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18-12-2007 Quelle: www.shanghai-hamburg.de
Interview mit Shan Fan
Über Tapies haben Sie den Zugang zur westlichen Kunst gefunden. Wer spielte da noch eine Rolle? Ist dieses Spannungsfeld zwischen den Kulturen auch heute noch das bestimmende Element Ihres Werkes? Sie zeigen in Ihren Werken eine Idylle. Thematisieren Sie darin auch, dass diese Idylle nicht mehr vorhanden ist? Es geht für mich vor allem um das ideale Bild. Das ideale Bild ist das Gegenteil zu meinem Leben. Mein Leben ist landschaftlich schön, aber die Menschen sind verloren. Das Spiegelbild hierzu ist: Industrielandschaft, aber die Menschen sind glücklich. Das ist das grundlegende Thema. Sie haben ihre Ausstellung ja in Deutschland, in Essen, bereits gezeigt. Haben Sie die Vermutung, dass die Bilder in Deutschland anders aufgenommen wurden als das hier in China der Fall ist? In Essen hatte ich ein gutes Publikum, das waren hauptsächlich Leute, die etwas von Kunst verstehen. Die haben vor allem auch verstanden, warum ich so viele Industrielandschaften male. Hier in China ist das, glaube ich, schwer, das muss transportiert werden über Text. Ich habe hier auch sehr viele Interviewtermine, da muss ich viel erklären. Ein chinesischer Betrachter sieht vielleicht nur eine europäische Industrielandschaft und weiß nicht, was dahinter steckt. Wird zeitgenössische chinesische Kunst generell in Europa anders wahrgenommen als hier und haben ganz andere chinesische Künstler in Europa Erfolg? Ich glaube, die Künstler, die in Europa Erfolg haben, das sind häufig Künstler, die extrem plakativ arbeiten, in kritischem Sinne. Sie üben Gesellschaftskritik und haben zum Teil auch wegen der im Westen teilweise ziemlich ausgeprägten antikommunistischen Stimmung Erfolg. Ich bin aber ein anderer Maler, meine Kunst ist eher persönlich, nicht gesellschaftskritisch. Ich habe eine ganz andere Vorstellung von Kunst. Ich nehme wahr und muss das dann ausdrücken. Ich möchte nicht bestimmte Weltbilder plakativ darstellen, da findet für mich keine Umsetzung statt. Das hängt auch mit meiner Entscheidung, mich nicht zu entscheiden, zusammen. Haben die Spannungen zwischen den Identitäten, die sie erwähnten, durch Ihr Leben in Deutschland abgenommen oder bleiben sie vorhanden und nehmen sogar zu? Diese Spannung ist immer da. Das ist immer so geblieben. Die Spannung wird eigentlich auch immer wieder neu genährt. Ich bin ein starker Befürworter des postmodernen Menschen. Postmoderne als Mischung der Identitäten? Ja, genau. Wenn ich zurück in die Heide komme, das ist so typisch deutsch, da ist alles deutsch. Da fühle ich mich auch wohl und wenn ich zurück nach China komme, fühle ich mich auch wohl. |
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