04-05-2008 Beijing Rundschau
Religion
 

Die Bön-Religion

Die Bön-Religion ist eine einheimische Religion Tibets. Sie wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. Vom Herrscher des alten Shangshung-Reiches auf der Grundlage der ursprünglichen Religion von Shangshung gegründet. Das Zentrum ihrer Aktivitäten, die sich im Frühstadium auf einfache Rituale zum Gebet um Glück und zur Vertreibung von Dämonen beschränkten, lag in der Nähe von Montser im heutigen Landkreis Gar. Um Christi Geburt gelangte die Bön-Religion ins Einzugsgebiet des Yarlung Zangbo-Flusses und wurde allmählich zur einer religiösen Macht, die eine vorherrschende Stellung im Tibetischen Hochland hatte.

Als sich der Buddhismus in Tibet verbreitete, führte die Bön-Religion mit ihm einen heftigen und lang andauernden Kampf, der lange Zeit hindurch unentschieden blieb. Die Auseinandersetzung zwischen dem Buddhismus und der Bön-Religion war auch ein Ringen zwischen den verschiedenen Interessengruppen des Tubo-Reiches.

Um der eigenen Existenz und Entwicklung willen absorbierte die Bön-Religion direkt oder indirekt Inhalte und Formen des Tibetischen Buddhismus. Ein Beispiel: Die Anhänger der Bön-Religion tragen wie die Buddhisten Kasaya (eine Mönchskutte), bauen Tempel und Klöster und beten zu Buddha. Sie umkreisen auch ,,Mani-Steinhaufen“ (Steinhaufen mit eingravierten buddhistischen Inschriften) und andere heilige Gegenstände, drehen auch Rosenkränze (aber in umgekehrter Richtung als im Buddhismus üblich) und sprechen auch ein Sechs-Silben-Gebet. Die Bön-Religion kennt wie der Buddhismus Seelenkinder von Lebenden Buddhas. Deshalb meinen manchen Leute, dass sich die Bön-Religion bereits dem Buddhismus angeglichen habe. Die Anhänger der Bön-Religion teilen diese Meinung jedoch nicht.

Statistiken zufolge hat das Autonome Gebiet Tibet 88 Tempel und Klöster der Bön-Religion, davon liegen 55 im Bezirk Qamdo, 23 im Bezirk Nagqu, 6 im Bezirk Xigaze, 2 im Bezirk Nyingchi und jeweils ein Tempel in Lhasa und Ngari.

 

Der Islam

Gläubige nach dem Gottesdienst in der Moschee von Lhasa.

 

Der Islam hat in Tibet eine Geschichte von mehr als 1100 Jahren. In der Stadt Lhasa gibt es über 2000 Angehörige der Hui-Nationalität, die meisten von ihnen bekennen sich zum Islam. Außerdem gibt es eine kleine Anzahl von Moslems aus anderen ethnischen Gruppen oder aus dem Ausland. Die Moslems, egal, ob sie sich vorübergehend in Lhasa aufhalten oder in Lhasa ansässig sind, können ihrem Glauben gemäß ein normales religiöses Leben führen.

Die Moslems, die seit Generationen in Lhasa leben, haben ihre Sprache und Kleidung bereits der tibetischen Kultur angeglichen. Unter Beibehaltung ihres religiösen Glaubens und ihrer Sitten und Gebräuche kommen sie mit den lokalen tibetischen Mönchen und Laien gut aus. Ihre Umgangssprache ist Tibetisch oder Chinesisch. Beim islamischen Gebet sprechen sie zuerst Arabisch und dann Tibetisch.

Zurzeit gibt es in der Stadt Lhasa vier Moscheen, die berühmteste von ihnen ist die Moschee Wabaling. Sie liegt an der Südlichen Barkor-Straße, die sich südöstlich vom Jokhang-Kloster befindet. Im Jahr 1716 erbaut, hatte sie ursprünglich nur eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern. Im Jahr 1793 wurde sie renoviert und ausgebaut. Im Jahr 1959 wurde sie bei bewaffneten Auseinandersetzungen in Brand gesetzt. Im darauf folgenden Jahr wurde sie mit Spendengeldern wieder aufgebaut.

 

Der Katholizismus

Die einzige katholische Kirche in Tibet liegt im Dorf Yanjing des Landkreises Markam an der Grenze zwischen Sichuan und Yunnan. Seitdem der Katholizismus im Jahre 1865 nach Yanjing gelangt war, haben nacheinander 17 Personen in der katholischen Kirche als Priester oder Missionar fungiert. Die Bewohner des Dorfes Yanjing sind überwiegend Tibeter, einige von ihnen sind Angehörige der Naxi-Nationalität. 80 Prozent der Bewohner des Dorfes bekennen sich zum Katholizismus. Insgesamt gibt es etwa 740 Katholiken in Tibet, mehr als 600 von ihnen leben in diesem Dorf. Die Heilige Schrift liegt in tibetischer Übersetzung vor. Die lokalen Katholiken betrachten wie die anderen Tibeter das tibetische Neujahr als Beginn eines neuen Jahres, sie feiern aber auch Weihnachten als ein wichtiges Fest. Allerdings ist der Brauch, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, bei ihnen unbekannt. Bei der Messe führt der Priester den Vorsitz und hält eine Predigt, alle Katholiken und eingeladenen Besucher essen im Hof der Kirche und tanzen dann Gorzhuang- und Xuanzi-Tänze. Jedes Jahr, wenn das Gangda-Kloster, ein Kloster des Tibetischen Buddhismus, das in der Nähe der Kirche liegt, das Göttertanz-Fest feiert, werden auch der Priester und die anderen Katholiken dazu eingeladen, dem Fest beizuwohnen, bei dem der Göttertanz des Tibetischen Buddhismus aufgeführt wird.

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