspektiven unserer Kunst nachzudenken.“ Das Ende hat er abgeändert: die Studenten scheitern nicht an ihrer selbstgestellten Aufgabe, sondern setzen ihre Suche nach einer Antwort fort.
Frühe Formen Die Theatergruppe Frühlingsweide, die 1906 von chinesischen Auslandsstudenten in Japan gegründet wurde, gilt als die Wiege des modernen chinesischen Theaters. Unter ihren Mitgliedern befand sich Li Shutong, einer der Pioniere der chinesischen Gegenwartsmalerei, modernen Musik und Kunsterziehung. Die Theatergruppe inszenierte Stücke und veranstaltete Musikaufführungen und literarische Lesungen.
1907 brachte sie in Tokio eine Probeaufführung des dritten Aktes der „Kameliendame“ nach dem Roman von Alexandre Dumas d.J. auf die Bühne. Li spielte darin die Titelrolle. Diese Aufführung gilt als die erste Theatervorstellung von Chinesen in chinesischer Sprache. Die Gruppe inszenierte ein Drama in fünf Akten nach dem Roman „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe und schuf eine in China bislang unbekannte Theaterform: das erste Drama auf Textgrundlage und die erste vollständige Aufführung eines Theaterstücks. „Indem es soziale Fragen reflektierte und aktuelle, die Öffentlichkeit betreffende Probleme auf die Bühne brachte, unterschied sich das moderne Theater deutlich vom traditionellen chinesischen Theater, das keinen Bezug zur Realität besaß“, sagt Professor Ding Luonan von der Shanghaier Schauspielakademie. Das moderne chinesische Theater erblickte das Licht der Welt in einer Übergangsperiode, als Chinas alte Feudalgesellschaft vor dem Zusammenbruch stand und eine neue Gesellschaft noch nicht aufgebaut war. Viele junge chinesische Intellektuelle wollten mit Hilfe westlicher Ideen eine neue Kultur aufbauen. Auch das Theater wurde so zu einem Mittel, ihre politischen und gesellschaftlichen Forderungen zu verbreiten.
Unter dem Eindruck der Theatergruppe Frühlingsweide, die japanisch beeinflusst war und in Shanghai viele Stücke aufführte, profilierte sich ein nordchinesisches Studententheater an der Nankai-Universität in Tianjin. Das Theater wurde vom Präsidenten der Universität, Zhang Boling, geleitet und führte zwischen 1908 und 1922 rund 50 Stücke auf. In den 1920ern gründete Tian Han, der den Text der Nationalhymne der Volksrepublik China verfasst hat, die Theatergruppe Nanguo. Mit dieser professionellsten Theatergruppe ihrer Zeit wollte er eine Revolution in der Kunst auslösen. Tian blieb an der Spitze der Theaterbewegung während der 1930er und 1960er Jahren und verhalf dem Theater zu einem Massenpublikum. Tians Zeitgenosse Hong Shen war der erste Chinese, der 1919 einen Theaterkurs an der Harvard-Universität absolvierte. Hong etablierte das Regietheater in China und war bekannt für seinen strengen Probenbetrieb. Er führte das Sprechtheater in deutlicher Abgrenzung zu Opern und Tanzstücken ein, und gab dem modernen, in China inszenierten Theater die Bezeichnung Huaju. Wörtlich übersetzt heißt dies „Sprechspiel“.
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