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16-06-2008 Beijing Rundschau
Magnetismus der Gegensätze - Drei Ausstellungen im NAMOC
von Matthias Mersch
![]() Seit der Entstehung der Fotografie im 19. Jahrhundert wird in regelmäßigen Abständen der Tod der Malerei verkündet. Lebendig ist sie jedoch bis heute geblieben, weshalb Zhang Ga, der Kurator der Ausstellung SYNTHETIC TIMES - Media Art China 2008, bei der Eröffnung vorsichtigere Töne anschlug und lieber von einem fruchtbaren Nebeneinander traditioneller und hochmoderner Kunstformen sprach. SYNTHETIC TIMES setzt auf Computertechnik, Internet und Interaktivität und schafft einen interessanten Überblick über allerneueste Arbeiten aus dreißig Ländern. Auch China ist u.a. mit Xu Bing prominent vertreten. Media Art China will zum „Markennamen“ werden, eine künftig alle zwei oder drei Jahre stattfindende Bestandsaufnahme aktueller Trends internationaler Medienkunst. Unter dem gleichen Dach finden derzeit zwei weitere Ausstellungen statt, die auf ganz andere Weise den Stand der Kunst reflektieren: Landschaftsmalerei aus Deutschland vom 19. bis zum 21. Jahrhundert (Living Landscapes: A Journey through German Art) und die Retrospektive Gerhard Richter, Paintings 1963 - 2007. Der Angriff der Fotografie richtete sich besonders heftig auf Landschafts- und Porträtmalerei. Die sehr sehenswerte Ausstellung mit Werken von Carus und Caspar David Friedrich über Kirchner bis hin zu Martin Kippenberger und Neo Rauch beweist, dass sich Landschaftsmalerei auch nach zwei Jahrhunderten noch nicht vom Kunstmarkt verabschiedet hat. Gerhard Richter nahm auf seine Weise die Herausforderung durch Fotografie, Konzeptkunst, Land Art und andere Kunstformen jenseits des traditionellen malerischen und bildhauerischen Ausdrucks an. Er hält seit den frühen 60er Jahren an der Ölmalerei fest, greift aber Komposition und Inhalte der Fotografie auf. Dabei entstehen keine gemalten Imitate von Fotografien - obwohl Fotos durchaus als Vorlagen dienen - sondern eine Art gemalter Fotografie: statt Lichtbilder Ölbilder, deren Motive Schnappschüssen ähnlicher sind als durchkomponierten Ölgemälden. So kommt das Ölbild betont kunstlos daher, objektiv wie die Abbildung einer Milchkuh in Schwarz-Weiß oder ein Urlaubsfoto der Familie am Strand. Das Element des Zufalls spielt auch bei einer anderen umfangreichen Werkgruppe eine Rolle: großformatige, abstrakte Kompositionen in Farbe, die man besser „Dekompositionen“ nennt, denn der Künstler will durch den Einsatz des Rakels, eine Art großer Spachtel, der wie ein Schieber über das noch farbfeuchte Bild gezogen wird, willentliches Gestalten außer Kraft setzen oder zumindest verleugnen. Gerhard Richters Ausstellung ist die erste Einzelausstellung eines ausländischen Künstlers in einem staatlichen Museum in China und ein kulturelles Ereignis ersten Ranges. Alle drei Ausstellungen sind noch bis zum 2. Juli im National Art Museum of China in Beijing zu sehen. |
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