10-10-2008 Beijing Rundschau
Gemalte Schrift
von Wu Yanfei

Zwei Kategorien von Zeichen bilden die Grundlage der chinesischen Schrift: Piktogramme (Bildzeichen) und Ideogramme (Begriffszeichen). Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu den alphabetischen Schriftsystemen des Abendlandes.

Zwar sind sich die Archäologen darüber uneins, so der Chefredakteur der „Konfuzius-Kalligraphie Zeitschrift“, Miao Qingtai, wie alt die chinesische Schrift eigentlich ist, aber die bisher aufgefundenen Schriftzeichen stammen aus der Shang-Dynastie (1600 v. Chr. – 1100 v. Chr.), und sind eingeritzt in Schildkrötenpanzern und Tierknochen, die der Weissagung dienten. Diese Orakelschriften zählen zu den Piktogrammen und weisen wegen der Gravuren harte und prägnante Striche auf, die an uralte Felsenmalerei erinnern. Mit der Verwendung weicher Pinsel versuchen heute viele Kalligraphen die wilde Schönheit der harten Striche wiederzugeben, was ihrem Werk eine besondere Atmosphäre verleiht.

In der Zhou-Zeit (um 1100 v. Chr. – 746 v. Chr.) tauchen mit der Entwicklung der Gusstechnik Schriftzeichen auf Ritualbronzen auf.  Seit der Han-Dynastie (202 v. Chr. – 8 n. Chr.) ist aus dem Schreiben eine selbständige Kunstgattung geworden. Durch die Erfindung des Papiers und die Entwicklung der Drucktechnik wurde auch das Schriftsystem revolutioniert. Papier beschleunigte das Schreiben, dadurch ist die so genannte Kursivschrift entstanden, aber erst die Drucktechnik führte im 11. Jahrhundert zur Vervollkommnung der Kalligraphie. Seither ist die Beherrschung der Kunst  der Kalligraphie eine der entscheidenden Merkmale des Gelehrten. 

Miao Qingtai sagt, traditionell sei die Kalligraphie mit anderen Kunstformen, z.B. Malerei, Dichtung, und Siegelschnitzerei eng verbunden, da ein Gelehrter in allen diesen Künsten bewandert sein sollte.  Es heißt, dass sich die Grenze zwischen Kalligraphie, Malerei und Dichtung längst aufgelöst habe. Denn Gegenstand der Kalligraphie sind eigentlich Gedichte, Zitate, Sprüche, und Prosatexte, die historisch überliefert sind, z. B. Gedichte von Li Bai aus der Tang-Zeit, Sprüche von Konfuzius usw. Man kann keinesfalls ein guter Kalligraph werden, wenn man nur wenig von chinesischer Malerei und Dichtkunst versteht.

Die Schriftzeichen sind Träger von Gedanken. Mit der chinesischen Schrift haben sich auch die Inhalte chinesischer Kultur in Ostasien verbreitet. Japanische Schriftsysteme basieren auf der chinesischen Schrift, und in Korea wurden bis ins 13. Jahrhundert ausschließlich chinesische Schriftzeichen verwendet. Bis heute werden Namen in Japan und Korea meistens mit chinesischen Zeichen geschrieben.

Heute noch ist die Kalligraphie in China, aber auch in den anderen Ländern Ostasiens eine ungemein populäre Kunst. Kalligraphie wird meist von Intellektuellen geübt, Qi Gong und Schattenboxen hingegen von breiteren Schichten der Bevölkerung. Mit dem Pinsel zu schreiben, so glaubt man, diene dazu, den Charakter zu formen, innere Ruhe zu erlangen und die Gesundheit zu stabilisieren. Schließlich kann man mit Hilfe der Kalligraphie das Leben besser verstehen und genießen. 

 
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