16-05-2008 Quelle: CCTV, China Daily, Nanfang Zhoumo
Gefahr durch Stauseen im Erdbebengebiet?
 



Nach Angaben des Geologen Zhang Yong habe es bereits im Jahre 2005 in der Provinz Sichuan mehr als 6000 Stauseen gegeben, von denen 800 bereits vor dem Erdbeben in einem gefährlichen Zustand gewesen seien. Die wenigsten von ihnen verfügten über ein Warnsystem, das es ermöglichte, bei Erdbeben frühzeitig Wasser aus ihnen abzuleiten.

 Die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform spricht von 391 Staudämmen, an denen nach dem Erdbeben vom 12. Mai Schäden festgestellt worden seien. Bei zweien von ihnen handle es sich um große Staudämme, 28 seien mittelgroße und der Rest kleine Staudämme.

 2 000 Soldaten wurden zur Sicherung des Zipingpu-Dammes entsandt, der rund 10 km oberhalb der vom Erdbeben schwer betroffenen Stadt Dujiangyan am Min-Fluss liegt. Das Ministerium für Wasserbau hat nach der Untersuchung der Staumauer vor Ort ein Einsatzzentrum aufgebaut und leitet derzeit kontrolliert Wasser aus dem Stausee ab, um den Druck auf den Damm zu verringern. Nach einer vom chinesischen Staatsfernsehen CCTV veröffentlichten Stellungnahme sei der Damm „stabil und sicher“.

 He Biao, der Leiter des Aba Katastropheneinsatzzentrums im nördlichen Sichuan, drückte seine Besorgnis über Staudämme in der Nähe von Wenchuan aus, dem Epizentrums des Erdbebens, das rund 50 km nordwestlich von Dujiangyan liegt.

 Der Minister für Wasserbau, Chen Lei, sagte am 15. Mai in Beijing, viele der Wasserreservoirs in der Provinz Sichuan wiesen „bislang unbekannte, erhebliche Schäden“ durch das Erdbeben auf. So habe der Kuzu-Damm Risse durch die Wasser aus dem Stausee breche.

 Experten warnen auch vor natürlichen Stauseen, die sich nach Erdrutschen bilden können, welche durch schwere Erdbeben verursacht würden. Sammle sich in ihnen über längere Zeit Wasser, so könnten die Wassermassen die Geröllgürtel durchbrechen und sich vernichtend ins Tal ergießen. Oberhalb der Stadt Beichuan, in der noch immer Tausende unter Trümmern verschüttet sind, habe sich der Jian-Fluss gestaut und könne jederzeit eine Flutwelle auslösen, wenn es ihm gelinge die Barriere aus Felsen und Geröll zu durchbrechen.

Vom Tibetischen Hochland kommend schlängeln sich zahllose Flüsse durch das Sichuan-Becken. Die Staudämme dienen der landwirtschaftlichen Bewässerung und der Stromerzzeugung. Manche Flüsse sind an mehreren Stellen gestaut und liefern so elektrischen Strom.

 In den letzten zwei Jahren hat in China ein regelrechter Boom beim Bau von Staudämmen eingesetzt, berichtete kürzlich die Wochenzeitung Nanfang Zhoumo. Im Jahr 2009 soll eine neue Bestimmung in Kraft treten, wonach vor jedem Dammbau zwingend eine Umweltverträglichkeitsstudie vorgeschrieben ist, auf deren Grundlage künftig Baugenehmigungen erteilt werden sollen.

 

 

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