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11-10-2007
Beijing Rundschau Beijing - ganz normaler Kulturschock?
Von Ricky v. Kanne
Ich bin als Praktikantin der Beijing Rundschau für zwei Monate in China. Als ich hierher kam, hatte ich zugegeben nur sehr wenige Vorkenntnisse, da sich meine literarischen Reisevorarbeiten aufgrund der universitären Prüfungsvorbereitungen leider nur auf das Vorwort meines Reiseführers beschränkt haben.
Ich konnte mir nicht so recht vorstellen, dass Beijing wesentlich größer als andere Metropolen, wie zum Beispiel New York, wo ich 2003 für drei Monate gelebt hatte, sein sollte. Bis jetzt habe ich auch nur Asiaten kennen gelernt, die nahezu perfekt Englisch sprechen konnten und mir immer wieder versicherten, dass Englisch in China sehr, sehr wichtig sei. Demnach konnten in meiner Vorstellung weit mehr als die Hälfte aller Chinesen Englisch sprechen. Gestiegen ist die Zahl vermutlich noch weiter durch mein inständiges Festhalten an dieser hoffnungsvollen Illusion, denn ich konnte kein Wort Chinesisch und würde in meiner Zeit hier auch keinen Unterricht bekommen und baute darauf, dass ich mich mit Englisch durchschlagen können werde. Zudem ist Beijing keine kleine Provinzstadt, sondern die Hauptstadt Chinas, eine internationale Metropole, ein boomendes Finanz- und Kulturzentrum. Als ich das erste Mal zwischen den ganzen Hochhäusern und Gebäuden umhergegangen war, blieb der große Schock und die Beklemmung bei mir aus, denn damit wurde ich schon in New York konfrontiert. Damals hatte ich, die auf einem Hof in der ostwestfälischen Einsamkeit aufgewachsen war, großen Respekt und war von den Wolkenkratzern geradezu überwältigt. So war der Eindruck Beijings im ersten Moment nicht viel anders, als ein New York in China. Als ich dann das erste Mal mit den Beijingern in „Berührung“ kam, musste ich mein Urteil über die „gut Englisch-sprechenden“ Menschen meiner Fantasie revidieren. Ich wurde dann von meinem Onkel, der für ein Jahr mit seiner Frau, die Chinesin ist, und seinen Kindern in Beijing lebt, aufgeklärt, dass weit weniger als ein Drittel der Menschen wirklich gutes Englisch sprechen können. Mir wurde klar, dass der Wunsch nach „ein bisschen Englisch in China“ sehr vermessen war, diesem die Touristen im Ausland dennoch oft verfallen. Nicht selten wird erwartet, dass man im Ausland, wenn schon nicht mit seiner eigenen Sprache, dann doch aber bitte wenigstens mit Englisch weiterkommt. Aber einem fremden Land, mit seiner eigenen Kultur sollte man annehmen, dass es auch seine eigene Sprache hat und als Gast des Landes sollte man versuchen, sich wenigstens ein bisschen daran zu orientieren. Gerade mit der chinesischen Sprache kann man viele witzige Erlebnisse haben und jeder Ein-heimische freut sich, wenn er das Gefühl bekommt, dass man sich für ihre Sprache interessiert. Für mich war also klar, dass ich mir einen kleinen Grundwortschatz anlegen würde, damit ich wenigstens höflich „Guten Tag“ und „Danke“ sagen und dem Taxifahrer erklären kann, wohin ich gerne fahren würde. Ganz nebenbei erhöht sich damit dann auch die Wahrscheinlichkeit, dass man wirklich an den Ort gelangt, zu dem man gerne gebracht werden möchte. |
| Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24, 100037 Beijing, Volksrepublik China |