11-06-2008 Beijing Rundschau
Abenteuer der Riesenpandabären
von Wang Wenjie

Am Nachmittag des 12. Mai war das Leben der 63 Riesenpandabären im Forschungszentrum in Wolong noch ganz normal. Um 14.28 Uhr veränderte sich alles schlagartig. Ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 8,0 auf der Richter-Skala erschütterte die Kreisstadt Wenchuan. Das Riesenpanda-Forschungszentrum liegt nur 30 Kilometer von Wenchuan entfernt, der Kontakt zur Außenwelt war abgebrochen.

Das Riesenpanda-Forschungszentrum, Wolong, Erdbeben

„Alle Straßen wurden vom Erdbeben zerstört“, erinnert sich Heng Yi, Mitarbeiter des Riesenpanda-Forschungszentrums. „14 Panda-Häuser sind eingestürzt. Wir machten uns große Sorgen, weil die Schreie der Pandabären weithin zu hören waren.“

Ein weiterer Grund zur Beunruhigung: Zum Zeitpunkt des Erdbebens besuchten gerade einige Touristen aus den USA, Großbritannien und Frankreich das Pandazentrum. Außerdem gab es Wanderarbeiter, freiwillige Helfer und Wächter auf dem Gelände.

Um 15.00 Uhr rief Huang Yan, der Sicherheitsbeauftragte der Forschungsstationzentrums, alle Mitarbeiter in die Küche des Zentrums zusammen, denn dies war ein relativ sicherer Ort. Es wurde beraten, welche Maßnahmen zu ergreifen seien. Einige Mitarbeiter sollten sich um die Touristen und Pandabären kümmern, andere machten sich auf die Suche nach einem Weg, über den sich die Verbindung zur Außenwelt aufnehmen ließ.

Die Touristen wurden unverletzt in Sicherheit gebracht. Die meisten Pandabären wurden noch am selben Tag von Mitarbeiter gefunden.

„Die von Menschen aufgezogenen Pandabären verlassen normalerweise nicht die nähere Umgebung ihrer Häuser. Unsere Leute haben sie daher in der Nähe der Häuser vorgefunden: Manche waren auf Bäume geklettert und hielten ihre Partner fest im Arm. Andere hatten auf den Felsen Zuflucht gefunden und warteten dort auf ihre Pfleger“, sagt Heng. „Wir haben dann alle Pandabären zu einem Platz gebracht, der möglichst weit vom Berg entfernt lag.“

„Ehrlich gesagt war die Evakuierung der Pandabären sehr schwierig. Wir sollten nämlich so schnell wie möglich das Berggebiet verlassen, um Erdrutschen auszuweichen, die vom Nachbeben verursacht wurden“, so Heng weiter. „Die weiblichen Mitarbeiter konnten leicht die Panda-Babys in ihren Armen davontragen. Für unsere männlichen Mitarbeiter war es allerdings relativ schwierig, die erwachsenen Pandabären aus dem gefährdeten Gebiet wegzubringen. Nichts blieb unversucht: zunächst wollten wir sie mit Bambus ködern. Aber diese Maßnahme erwies sich bei einigen der verschreckten Tiere als sinnlos. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig, als sie zu betäuben und hinauszutragen. In der Abenddämmerung wurden dann auch noch die 14 Panda-Babys in das Stadtgebiet von Wolong verlegt, nachdem die ausgewachsenen Tieren dort schon sicher angekommen waren“, so Heng.

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