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21-12-2007 Beijing Rundschau
Shanghai, die „aufregendeste Stadt der Welt"?
von Jens Höfling
Shanghai polarisiert: Auf den schillernden Einkaufsmeile der Nanjing Lu schlägt einem die Moderne ins Gesicht. Gutbetuchte Europäer und neureiche Chinesen frönen dem Konsum, Leuchtreklamen so weit das Auge reicht. Zahlreiche Straßenverkäufer bieten vorbeiströmenden Passanten gefälschte Uhren, Taschen sowie Schmuck aus „echtem" Gold und Silber an. „Good price and good quality" ertönt es immer wieder. Polizisten patrouillieren in ihren Golfcaddy ähnlichen Elektromobilen. Das Straßenbild erinnert an eine auf dem Reißbrett entstandene Konstruktionen, so akkurat reihen sich die Gebäude aneinander. Traditionelles passte nicht in das Konzept der Stadtplaner eines modernen Shanghais. Und so mussten in den vergangenen Jahren viele klassische Bauten weichen. Nur vereinzelt entdeckt man noch Ursprüngliches. In den schmalen Seitengassen der Hauptverkehrsstraßen, abseits der Touristenströme, beispielsweise: Hier befinden sich kleine Garküchenstände, Kopfsteinpflaster, winzige Gemüse- und Fischgeschäfte, bis zur Decke mit frischem Waren gefüllt, Barbierläden sowie zwielichtige Massagesalons. Sehenswert ist sicherlich der Yu Yuan, eine der bedeutesten klassischen Sehenswürdigkeiten in Shanghai. Der „Garten der Zufriedenheit" entstand im 16. Jahrhundert und dienste als Ruhesitz hoher Beamter. Heute ist der Garten mit seinen traditionellen Gebäuden eine Touristenattraktion. In den alten Häusern rund um den Garten haben sich größtenteils Geschäfte und Restaurants niedergelassen. Mit seinen kleinen verwinkelten Gassen, den mit Ornamenten verzierten Häusern und der auf einem Teich angelegten, zu einem auf Stelzen gebautem Haus führenden Brücke, umringt von Hunderten Hochhäusern, wirkt der Garten surreal, wie eine Oase in den Weiten der Großstadt. Yu Yuan ist letztlich auch eines der wenigen kulturellen Highlights in der Stadt. Leider. In Shanghai, eine Stadt, in der das Kapital regiert, bleiben keine Wünsche offen, zumindest keine materiellen. Dafür ist gesorgt. Dennoch besitzt die glitzernden Metropole, die von manchen bereits als aufregendeste Stadt der Welt betitelt wird, nicht den Charme und den Antlitz einer Stadt wie der chinesischen Hauptstadt Beijing. Auch haben westlicher Lebensstil, Luxus und Fortschritt in Form von teuren Karossen, riesigen Einkaufszentren und bis zum Himmel reichenden Wolkenkratzern, Einzug gehalten. Nur wird man nicht fortan vom westlichen Überfluss penetriert, wie das in Shanghai der Fall ist. Es hält sich die Waage zwischen klassischer chinesischer Kultur, die in Shanghai fast völlig fehlt, und westlichem Lebensstil. Einerseits trifft man in der Hauptstadt auf wunderschöne Tempel, Paläste, Gärten und prunkvollen Gebäuden, bei deren Anblick man merkt, dass man in China ist. Andererseits hat das moderne Beijing alle Annehmlichkeiten einer fortschrittlichen Großstadt. Nichtsdestotrotz ist Shanghai sehenswert. Nur sollte man wissen, auf was man sich einlässt und was man sich von einem Trip in die Stadt verspricht. Wer viel Geld loswerden will, von morgens bis abends durch diverse Shoppingmalls geistern, sich in den unzähligen exquisiten Gourmettempeln verwöhnen lassen, und sich von der Wolkenkratzerkulisse in den Bann ziehen lassen möchte, der kommt sicherlich auf seine Kosten. Wer sich aber unter dem „Paris des Osten" eine Stadt mit Flair, traditionellen Gebäuden, malerischen Parkanlagen und Palästen verspricht, der wird gnadenlos enttäuscht werden. Letztlich ist Shanghai eine Metropole wie viele andere, nur etwas lauter und greller. |
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