07-04-2008 Beijing Rundschau
Wechsel der Generationen in den Hutongs
von Caroline Rosales Gonzalez


Abbruch, Umbruch, lärmende Baustellen, wohin das Auge blickt. Historische Hofhäuser müssen Hightech-Hochhäusern weichen, enge Gassen breiten Stadtautobahnen. Chinas boomende Hauptstadt befindet sich im Bau-Endspurt zu den Olympischen Spielen. Dabei blicken Beobachter aus aller Welt mit Sorge auf die zum Abriss verdammten Hutongs – Pekings teils jahrhundertealten Wohnbebauungen mit malerischem Charme. Ein nächtlicher Streifzug durch die zahlreichen versteckten Hutong-Bars zeigt jedoch: Pekings Ausgehpublikum hat die traditionellen Wohnviertel längst in Beschlag genommen.

"Hier hat die nächste Generation der Hutong-Liebhaber ihren Platz gefunden", ist Fred Houseman überzeugt. Der Englischlehrer aus Irland kommt jeden Samstag zum Billard-Spielen ins "Drum & Bell" (41 Zhonglouwan Hutong, Dongcheng). Wer hier aufschlägt, möchte unter sich bleiben, gemütlich Bier trinken oder einen entspannten Plausch ohne dröhnende Boxen-Beschallung halten. Und dafür ist das unscheinbare Kneipen-Loft bestens geeignet. Quasi als Kontrastprogramm zur überfüllten Party-Meile in Sanlitun. Denn hinter der unscheinbaren Eingangstür, zwei Gehminuten vom Bell-Tower entfernt, herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre. Studenten lesen Bücher, lümmeln sich auf den Knautschleder-Sofas. "Wo steigt heute Nacht noch eine spontane Elektro-Party? Eine Gitarren-Session im kleinen Kreis?" Der Barkeeper verteilt alternative Ausgeh-Anregungen.

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