22-12-2009 Quelle: Deutsch-chinesisches Kulturnetz
Präsentation nationaler Kultur in China: Das Nationalmuseum in Peking
von Dr. Eduard Kögel

Private Galerien, unabhängige Künstler und die Verbindung zu wirtschaftlichen Aspekten, die in China treffend unter dem Begriff Kulturindustrie zusammengefasst sind, haben die Kultur der Volksrepublik China in den letzten Jahren entscheidend verändert. Sie schufen neue Zusammenhänge, die sich auch auf die Präsentation von Kultur durch staatliche Institutionen auswirken. Die wachsende internationale Bedeutung der Nation, die Bildungsrevolution der letzten Jahre sowie ein verändertes Freizeitverhalten werden in der Struktur und Erscheinung der Museumslandschaft sichtbar.

In Peking wirkte 1998 der internationale Architektenwettbewerb für das Nationaltheater als Wendepunkt in der Debatte über neue öffentliche Kulturbauten. Zu diesem Zeitpunkt öffnete bereits das von dem französischen Architekten Jean Marie Charpentier entworfene Grand Theater in Shanghai die Türen für das Publikum. Dessen Landsmann Paul Andreu wurde mit der Planung für das futuristische, in Titan gehüllte „Ei" des Nationaltheaterbaus in Peking beauftragt, das 2008 kurz vor den olympischen Spielen eröffnet werden konnte. Die auf höchster politischer Ebene gebilligte extravagante Form neben der Großen Halle des Volkes gab der lokalen Architekturdebatte über nationale Repräsentation, die lange von konservativen Kreisen und einer aus der maoistischen Ära stammende Ästhetik beherrscht war, eine völlig neue Wendung. Die Entscheidung für ein solch kontextloses Bauwerk öffnete ein Spielfeld für internationale Architekten. Sie konnten nach der Jahrtausendwende für Olympia Bauwerke realisieren, die sowohl den Auftraggebern wie den Architekten mit ihrer medialen Inszenierung internationale Anerkennung bescherten. Die politische Führung hatte verstanden, dass sich Stararchitekten im Kampf um mediale Aufmerksamkeit trefflich nutzen lassen. Und die Architekten begriffen, dass der Wille zur Selbstdarstellung Entwürfe ermöglicht, die unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen nur schwer zu realisieren sind.

Die Vorzüge dieser Symbiose haben auch andere chinesische Metropolen erkannt. So wurde Zaha Hadid beauftragt, das Opernhaus in Kanton zu bauen. Außerdem realisiert dort ebenfalls nach einem internationalen Wettbewerb das holländische Büro Information Based Architecture zusammen mit Arup den spektakulären, mit 610 Metern derzeit höchsten Fernseh- und Aussichtturm der Welt. Beide Bauten sollen während der Asienspiele 2010 die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf sich ziehen. Auch im Kontext der Expo 2010 in Shanghai entstehen in vielfältiger Weise spektakuläre neue Kulturbauten sowohl von ausländischen wie von inländischen Architekten.

 

Das Nationalmuseum in Peking

Im Kaiserreich war die Verbotene Stadt in Peking für die Chinesen das Zentrum der Welt. Nach der Revolution von 1911 entstand auf dem einstigen Vorhof zur Verbotenen Stadt der erste zentrale öffentliche Raum. Mit der Ausrufung der Volksrepublik 1949 durch Mao Zedong (毛泽东) ebendort erlangte der Platz des Himmlischen Friedens nationale Bedeutung. Zur Feier des zehnjährigen Jubiläums der kommunistischen Revolution wurde er 1959 in seinen jetzigen Ausmaßen neu gestaltet. Als seitliche Begrenzung wurden zwei wichtige öffentliche Bauten realisiert, die zusammen mit dem Denkmal der Volkshelden auf dem Platz und dem später hinzugefügten Mausoleum für Mao Zedong das Zentrum der Volksrepublik repräsentieren. In der ideologisch bestimmten Debatte um einen angemessenen Baustil kreuzte sich 1959 das bereits seit den dreißiger Jahren übernommene westliche Beaux-Arts-Konzept mit sowjetischen Vorbildern und dekorativen Anleihen bei der eigenen Tradition. Diese Mischung wurde zum Modell für Kulturbauten im ganzen Lande. Das monumentale Bauensemble am Platz des Himmlischen Friedens – auf der einen Seite die Große Halle des Volkes, auf der anderen ein Museumsbau für die Chinesische Revolution und die Chinesische Geschichte – sollte ein Gegengewicht zur geschichtsträchtigen, musealisierten Verbotenen Stadt schaffen.

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