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15-11-2007 Ein Deutscher in Beijing
Beijing in 8 Tagen
Jens Höfling
Genau richtig für einen Nachmittagsbesuch, machten wir nach einer ausgiebigen Shoppingtour einen Abstecher zum Dongyue-Tempel. Denn mein Besuch wollte unbedingt, zugegebenermaßen berechtigt, einen Tempel bewundern. Die beeindruckende taoistische Anlage hat ihre Wurzeln in der Yuan-Dynastie im 13. Jahrhundert. Auffallend sind die zig roten Karten die vielerorts an Pagoden, Bäumen, Sträuchern, ja eigentlich überall, befestigt sind. Auf ihnen stehen Gebete, die beispielsweise Glück, Gesundheit oder viele Kinder bringen sollen. Am Abend ging´s dann Kulinarisch weiter: Peking-Ente, serviert in einem kleinen gemütlichen Restaurants, versteckt in einem der Hunderten Hutongs, den ursprünglichen Wohnanlagen Pekings. Gegessen wird das speziell zubereite Geflügel in dünnen Teigrollen, zusammen mit Zwiebelscheiben und Gurken sowie einer würzigen Sauce.
Am vierten sonnenklaren Tag stand der Sommerpalast, die Sommerresidenz des Kaisers, auf dem Programm – definitiv ein Highlight. In den Abendstunden war dann ein Bummel am Hohai-See angesagt. Der durch die Neonlichter der umliegenden Bars und Kneipen hell illuminierte See gibt der Atmosphäre seinen besonderen Reiz. Trotz der bereits einstelligen Temperaturen flanieren noch viele Beijinger und Touristen entlang der Promenade oder sitzen in Decken verpackt im Freien und genießen den Ausblick auf den See. Für den 5. Tag hatte ich die Fahrt an die Große Mauer eingeplant, ans Teilstück Badaling, dass zwar in den 60er Jahren komplett renoviert wurde und teilweise nicht mehr aus den ursprünglichen Steinen besteht,. Aber das schmälert nicht die Freude am Mauererlebnis. Das pompöse Bauwerk, dass zu den neuen sieben Weltwundern gehört, zieht jeden in seinen Bann. Ich war erneut fasziniert, denn es war für mich bereits das zweite Mal, dass ich die Treppen der Großen Mauer erklommen habe. Auch meine Besuch teilte die Begeisterung. Der einzige Wermutstropfen: Die Große Mauer ist immer bevölkert von Scharen an Touristen, vor allem aus dem asiatischen Raum, die unerbittlich die Mauer entlangströmen. Von idyllischer Ruhe ist nichts zu spüren. Am 6. Tag ging es dann zum zentralen Punkt der Stadt und zum ehemaligen kaiserlichen Zentrum der Macht: die Verbotene Stadt, die so heißt, weil sie 500 Jahre lang von der Bevölkerung, bis zum Sturz des Kaiserreichs im Jahre 1911, nicht betreten werden durfte. Im Palast lebten nur des Kaisers Konkubinen sowie seine Eunuchen, die Bediensteten des Kaisers, so dass das Oberhaupt der einzige zeugungsfähige Mann im Palast war. Da neben kulturellen Sehenswürdigkeiten auch das kulinarische Beijings nicht zu kurz kommen durfte, ging es abends dann zum Hotpot in ein abseits gelegenes chinesisches Restaurant. Die Spezialität, die schweizerischem Fondue vom Grundprinzip her ähnelt, schmeckte fantastisch. Mein Tipp: Mongolisches Hotpot probieren, dass besonders für Liebhaber scharfen Essens zu empfehlen ist. Am 7. Tag der Erkundungstour besuchten wir das Wahrzeichen Beijings, den Himmelstempel, der als Anbetung des Himmels und der Erflehung einer reichen Ernte diente. Wohl kaum ein anderes Bauwerk ist in China öfter fotografiert worden als diese harmonische, architektonisch in sich ruhende Halle. An diesem kalten Tag, die Tempe-raturen gingen gegen Null, durfte auch wieder ein reichhaltiges Abendessen nicht fehlen. Mein persönliches Lieblingsrestaurants ist das Xinghuayuan Restaurant in der Huayuan Lu im Norden Beijings. Bei dem Restaurant stimmt einfach alles. Geschmack, Tempe-ratur, Service, sowie das Angebot. Auch wenn die Speisekarte auf Chinesisch ist, kann man sich doch gut Glück etwas herauspicken. Bislang wurde ich noch nicht enttäuscht. Am letzten Tag der Reise fuhren wir zu meiner Arbeitsstelle: die Redaktion der Beijing Rundschau im Gebäude der China International Press Group. Meine chinesischen Kollegen empfingen meine Mutter mit offenen Armen. Beim späteren gemeinsamen Mittagessen fand dann ein reger Austausch zwischen chinesischen und deutschen Ansichten statt. So waren meine chinesischen Kollegen überrascht, dass es in Deutschland üblich ist, eine Banane vor dem Verzehr vollständig zu schälen, anstatt – wie in China – das Fruchtfleisch nach und nach aus der Bananenschale zu essen. Am Nachmittag stand dann ein Besuch im Beijinger Zoo mit seinem Highlight, den Pandabären, auf dem Programm. Der Zoo ist sehr überschaubar und in einem guten Zustand. Einige Teile des Zoos werden nur gerade renoviert, was für manche Tiere eingeengte Platzverhältnisse zur Folge hat. Auch die Löwen haben meiner Meinung nach, im Vergleich zum Gehege der Pandabären, zu wenig Platz. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Denn die Artenvielfalt ist riesig. Einen halben Tag sollte man für den Zoobesuch einplanen.
Auf die Frage, was ihr am besten in den acht Tagen gefallen habe, antwortete meine Mutter, der Sommerpalast. Kein Wunder! An dem sonnenklaren kalten Tag, erschienen alle Tempel, Brücken und Bootsanlegestellen der ehemaligen Kaiser in den schönsten Farben. Sogar das Wasser des riesigen Sees leuchtete azurblau. Weniger gut gefallen habe ihr das U-Bahn-Fahren. Die Bahnen sind generell, verglichen mit europäischen Metros, viel zu klein, und stets überfüllt. In den schlecht beschilderten unterirdischen Katakomben, die zu den Gleisen führen, kann man sich zudem leicht verlaufen. Den Ausgang suchten wir sage und schreiben zehn Minuten. Aber das waren auch die einzigen Kritikpunkte ihres Beijingaufenthalts. Besonders positiv überrascht war sie von der Offenheit und Freundlichkeit der Beijinger. Im Vergleich zu den Menschen in Moskau, meinte sie, scheinen Beijinger viel lebensfroher und optimistischer zu sein. In der Parkanlage rund um den Himmelstempel war das besonders zu spüren. Überall spielten Menschen im Freien Karten, unterhielten sich, tanzten oder vergnügten sich bei Karaoke. Gewundert hat sie auch, dass alle sie anstarrten. Der Grund dafür war sicherlich ihr weißes Haar und natürlich auch das westliche Aussehen. Auch vom Essen war meine Mutter begeistert. Vor allem Pekingente hat ihr sehr gut geschmeckt. Nur manches, was auf Spießen am Straßenrand überall verkauft wird, wie beispielsweise „gegrillte Vögel", würde sie nicht probieren. Gerne würde sie noch mal wieder kommen; vielleicht zur Olympiade im kommenden Jahr. Wer weiß….? |
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