26-02-2008 Quelle: china.org
Kurse in Peking-Oper für Kinder löst Debatte aus
 

Chinas neueste Bemühungen, die traditionelle Kultur unter der jüngeren Generation beliebter zu machen, hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Der Erziehungsminister hatte am 21. Februar ein Pilotprogramm angekündigt, wonach Schüler der Primar- und Sekundarstufe in der traditionellen Peking-Oper unterrichtet werden sollen.

Peking-Oper

Diese wird als eine einzigartige kulturelle Errungenschaft gesehen und soll deshalb in den Musikunterricht in 200 Schulen in zehn Provinzen eingeführt werden. Dieser Entschluss löste heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit aus.

"Ich unterstütze diese Projekt von ganzem Herzen", sagt Zhu Shihui, ein bekannter Darsteller von Peking-Opern. "Das Interesse sollte schon in der Kindheit geweckt werden. Ich selber wurde von der Peking-Oper während der Primarzeit fasziniert. Aus diesem Interesse ist nun eine vielleicht lebenslang anhaltende Karriere geworden", erzählt er Xinhua.

Die breite Öffentlichkeit ist allerdings weniger enthusiastisch. In einer Umfrage von Netease, einem chinesischen Nachrichtenportal, haben sich fast 70 Prozent gegen das Projekt ausgesprochen. In einer anderen Umfrage, die vom wichtigsten chinesischen Online-Portal sina.com durchgeführt wurde, waren von den über 21000 Teilnehmenden nur gerade 27 Prozent der Meinung, dass auf diese Weise die traditionelle chinesische Kultur gefördert werden könne.

Fast 38 Prozent denken, dass die Kurse nicht obligatorisch sein sollten, da die Wahl und Vorlieben der Studierenden respektiert werden müssten. Die verbleibenden 35 Prozent waren der Ansicht, dass in den verschiedenen Regionen die jeweils lokalen Varianten unterrichtet werden sollten, zumal China hier ein gewaltiges Reservoir an unterschiedlichen Varianten habe.

"Ist nun Peking-Ente auch eine Spezialität in jedem Winkel Chinas", spottet ein erboster Internetuser in einem Onlineforum. "Der Geschmack ist von Ort zu Ort verschieden. Die Peking-Oper sollte nur in der Hauptstadt unterrichtet werden. Unsere Yueju Oper ist viel schöner. Sie ist die Opernart, welche hier unterrichtet werden sollte", sagt eine andere Netzbetnutzerin aus der ostchinesischen Zhejiang Provinz, wo Yueju die populärste lokale Operart ist.

"Solche Kurse sollten freiwillig sein. Zwang wirkt eher kontraproduktiv. Die Kinder verlieren so vielleicht noch ganz das Interesse an der Oper, meint ein weiterer Surfer mit dem Nicknamen "Little Monkey". Wieder ein anderer Poster ist besorgt, dass es nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte gebe: "Die Peking-Oper ist eine jahrhundert alte, anspruchsvolle Kunstform. Sie setzt ein jahrelanges, professionelles Training voraus. Musiklehrer in Primar- und Sekundarschulen sind zu einer solchen Herausforderung wohl nicht in der Lage".

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