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13-11-2007 Beijing Rundschau
Die bühnenreife Geschichte des Theaters
Von Tang Yuankai
Kunst oder Kommerz? Sein oder Nichtsein, das ist die Frage, die sich an allen Ecken und Enden der chinesischen Kultur und Gesellschaft stellt in einer Zeit, da eine neue marktorientierte Wirtschaft das Land erfasst hat und das Überleben des modernen chinesischen Theaters ernstlich in Frage stellt.
1995, als es schlecht stand um Chinas Bühnen, fusionierten das Shanghaier Volkstheater und das Shanghaier Jugendtheaterensemble zum Shanghaier Theaterzentrum. Diese Strategie erwies sich als überaus erfolgreich. Medienberichten zufolge kann das Shanghaier Theaterzentrum mittlerweile 70 Prozent seiner Kosten decken. Damit liegt die Rate um 20 Prozent höher als bei vergleichbaren Spielstätten in Großbritannien und um 40 Prozent höher als bei Bühnen in Beijing. Yang Shaolin, General-direktor des Zentrums, ist über die Auswirkungen der Marktwirtschaft auf das moderne chinesische Theater besorgt. „Das ist ein wirkliches Dilemma, in dem das Theater heute steckt“, sagt Lü Linyin, ein Journalist aus Shanghai, der mit zahlreichen Dramatikern gesprochen hat. „Wenn man den Markt aus den Augen verliert, kann man sich das Genick brechen. Wenn man sich aber zu sehr den Erfordernissen des Marktes anpasst, untergräbt man damit seinen Kunstanspruch.“ Das Shanghaier Theaterzentrum hat als erstes Theater die Bedeutung eines „Produzenten“ erkannt und dessen Tätigkeit auf dem Markt eingeführt. Seine Aufgaben sind vielfältig: er muss bühnentaugliche Texte auswählen, Rollen besetzen, den Probenbetrieb organisieren und Werbeveranstaltungen lancieren. Der Mangel an guten Theaterstücken ist das Hauptproblem vieler Produzenten. „In vielen Fällen sind die Texte nicht ausgereift und Regisseure und Darsteller müssen sich sehr anstrengen, um diesen Mangel wett zu machen, aber das Endergebnis bleibt oft doch sehr unbefriedigend“, sagt Ren Ming, der Regisseur von Xunzhao Chunliushe (Die Suche nach der Theatergruppe Frühlingsweide). Die Zukunft des Theaters sieht Ren jedoch optimistisch. „Die Rahmenbedingungen für das Theater werden immer besser“, sagt er. Die Menschen würden immer wohlhabender und hätten immer mehr Zeit und Geld, das sie für Kultur und Unterhaltung aufwenden könnten. „Mit der Entwicklung eines diversifizierten Unterhaltungsmarktes wird schließlich auch das Theater seine Nische finden“, davon ist der 93-jährige Ouyang Shanzun, ein altgedienter Schauspieler und ehemaliger Leiter des Beijinger Volkstheaters, fest überzeugt. |
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