04-05-2008 Beijing Rundschau
Religion
 

 

Anhang: Das Reinkarnationssystem der Lebenden Buddhas

In Laufe der Entwicklung des Tibetischen Buddhismus sind verschiedene Sekten und Schulen entstanden. Um die Kontinuität ihrer Schulrichtung zu wahren, haben alle Sekten eine eigene Nachfolgeregelung etabliert. Darin liegt auch der Grund für das Aufkommen des Reinkarnationssystems der Lebenden Buddhas.

Die Reinkarnation der Lebenden Buddhas begegnet uns zum ersten Mal bei Karma Kagyu, einer Schule der Kagyu-Sekte des Tibetischen Buddhismus. 1283, als Karma Pashi, ein hochgebildeter Mönch von Karma Kagyu, dem der mongolische Khan Mongo den Titel „kaiserlicher Lehrer“ verliehen und eine mit goldenen Fäden umsäumte schwarze Mütze geschenkt hatte, auf dem Sterbebett lag, sprach er den Wunsch aus, nach einem Kind als seiner Wiedergeburt suchen zu lassen. Diesem Kind solle die schwarze Mütze vererbt werden und damit die Würde des Oberhauptes dieser Schulrichtung. Dies war der Beginn des Reinkarnationssystems der Lebenden Buddhas mit schwarzer Mütze. Danach folgten die anderen Sekten des Tibetischen Buddhismus diesem Beispiel. Das Reinkarnationssystem des Dalai Lamas wurde im 16. Jahrhundert und das des Panchen Erdeni im Jahr 1713 eingeführt. Als die Gelug-Sekte im 17. Jahrhundert in Tibet an die Macht gekommen war, wurde das Reinkarnationssystem der Lebenden Buddhas zu einem Mittel der Machthaber Tibets zur Bewahrung ihrer souveränen staatlichen Rechte. Als Reaktion darauf veröffentlichte der Qianlong-Kaiser im Jahr 1793 das ,,29-Artikel-Statut für eine noch effektivere Verwaltung Tibets“. In Artikel 1 des Statuts wird die Einführung des Systems der Losziehung aus der goldenen Urne zur Bestimmung der Wiedergeburt eines verstorbenen Lebenden Buddhas festgelegt. Zu diesem Zweck ließ der Qing-Hof zwei goldene Urnen anfertigen: eine für den Dalai Lama und den Panchen Erdeni, die im Jokhang-Kloster in Lhasa aufbewahrt wird, und eine für Große Lebende Buddhas und Hutogtu-Buddhas in der Mongolei, die im Lamatempel Yonghegong in Beijing aufbewahrt wird.

Der Staat respektiert den Glauben und praktiziert die Reinkarnation der Lebenden Buddhas sowie die religiösen Rituale und historische Gepflogenheiten des Tibetischen Buddhismus. Im Jahr 1992 genehmigte das Büro für Religiöse Angelegenheiten beim Staatsrat den Nachfolger des 17. Lebenden Buddhas Karmapa. Im Jahr 1995 wurde das Seelenkind der Reinkarnation des 10. Panchen Erdeni nach den tibetischen buddhistischen Ritualen und den seit der Qing-Zeit bestehenden Gepflogenheiten durch die Losziehung aus der goldenen Urne bestätigt und vom Staatsrat genehmigt. Anschließend wurde die Inthronisationsfeier des 11. Panchen Erdeni veranstaltet.

Seit der demokratischen Reform hat es mehr als 30 Lebende Buddhas, die von der Zentralregierung und der Lokalregierung des Autonomen Gebiets Tibet genehmigt wurden, gegeben.

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